Gesammelt hat sie zuerst nicht die Universität, sondern Leute, die dabei waren. Eröffnet wird das Archiv am 29. Oktober mit einer Podiumsdiskussion im Jacob-und-Wilhelm-Grimm-Zentrum.
Wer über die Aidskrise in Deutschland arbeiten will, stößt schnell auf ein Quellenproblem. Die Jahre bis zur Jahrtausendwende seien „längst in die Phase der Historisierung eingetreten“, teilt die Humboldt-Universität zu Berlin mit – zunehmend interessieren sie auch jüngere Wissenschaftlerinnen, Künstlerinnen und Autor*innen, die sie selbst nicht erlebt haben. Systematisch archiviert wurde damals allerdings kaum etwas. Viele bedeutende Dokumente sind deshalb verloren.
Angefangen haben andere
Illustration: KI-erstellt
2012 begannen HIV-Aktivistinnen gemeinsam mit Journalistinnen und Wissenschaftler*innen, Zeugnisse zur Geschichte von HIV und Aids zu sichern. Die Institution kam zwei Jahre später dazu: 2014 startete die Forschungsstelle Kulturgeschichte der Sexualität zusammen mit der Universitätsbibliothek ein Modellprojekt zur Aids-Geschichte, gefördert von der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld. Beteiligt waren Andreas Kraß, Leiter der Forschungsstelle, und Yong-Mi Rauch, Leiterin der Abteilung Historische Sammlungen. Erweitert wurde dafür das Haeberle-Hirschfeld-Archiv für Sexualwissenschaft, das auf dem Nachlass des Sexualwissenschaftlers Erwin J. Haeberle beruht. Die Vor- und Nachlässe recherchiert und eingeworben haben die Politologin Corinna Gekeler und der Journalist Axel Schock.
Was in den 17 Konvoluten liegt
Insgesamt 17 Konvolute konnte die Universität erwerben. Darin: persönliche Dokumente von Menschen mit HIV in Haft, von ehrenamtlichen Mitarbeitenden der Aidshilfen, von Aktivist*innen und von Angehörigen an Aids erkrankter Bluter. Dazu kommen Unterlagen von Selbsthilfe- und Aktivistengruppen, von Aidshilfen und ihren Einrichtungen, etwa von Aids-Pflegediensten. Mehrere zehntausend Einzeldokumente wurden in jahrelanger Arbeit erfasst – Briefe und Fotos, Korrespondenzen, Broschüren, Flugblätter, Rundschreiben.
Ein Abend im Grimm-Zentrum
Die Eröffnung findet am 29. Oktober 2026 ab 19 Uhr im Auditorium des Jacob-und-Wilhelm-Grimm-Zentrums statt, Geschwister-Scholl-Straße 1/3 in Berlin-Mitte. Auf dem Podium sitzen die Initiator*innen, moderiert wird von Holger Wicht von der Deutschen Aidshilfe. Um Anmeldung per E-Mail wird gebeten: [email protected]
Das Haeberle-Hirschfeld-Archiv wird laut Universitätsbibliothek laufend durch Schenkungen und gezielte Erwerbungen ergänzt. Wer also noch Kisten im Keller stehen hat: Die Adresse steht oben.