Hand aufs Herz: Wer von uns war wirklich überrascht? Friedrich Merz (CDU) haut erst eine rassistische Stammtischparole über das „Stadtbild“ raus, und als der Gegenwind ordentlich bläst, schiebt er die „Töchter“ vor. „Fragen Sie mal Ihre Töchter“, raunt der Kanzler, als wolle er uns weismachen, seine Sorge um die Migration sei eigentlich ein Akt feministischer Fürsorge. Was für ein durchschaubarer, zynischer Schachzug.
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Fragen Sie mal Ihre Töchter unter seiner Haube – Karikatur KI erstellt
Die Quittung kam prompt. Tausende, vor allem junge Frauen, stellten sich vor die CDU-Zentrale und brüllten ihm entgegen: „Wir sind das Stadtbild!“. Sie haben den Braten sofort gerochen. Diese performative Besorgnis ist so hohl wie ein Schoko-Wintermann. Wenn es um echte Frauensicherheit geht – etwa die bedarfsgerechte Finanzierung von Frauenhäusern oder den Kampf gegen häusliche Gewalt, die laut Statistik die weitaus größte Gefahr darstellt – glänzen Merz und seine Partei historisch durch Abwesenheit oder aktives Bremsen. Frauenrechte werden von Konservativen exakt dann entdeckt, wenn man sie als Waffe gegen Migranten einsetzen kann.
Für uns als queere Community ist dieses Manöver ein schmerzlich vertrautes Déjà-vu. Merz’ Strategie, Frauen als Alibi für Rassismus zu missbrauchen, ist exakt dasselbe Drehbuch, das die politische Rechte seit Jahren bei uns anwendet.
Das prominenteste Beispiel liefert die AfD: An der Spitze eine offen lesbische Frau, Alice Weidel, die als wandelndes Schutzschild gegen Homophobie-Vorwürfe dient. Gleichzeitig hetzt die Partei gegen die „Ehe für alle“, gegen Transrechte und diffamierte den Queer-Beauftragten der Bundesregierung. Die Botschaft ist immer dieselbe: „Wir (die Rechten) schützen euch (die Gays) vor dem bösen, homophoben Migranten“, während sie uns gleichzeitig mit ihrer reaktionären Familienpolitik die Axt in den Rücken rammen. Ob „Töchter“ oder „Schwule“ – wir sollen als passive Mannequins für einen Kulturkampf herhalten, der uns am Ende alle spaltet und entmachtet. Sie wollen uns auf ein Podest der „schützenswerten Opfer“ heben, um uns von unseren natürlichen Verbündeten zu isolieren.
Lassen wir das nicht zu. Der Protest der „Töchter“ ist auch unser Kampf. Wenn Friedrich Merz also das nächste Mal unsere Sicherheit vorschiebt, um gegen andere zu hetzen, muss unsere Antwort klar sein: Wir sind nicht euer Alibi. Wir sind nicht eure Opfer. Wir sind das Stadtbild.
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Jack Donovan
Eine ausführliche Herleitung der Mechanismen von Homonationalismus haben wir hier für euch:
Das Vergnügen an der Verrohung ✠ Homonationalisten – ihre Ziele und Antriebe
Foto: Zachary O. Ray - Own work, CC BY-SA 4.0, Link
Begriffserklärungen
Femonationalismus: Beschreibt die Taktik, feministische Rhetorik (Schutz von Frauenrechten) zu nutzen, um rassistische, islamophobe oder migrationsfeindliche Politik zu rechtfertigen.
Homonationalismus (oder Politisches Pinkwashing): Eine analoge Strategie, bei der die Rhetorik von LGBTIQ*-Rechten missbraucht wird. Dabei wird die eigene Nation als „aufgeklärt" und „queerfreundlich" dargestellt, während Migrantinnen und Migranten als „rückständig" und „homophob" gebrandmarkt werden – oft als Rechtfertigung für eine restriktive Einwanderungspolitik.