New Hampshire schreibt sein Motto auf jedes Nummernschild: „Live Free or Die“. Chris Pappas beruft sich darauf, wenn er über gleiche Rechte spricht. Der 46-Jährige sitzt seit 2019 im Repräsentantenhaus, sein Ehemann Vann Bentley tritt in seinen Wahlspots auf. Gegen den republikanischen Ex-Senator John E. Sununu lag er in der jüngsten Umfrage des Saint Anselm College mit 50 zu 43 Prozent vorn. Gewinnt er, bekommt Tammy Baldwin, 2012 als erste offen lesbische Frau in den Senat gewählt, erstmals einen offen schwulen Kollegen.
Achtzehn auf dem Wahlzettel
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Chris Pappas will der erste offen schwule Mann im US-Senat werden
Pappas ist einer von 18 offen queeren Kandidatinnen für den Kongress, zählt der Washington Blade. Neun wollen erstmals hinein, neun ihren Sitz verteidigen, darunter Sarah McBride aus Delaware, 2024 als erste offen trans Person in den Kongress gewählt. Zwölf offen queere Abgeordnete sitzen derzeit im Repräsentantenhaus, nach der Wahl könnten es bis zu 17 sein. Drei Kandidatinnen – JoAnna Mendoza in Arizona, Marni von Wilpert in Kalifornien, Cait Conley in New York – treten in Bezirken an, die nach Einschätzung der Human Rights Campaign über die knappe republikanische Mehrheit mitentscheiden.
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Sarah McBride, seit 2024 erste offen trans* Abgeordnete im Kongress
Kippt die Kammer, rücken queere Abgeordnete an Schaltstellen. Robert Garcia, ranghöchster Demokrat im Kontrollausschuss, gilt als aussichtsreichster Anwärter auf dessen Vorsitz – ein Amt, das Vorladungen ohne Ausschussvotum erlaubt. Mark Takano könnte den Veteranenausschuss führen und klären lassen, was aus den trans* Soldat*innen wird, die Trump aus der Armee drängt.
Wen das Schimpfwort trifft
Annie Andrews ist Kinderärztin und will für die Demokratinnen in South Carolina in den Senat. Trump hat die cis Frau zweimal mit einem transfeindlichen Schimpfwort belegt, zuletzt am Donnerstag bei einem Auftritt in Rock Hill. Nach dem ersten Mal stellte sich Andrews im Arztkittel vor die Kamera und erklärte, sie unterstütze keine „biologischen Männer“ im Frauensport. Früher hatte sie Sportverbote für trans Jugendliche als beschämend bezeichnet. Zwanzig lokale queere Gruppen protestierten in einem offenen Brief.
Beschimpft wird eine Kinderärztin, zahlen sollen trans Menschen.*
Andrews ist kein Einzelfall. In Texas sagte Senatskandidat James Talarico bei Fox News, er lehne trans* Sportlerinnen im Mädchensport ab, wenn Sicherheit oder Fairness litten, obwohl er im Landesparlament gegen solche Verbote gestimmt hatte. In Iowa erklärte Gouverneurskandidat Rob Sand, Mädchensport sei für Mädchen.
Die Strateginnen dahinter haben Zahlen auf ihrer Seite. In einer Umfrage von The 19th und YouGov sagte fast die Hälfte der Befragten, sie wähle eher, wer trans Athletinnen vom Frauensport ausschließen will. Viele trans* Wählerinnen stimmen trotzdem demokratisch, aus Kalkül. Avery Belyeu, Chefin des Montrose Center in Houston, hält den Sport ohnehin für nebensächlich in einem Staat, in dem trans Erwachsene nicht einmal den Geschlechtseintrag im Führerschein ändern dürfen. Daraus folgt allerdings nicht, dass man das Vokabular der Gegenseite übernehmen muss.
Zurück auf die Laufbahn
Christina Bohannan will in Iowa die Republikanerin Mariannette Miller-Meeks aus dem Repräsentantenhaus verdrängen. Die warf ihr vor, den Mädchensport nicht zu schützen. Bohannan antwortete mit einem Spot auf der Laufbahn: Sie sei die Einzige im Rennen, die in der Highschool selbst Leichtathletik betrieben habe, die Kampagne gegen sie sei erbärmlich. Unfair sei vielmehr, dass ihre Gegnerin sich auf die Seite der Pharmakonzerne schlage. Die Formel von den Männern im Frauensport übernimmt sie nicht. Die Dragkünstlerin Aria Shipston, von Sand enttäuscht, will Bohannan deshalb nun wählen.
Ob das trägt, zeigt erst die Auszählung. Trumps Zustimmung lag zuletzt bei 32 Prozent, und in Umfragen von Pew Research und AP-NORC steht die Wirtschaft vorn, trans* Themen gehören nicht zu den drängendsten.
Ab Mittwoch wird gezählt, wie viele queere Abgeordnete künftig im Kongress sitzen. Offen bleibt die Zahl, die über die nächsten zwei Jahre entscheidet: Wie viele der Gewählten halten beim nächsten Schimpfwort aus dem Weißen Haus Kurs wie Bohannan, statt sich auf Kosten von trans* Menschen freizukaufen? *ck