Es ist Advent. Die Zeit der Lichterketten, des Glühweins und der wohlmeinenden Postkarten von Organisationen, die Geld wollen. Versteht mich nicht falsch, Helfen ist wichtig. Aber manchmal fragt man sich, ob das Geld nicht nur ein Tropfen auf den heißen Stein ist. Doch jetzt gibt es etwas Neues: den Überbrückungsfonds. Und ehrlich gesagt: Das ist die vielleicht cleverste Idee des Jahres für unsere Zivilgesellschaft.
Warten auf Godot – oder den Zuwendungsbescheid
Grafik: KI erstellt
Wer sich jemals in der Vereinsarbeit engagiert hat, kennt den Horror. Man macht wichtige Arbeit – sei es Demokratieförderung, Jugendarbeit oder Beratung für Opfer rechter Gewalt. Die Politik klopft einem dafür gerne auf die Schulter, besonders in Sonntagsreden. Es gibt Förderzusagen von Bund und Ländern. Alles scheint gut. Doch dann kommt die Realität: Das Geld fließt nicht. Oft dauert es Monate, bis die zugesagten Mittel tatsächlich auf dem Konto landen. Diese Wartezeit ist pures Gift. Ich habe das selbst in meiner Zeit beim CSD Berlin erlebt, wie das bei Trägern in der Szene aussieht: Da hast du engagierte Mitarbeiter, wichtige Strukturen – und musst den Leuten kündigen oder sie in die Arbeitslosigkeit schicken, nur weil der verdammte Bescheid noch nicht da ist oder die Kasse im Amt klemmt. Beratung stoppt, Schutzräume brechen weg. Das ist nicht nur nervig, das ist fahrlässig.
Das Übel der „Projektitis“
Das Grundproblem liegt noch tiefer, und das wird durch den Fonds zwar nicht gelöst, aber zumindest abgefedert: Die leidige projektbezogene Finanzierung. Statt einer verstetigten Förderung, die Planungssicherheit bietet, hangeln sich LGBTIQ*-Projekte oft von einem Ein- oder Zweijahres-Topf zum nächsten. Kaum hast du dich eingearbeitet, musst du schon den nächsten Antrag schreiben. Das ist keine nachhaltige Arbeit, das ist Selbstausbeutung. Genau in diese gefährliche Lücke springt nun der Überbrückungsfonds von FragDenStaat Das Prinzip ist so simpel wie solidarisch: Der Fonds vergibt zinslose Darlehen für bis zu sechs Monate an Projekte, die bereits eine staatliche Zusage haben, aber auf dem Trockenen sitzen.
Hilfe zur Selbsthilfe – mit Recycling-Effekt
Grafik: KI erstellt
Das Geniale daran: Sobald Vater Staat endlich den Geldhahn aufdreht, zahlen die Projekte das Geld in den Fonds zurück. Jeder gespendete Euro hilft also nicht nur einmal, sondern immer wieder. Das Geld rotiert und hält den Laden am Laufen, während die Bürokratie mal wieder ihren Schönheitsschlaf hält. Gerade für uns als LGBTIQ*-Community ist das essenziell. Ob es das Jugendzentrum ist, das queeren Kids einen Safe Space bietet, oder der Verein, der sich gegen Hassrede starkmacht – sie alle hängen oft am Tropf dieser verzögerten Zahlungen. Wenn wir verhindern wollen, dass diese Strukturen jedes Jahr aufs Neue „in der Warteschleife“ sterben, müssen wir solidarisch sein.
Was wir tun können (und sollten)
Es gibt zwei Dinge, die jetzt wichtig sind:
- Spenden: Damit der Fonds überhaupt starten kann, braucht er Kapital. FragDenStaat sammelt gerade, um im Januar 2026 die erste Runde an Darlehen ausschütten zu können. Wer also noch nach einem sinnvollen Weihnachtsgeschenk für die Demokratie sucht – hier ist es.
- Weitersagen: Wenn ihr im Vorstand eines Vereins seid, bei einer Beratungsstelle arbeitet oder Leute kennt, die genau dieses Problem haben: Erzählt ihnen davon! Man kann sich bewerben, wenn die Existenz wackelt, nur weil die Behörden trödeln.
Die Politik baut oft genug Mauern aus Papierkram. Bauen wir stattdessen Brücken. Es ist ein Armutszeugnis für unser Verwaltungssystem, dass wir so etwas überhaupt brauchen – aber es ist verdammt gut, dass es diesen Fonds jetzt gibt. Gegen politisch motivierte grundsätzliche Kürzungen, wie in Berlin in díesem Jahr hilft der Fonds selbstverständlich nicht. Da müssen wir weiter laut protestieren und bei der Wahl im September 2026 wieder zurück zu einer solidarischen Mehrheit im Abgeordnetenhaus finden.
👉 Hier geht's direkt zum Überbrückungsfonds