In Ungarn könnte bald ein neuer Fernsehsender an den Start gehen, der sich gezielt an die LGBTIQ*-Community richtet: Szivarvány TV („Rainbow TV“). Die Initiator*innen versprechen ein inklusives Programm, unabhängigen Journalismus und eine Plattform für Stimmen, die in der aktuellen Medienlandschaft des Landes oft unterrepräsentiert sind.
Wie Media 1 berichtet, ist ein vielseitiges Angebot aus Nachrichten, Dokumentationen, Unterhaltung und Kulturformaten geplant, das die Vielfalt queerer Lebensrealitäten in Ungarn und Europa abbildet. Der Sender soll sowohl online als auch über Kabel- und Satellitenplattformen verfügbar sein – vorbehaltlich der regulatorischen Genehmigung.
Gegenentwurf zu Stereotypen
Die Macher*innen verstehen das Projekt als Antwort auf eine wachsende Nachfrage nach Repräsentation und faktenbasierter Berichterstattung zu LGBTIQ*-Themen. Ziel sei es, vielfältige Lebensrealitäten sichtbar zu machen und über stereotype Darstellungen hinauszugehen.
Geplant sind unter anderem lokal produzierte Talkshows, Formate mit jungen Perspektiven, Filme von ungarischen und regionalen LGBTIQ*-Künstler*innen sowie Kooperationen mit europäischen Sendern. Gleichzeitig betonen die Verantwortlichen ihren Anspruch auf journalistische Standards, etwa in Bezug auf Genauigkeit, Pluralismus und den Schutz von Mitwirkenden.
Lang geplantes Projekt mit politischem Timing
Hinter dem Projekt steht nach Angaben von hvg.hu der Unternehmer Tamás Pataki, Betreiber des Kabelnetzwerks Eurocable Hungary sowie des Mediendienstleisters New Digital Media Kft.
Pataki verfolgt die Idee eines LGBTIQ*-Senders nach eigenen Angaben bereits seit 2014. Damals wurde auch die Domain für das Projekt registriert. Dass der Antrag gerade jetzt erfolgt, begründet er mit einer aktuellen Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs: Dieser hatte kürzlich festgestellt, dass Ungarn mit einem als homophob kritisierten Gesetz gegen die Rechte von LGBTIQ*-Personen verstößt. Für Pataki sei dies der Moment gewesen, den Lizenzantrag einzureichen. Einen direkten Zusammenhang mit parteipolitischen Entwicklungen weist Pataki jedoch zurück.
Starttermin offen
Ein konkretes Startdatum für Rainbow TV wurde bislang nicht genannt. Nach Angaben der Initiator*innen sind die Vorbereitungen jedoch fortgeschritten, erste Inhalte befinden sich bereits in Produktion. Sollte das Projekt umgesetzt werden, wäre Rainbow TV der erste LGBTIQ*-Fernsehsender mit Sitz in Ungarn.