Die Niederlande haben Pride Amsterdam offiziell für die UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes vorgeschlagen. Bildungs-, Kultur- und Wissenschaftsministerin Rianne Letschert informierte darüber in einem Schreiben an das Parlament. Die Regierung folgt damit einer Empfehlung des niederländischen Kulturrats.
Konkret geht es um die „Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit“. Dort werden keine Bauwerke oder Naturstätten gewürdigt, sondern sogenannte lebendige Kultur – also Traditionen, Feste, Bräuche und kulturelle Praktiken, die von Gemeinschaften getragen, weitergegeben und gepflegt werden.
Nicht zu verwechseln ist die mögliche Anerkennung daher mit dem UNESCO-Weltkulturerbe, zu dem etwa der Amsterdamer Grachtengürtel gehört. Bei Pride Amsterdam geht es um immaterielles Kulturerbe: um eine kulturelle Praxis, die Sichtbarkeit, Gemeinschaft und gesellschaftliche Veränderung verbindet.
Foto: Dirk Baumgartl
Amsterdam Pride
Vorbild für Gleichberechtigung
Der Kulturrat hatte zuvor mehrere mögliche Kandidaten geprüft und sich schließlich unter anderem für Pride Amsterdam ausgesprochen. Zu den weiteren empfohlenen Traditionen gehören etwa die niederländische Wohnwagenkultur, das Gedenken an die Befreiung Leidens von der spanischen Belagerung im Jahr 1574, das traditionelle Heckenflechten und die Fanfarenorchester-Kultur.
In seiner Begründung verwies das Gremium auf die internationale Bedeutung der Niederlande für Gleichberechtigung, queere Emanzipation und sexuelle Freiheit. Pride Amsterdam steht damit nicht nur für ein großes Stadtfest, sondern auch für eine gesellschaftliche Bewegung, die weit über die Grenzen der Niederlande hinaus sichtbar ist.
Die Organisator*innen begrüßten die Entscheidung. Pride-Amsterdam-Direktor Lucien Spee erklärte gegenüber dem Sender AT5, man arbeite bereits sehr lange an der möglichen Nominierung. Eine solche Gelegenheit ergebe sich nur selten, nun seien endlich alle Voraussetzungen erfüllt.
Entscheidung wohl erst Ende 2028
Bis zu einer möglichen Aufnahme ist allerdings noch Geduld gefragt. Zunächst muss Pride Amsterdam ein offizielles Bewerbungsdossier ausarbeiten. Dieses muss anschließend vom niederländischen Ministerrat bestätigt werden, bevor die Unterlagen bis Ende März 2027 bei der UNESCO eingereicht werden können. Mit einer Entscheidung wird voraussichtlich erst Ende 2028 gerechnet.
In den Niederlanden gehört Pride Amsterdam bereits seit 2019 zum nationalen Inventar des immateriellen Kulturerbes. Mit der internationalen Nominierung soll diese Anerkennung nun auf eine größere Ebene gehoben werden.
Foto: Amsterdam Pride
Amsterdam Pride
Pride als weltweites Kulturgut?
Für die Organisator*innen geht es dabei nicht nur um Amsterdam. Langfristig hoffen sie auf eine breitere Anerkennung von Pride als weltweitem Kulturgut. Damit könnten auch Pride-Veranstaltungen in Ländern gestärkt werden, in denen LGBTIQ nicht frei und sicher leben können.
Amsterdam könne dabei eine Vorreiterrolle übernehmen, so Spee. Die Stadt sei für viele Menschen lange ein Hoffnungssymbol gewesen. Diese Bedeutung solle nun auch anderen Ländern zugutekommen.
Sollte die UNESCO den Antrag annehmen, wäre das ein historisches Signal: Die internationale Pride-Bewegung würde damit nicht nur als politischer Protest und Community-Fest verstanden, sondern auch als schützenswerte kulturelle Praxis.
WorldPride Amsterdam im Sommer 2026
Gefeiert wird in Amsterdam in diesem Sommer ohnehin groß: Vom 25. Juli bis 8. August findet dort WorldPride statt. Das internationale Mega-Event steht unter dem Motto „Unity“ und fällt mit mehreren Jubiläen zusammen, darunter 25 Jahre Ehe für alle in den Niederlanden und 30 Jahre Pride Amsterdam.
Zu den Höhepunkten gehört die berühmte Canal Parade, die am Samstag, 1. August, durch die Amsterdamer Grachten ziehen soll. Außerdem sind unter anderem eine Menschenrechtskonferenz, ein WorldPride Village, Konzerte, Partys sowie ein großer WorldPride March geplant.
Foto: Dirk Baumgartl
WorldPride Amsterdam