Am Mittwoch ist Sir Patrick Stewart in seinem Haus in Los Angeles gestorben, umsorgt von seiner Frau Sunny Ozell. Er war 86. Seine Familie spricht von einer kurzen, ergreifenden Reise mit Alzheimer und Lewy-Körper-Demenz.
Wenige Stunden später meldete sich Ian McKellen. Mehr als ein halbes Jahrhundert waren die beiden befreundet, seit sie sich als ehrgeizige junge Schauspieler an der Royal Shakespeare Company begegnet waren. Stewart habe sein Herz auf der Zunge getragen, schreibt McKellen – ein Mann, auf den man sich verlassen, den man bewundern und, „in meinem Fall, lieben“ konnte.
Zwei Sirs, ein Kuss
Für queere Fans war diese Freundschaft mehr als Promi-Romantik. Ein schwuler Mann, Mitgründer von Stonewall und seit 1988 geoutet, und ein heterosexueller Mann, die sich auf roten Teppichen küssen – bei der Premiere von „Mr. Holmes“ 2015, bei „Star Trek: Picard“ 2020. Ohne Ironie, ohne Pointe. Als Stewart 2013 Sunny Ozell heiratete, war es McKellen, der die beiden traute. Stewart selbst brachte es 2020 auf den Punkt: „Ich liebe ihn, und ich bin in ihn verliebt.“
„Selbstverständlich“
Stewart war Ally, lange bevor das Wort in Mode kam. 1995, direkt nach sieben Jahren auf der Brücke der Enterprise, spielte er in „Jeffrey“ den Innenausstatter Sterling, dessen Partner an den Folgen von Aids stirbt – seine erste schwule Rolle, von der Kritik gefeiert. 2013 ehrte ihn PFLAG als „Straight for Equality“ der Unterhaltungsbranche. Als der Guardian ihn 2014 versehentlich als schwul bezeichnete, fühlte er sich geschmeichelt. Schwule Rechte zu unterstützen, sagte er, sei „selbstverständlich“.
Foto: Chris Delmas / AFP
Blumen auf Sir Patrick Stewarts Stern auf dem Hollywood Walk of Fame.
Bequem war er dabei nicht immer. 2015 verteidigte er die nordirische Bäckerei, die sich geweigert hatte, eine Torte mit „Support Gay Marriage“ zu beschriften: Gleichheit und Meinungsfreiheit seien beide Grundrechte. Das brachte ihm heftige Kritik ein. Er erklärte sich, statt zu schweigen. Auch das gehört zu einem Mann, der sein Herz auf der Zunge trug.
Die Schule für die Anderen
Aufgewachsen ist Stewart in Armut in Mirfield, Yorkshire, mit einem gewalttätigen Vater. Berühmt wurde er als gütige Vaterfigur, die Familien von Außenseiter*innen zusammenhält. Professor X’ Schule für Menschen, die anders sind und dafür gejagt werden – Stewart und McKellen haben die X-Men selbst als Parabel auf den Kampf um Gleichberechtigung gelesen. Für eine ganze Generation queerer Nerds war das eine Wahlfamilie, mit Glatze am Kopfende.
Seine letzte Rolle steht noch aus: Im Dezember kommt „Avengers: Doomsday“ ins Kino, noch einmal mit ihm als Charles Xavier. Make it so.
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