In der Nacht zum Montag wurde die bekannte Cruising-Area im Berliner Volkspark Friedrichshain zum Schauplatz einer organisierten Hetzjagd. Eine Gruppe junger Männer stürmte das Gelände, blockierte die Ausgänge und machte gezielt Jagd auf die Besucher. Sie schlugen, traten und raubten. Die Betroffenen sind zutiefst schockiert. Der Angriff ist nicht nur eine Warnung an die gesamte queere Community, sondern auch eine klare Botschaft an die Täter: Ihr seid nicht anonym.
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Die Attacke am Sonntagabend
Zeugenaussagen zufolge lässt sich der Angriff auf den früheren Abend, etwa zwischen 21:30 und 22:00 Uhr, datieren. Ein Mann, der die bedrohliche Atmosphäre erfasste, warnte noch seinen Begleiter: „Hier ist eine ganz komische Stimmung.“ Kurz darauf brach die Gewalt über die Anwesenden herein. Eine Gruppe von acht bis zehn jungen Männern drang in den Park ein, ihre Gesichter von den grellen Kegeln ihrer Taschenlampen beleuchtet. „Sie haben die Ausgänge blockiert, von denen man nicht entkommen konnte, und sie haben Leute ausgeraubt und zusammengeschlagen“, berichtet ein Zeuge.
Grafik: KI
So illustriert KI die Situation im Park
Was dann folgte, war pure Angst. „Dann haben sie mich gesehen“, erzählt ein Mann, dem die Flucht gelang. „Sie haben sich zusammengetrommelt, ‚Da ist noch einer!‘, und haben mich intensiv gejagt.“ Er rannte um sein Leben, aus dem Park hinaus und über die Straße, verfolgt von der Gruppe. Er konnte seinen Verfolgern nur entkommen, indem er sich im nächsten Gebüsch versteckte und so tat, als säße er dort schon länger. „Ich war völlig traumatisiert. Ich konnte nicht fassen, dass ich verfolgt werde.“
Die Täter im Visier
Die Angreifer sind mutmaßlich schon mehrfach an derselben Stelle übergriffig geworden. Sie handelten jedoch nicht im Verborgenen. Obwohl sie sich in der Dunkelheit sicher gefühlt haben mögen, wurden sie beobachtet. Ein Augenzeuge hatte bereits bei einem früheren, ähnlichen Angriff die verräterischen Lichterkegel der Taschenlampen bemerkt und die Aktion gefilmt.
Auch die Flucht der mutmaßlichen Täter am Sonntag blieb nicht unbemerkt. Derselbe Zeuge beobachtete, wie sich ein Teil der Gruppe – etwa fünf junge Männer – nach der Tat „seelenruhig“ an der Bushaltestelle versammelte, lachte und in den Bus Richtung Ostbahnhof stieg. Ihre Gesichter wurden gesehen, ihre Respektlosigkeit wurde registriert. In einer Stadt wie Berlin hinterlässt jeder Spuren. Die Kameras in den BVG-Bussen und die Augen der Großstadt vergessen nicht.
Schwerer Vorwurf: Die Polizei kam nicht
Foto: Christian Knuth
Cruising-Viertel im Volkspark Friedrichshain
Zusätzlich zur Brutalität der Täter wiegt ein weiterer Vorwurf schwer: Die Opfer riefen um Hilfe, doch die Hilfe kam nicht. „Er hat die Polizei gerufen“, sagt ein Zeuge über einen Mann, der zu Boden getreten wurde und dessen Handy man raubte. „Und die Polizei kam nicht.“ Die Redaktion hat diesbezüglich bei der Pressestelle der Polizei um eine Stellungnahme gebeten.
Ein Angriff auf die Freiheit
Für die Betroffenen ist der Angriff mehr als die Summe der Tritte und der gestohlenen Handys. Es ist ein Anschlag auf einen ihrer wenigen verbliebenen Freiräume. „Nachts in Parks zu cruisen, ist für manche vielleicht nicht nachvollziehbar, aber es ist ein Teil schwuler Kultur“, erklärt ein Kenner der Szene. Es sei ein Ort der Begegnung, abseits von teuren Bars und Clubs. „Das ist unsere Freiheit, die wir dort ausleben“, klagt ein Opfer. „Und die zerstören sie uns. Wir werden dort mit Messern bedroht und zusammengeschlagen.“
Foto: Christian Knuth
Ein Foto aus besseren Zeiten – Cruising im Volkspark Friedrichshain
Die Sorge ist groß, denn die Gewalt scheint sich zu organisieren. Laut einem Zeugen habe sich vor etwa zwei Wochen bereits ein Messerangriff ereignet. „Neu ist, dass organisierte Gruppen gezielt losziehen, um ‚Schwule zu klatschen‘“, so die Einschätzung eines Beobachters.
Wie geht es weiter?
Die Redaktion wartet auf die angeforderte Stellungnahme der Polizei und wird berichten, sobald es neue Erkenntnisse gibt.
Mögliche Zeugen des Angriffs vom Sonntag oder ähnlicher Vorfälle aus den vergangenen Wochen sind dringend aufgerufen, sich bei der Polizei zu melden und Anzeige zu erstatten.
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