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Homophobie

Homophobie fängt nicht beim Schlag an, sondern bei dem Satz, der als Witz durchgeht. Die polizeilichen Zahlen steigen seit Jahren – und sagen trotzdem wenig, weil die meisten Fälle nie angezeigt werden. Was hilft, und wo du Unterstützung findest.

Wo fängt Homophobie an?

Bei der Bemerkung im Büro, beim Rat, sich nicht so aufzuführen, beim Wegsehen an der Bushaltestelle. Sie endet bei Übergriffen, die in der Statistik als Körperverletzung geführt werden, ohne dass das Motiv festgehalten wurde. Dazwischen liegt das, was den Alltag prägt: die Rechnung, die man im Kopf macht, bevor man auf der Straße die Hand nimmt. Zur Abgrenzung von der Feindschaft gegen trans* Menschen siehe Transphobie, zum größeren Rahmen Diskriminierung.

Wie viele Fälle sind es?

Die polizeiliche Statistik zur politisch motivierten Kriminalität führt zwei Kategorien: „sexuelle Orientierung“ und „geschlechtsbezogene Diversität“. Für 2024 verzeichnet sie 1.765 Fälle im ersten und 1.152 im zweiten Bereich – ein Anstieg von rund 18 beziehungsweise 35 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Für 2025 nennt die Auswertung des LSVD 2.070 Straftaten zur sexuellen Orientierung, darunter 284 Gewalttaten, und 1.294 zur geschlechtsbezogenen Diversität mit 112 Gewalttaten. Das Bundesinnenministerium hält fest, dass sich diese Zahlen seit 2010 nahezu verzehnfacht haben (Lagebericht von BMI und BKA).

Warum sagen diese Zahlen so wenig?

Weil sie nur zählen, was angezeigt und als queerfeindlich erkannt wurde. Das Dunkelfeld schätzen Fachleute auf 80 bis 90 Prozent; eine Untersuchung des Landeskriminalamts Niedersachsen kam 2024 zu dem Ergebnis, dass vier von fünf Betroffenen Hassverbrechen nicht anzeigen. Ein Anstieg in der Statistik kann deshalb zwei Dinge bedeuten: mehr Taten – oder mehr Menschen, die den Weg zur Anzeige gehen. Wahrscheinlich beides. Mehr zur Erfassung unter Statistik und Kriminalität.

Was zeigt der Blick auf eine Stadt?

Das Berliner Anti-Gewalt-Projekt MANEO erfasst Fälle unabhängig davon, ob Anzeige erstattet wurde. Im Report für 2025 stehen 1.014 neu eingegangene Meldungen, davon 723 mit ausdrücklich queerfeindlichem Bezug; 446 wurden ausgewertet, 356 mit Tatort Berlin. 945 Menschen wandten sich an die Beratung, 1.927 Gespräche wurden geführt. Bemerkenswert ist eine Zahl daraus: In 39 Prozent der Fälle hatten die Betroffenen zum Zeitpunkt der Meldung noch keine Anzeige erstattet (maneo.de). Genau diese Menschen fehlen in jeder Polizeistatistik.

Was macht ein Übergriff mit den Betroffenen?

Er endet nicht mit der Wunde. Danach kommt die Frage, welche Straße man abends nimmt, wo man die Hand wieder loslässt, ob man das Ganze der Familie erzählt. Das ist keine Überempfindlichkeit, sondern eine bekannte Folge – und ein Grund, sich Unterstützung zu holen, auch wenn die Verletzung klein war. Mehr unter Psychologie und Therapie. Wer akut nicht weiterweiß, erreicht die Telefonseelsorge rund um die Uhr und kostenlos unter 0800 111 0 111.

Was kannst du konkret tun?

Sofort nach der Tat: Verletzungen ärztlich dokumentieren lassen, auch kleine – ein Attest ist später der beste Beleg. Ort, Zeit, Wortlaut und Zeug*innen aufschreiben, am selben Tag. Fotos machen.

Melden, auch ohne Anzeige: Anti-Gewalt-Projekte nehmen Fälle vertraulich auf und beraten, ohne dass eine Anzeige nötig ist. In Berlin macht das MANEO, in anderen Städten die queeren Beratungsstellen und die Opferberatungen der Länder. Jede Meldung verbessert die Datenlage – auch wenn du keinen weiteren Schritt gehen willst.

Wenn du anzeigen willst: Bei der Polizei gibt es Ansprechpersonen für queerfeindliche Straftaten; darauf lässt sich bestehen, wenn die Aufnahme schleppend läuft. Bestehe darauf, dass das Motiv im Protokoll steht – sonst landet der Fall in der allgemeinen Statistik. Anlaufstellen der Community begleiten zur Dienststelle und ins Verfahren.

Wenn es am Arbeitsplatz passiert: Dann greift das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz, und dort laufen kurze Fristen. Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes berät kostenlos und vertraulich (Kontakt). Mehr unter Diskriminierung und Arbeit.

Wenn du helfen willst, ohne selbst betroffen zu sein: Eingreifen heißt nicht dazwischengehen. Laut werden, Hilfe rufen, sich als Zeug*in zur Verfügung stellen und dableiben, bis die Situation vorbei ist – das ist wirksam und ungefährlich.

Service: MANEO – Anti-Gewalt-Projekt Berlin · LSVD · Antidiskriminierungsstelle des Bundes · Telefonseelsorge 0800 111 0 111, rund um die Uhr und kostenlos

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