Nachdem mit Ricarda Lang eine offen bisexuelle Frau die Partei führte, rückt mit Felix Banaszak nun wieder eine bisexuelle Person in die erste Reihe. Doch während Langs sexuelle Orientierung in der Öffentlichkeit bekannter war, kommt das Coming-out von Banaszak in einem absolut lesenswerten Porträt der ZEIT (Paywall) fast beiläufig daher. Es enthüllt nur einen kleinen Teil eines Lebenslaufs, der so gar nicht zur polierten Fassade des Politikbetriebs passen will.
Was der Journalist Johannes Böhme, der einst in einer WG mit Banaszak wohnte, zutage fördert, ist mehr als nur eine politische Biografie. Es ist die Story eines Jungen aus dem Duisburger Arbeiterstadtteil Meiderich, dessen Opa in der Kokerei schuftete und der selbst lernte, was es heißt, wenn das Geld knapp und die Sorgen groß sind. Dessen Mutter schwer krank wurde und der Vater sich als Krankenpfleger und später Programmierer allein durchschlagen musste.
Ein Leben abseits der Norm
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Banaszak, der heute als einer der größten Hoffnungsträger seiner Partei gilt, musste früh selbstständig werden.
„Mit zehn Jahren bin ich alleine mit dem Bus gefahren. Mit elf Jahren konnte ich mir mein Essen selber kochen.“
Felix Banaszak in Die Zeit N° 30 / 2025
Statt glatter Polit-Jugend gab es Rock-’n’-Roll-Tanzturniere und die Erfahrung, nicht immer dazuzugehören. Und dann, fast versteckt zwischen den Zeilen über seine Jugend und seinen Ehrgeiz, steht der Satz, der das Bild des Politikers komplettiert:
„Banaszak fühlt sich sowohl zu Frauen als auch zu Männern hingezogen.“
Ein einziges, leises Coming-out. Kein großes Bohei, keine bunte Kampagne. In einem langen Porträt über Herkunft und Erwartungsdruck ist seine Bisexualität einfach ein Teil von ihm. Ein Teil, der erklärt, warum seine politische Agenda für den Sozialstaat und für Umverteilung so authentisch wirkt. Er weiß aus eigener Erfahrung, wie es ist, aus „Strukturen herauszufallen“.
Lese-Tipp der Redaktion
Wer Felix Banaszak verstehen will – den Mann, dem die Wirtin in seiner Duisburger Stammkneipe zuruft: „Ey, Felix, dat de da nich ausrastest“ (Paywall!) –, der muss diesen Text lesen. Er zeigt einen Politiker, dessen Härte unter einer freundlichen Oberfläche verborgen liegt und dessen Geschichte beweist, dass Authentizität und eine queere Identität in der deutschen Spitzenpolitik eine Stärke sein können. Ein echtes journalistisches Kleinod, das wir euch wärmstens ans Herz legen. *ck/ Quelle: Die Zeit N° 30