Foto: Andreas Gregor
Dominik Krause
Dominik Krause
Bei der Oberbürgermeisterwahl in München hat keiner der Kandidaten die absolute Mehrheit erreicht. Damit kommt es am 22. März zu einer Stichwahl zwischen Amtsinhaber Dieter Reiter (SPD) und dem Grünen-Politiker Dominik Krause. Sollte der 35-jährige Zweite Bürgermeister die Stichwahl gewinnen, wäre er der erste offen homosexuelle Oberbürgermeister Münchens.
Die Zahlen: Deutlicher Stimmenverlust für Reiter
Zwar liegt der amtierende Oberbürgermeister Dieter Reiter nach der Kommunalwahl am 8. März weiterhin auf Platz eins, allerdings fällt das Ergebnis deutlich schwächer aus als noch vor sechs Jahren. Mit 35,6 Prozent der Stimmen bleibt er unter den Erwartungen und muss erstmals seit seinem Amtsantritt 2014 in eine Stichwahl. Zum Vergleich: Bei der Oberbürgermeisterwahl 2020 hatte Reiter noch 47,9 Prozent erreicht und war damals mit großem Vorsprung als Favorit ins Rennen gegangen. Der zweite Platz geht an den Grünen-Politiker Dominik Krause. Mit 29,5 Prozent erreicht er das beste Ergebnis, das ein Kandidat seiner Partei jemals bei einer Münchner Oberbürgermeisterwahl erzielt hat. Damit kommt es am 22. März zu einer Stichwahl zwischen SPD und Grünen.
Neben Reiter und Krause verpasst der CSU-Kandidat Clemens Baumgärtner mit 21,3 Prozent klar den Einzug in die Stichwahl. Weitere Kandidaten spielen im Rennen um das Rathaus nur eine Nebenrolle: Markus Walbrunn (AfD): 4,4 Prozent, Stefan Jagel (Die Linke): 2,4 Prozent, Michael Piazolo (Freie Wähler): 1,9 Prozent, Tobias Ruff (ÖDP): 1,4 Prozent.
Wer ist Dominik Krause?
Der Grünen-Politiker Dominik Krause ist seit Oktober 2023 Zweiter Bürgermeister der Stadt München. Der heute 35-Jährige studierte Physik und engagierte sich bereits früh bei den Grünen in der Kommunalpolitik. Vor seiner Wahl zum Zweiten Bürgermeister war er Fraktionsvorsitzender der Grünen im Münchner Stadtrat. Politisch setzt Krause vor allem auf Themen der Stadtentwicklung. Dazu gehören mehr bezahlbarer Wohnraum, der Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs sowie eine Reduzierung des Autoverkehrs in der Innenstadt. Auch Klimaschutz und Mobilitätswende gehören zu den zentralen Punkten seiner politischen Agenda. Diese Schwerpunkte standen auch im Mittelpunkt seines OB-Wahlkampfs.
Foto: AFP/ Michael Nguyen
Dominik Krause
Ein Wahlplakat für Dominik Krause während der bei der Pride Parade 2025 in München auf einem Truck.
Krause lebt offen schwul und ist seit mehreren Jahren mit seinem Partner liiert. Seine sexuelle Identität spielte im Wahlkampf keine zentrale Rolle, ist aber öffentlich bekannt. Sollte er die Stichwahl gewinnen, wäre er der erste offen homosexuelle Oberbürgermeister Münchens. Bei der Wahl erzielten die Grünen besonders in zentralen Stadtbezirken hohe Ergebnisse. In innerstädtischen Vierteln wie Maxvorstadt oder Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt konnte Krause viele Stimmen gewinnen. Besonders in Bezirken mit hoher Studierenden- und Kreativszene-Dichte schnitten die Grünen deutlich stärker ab als die SPD.
Skandal um Dieter Reiter
Der amtierende Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter steht seit 2014 an der Spitze der Stadt. Während seiner Amtszeit setzte Reiter vor allem auf kommunalen Wohnungsbau und eine wirtschaftsfreundliche Standortpolitik. Die Stadt baute unter seiner Führung ihre Wohnungsbauprogramme aus, um dem angespannten Wohnungsmarkt entgegenzuwirken.
Im Wahlkampf sah sich Reiter mit mehreren Vorwürfen konfrontiert. Ein zentraler Kritikpunkt betraf seine Tätigkeit im Aufsichtsrat des FC Bayern München, die er 2021 übernommen hatte. Reiter hatte die Tätigkeit nicht als Nebentätigkeit gemeldet, erst nach öffentlicher Kritik wurde dies nachträglich korrigiert. Es ist in Frage zu stellen, ob ein Oberbürgermeister gleichzeitig Mitglied im Kontrollgremium eines global agierenden Fußballkonzerns sein sollte im Hinblick auf mögliche Interessenkonflikte zwischen kommunaler Verantwortung und der Nähe zu einem wirtschaftlich einflussreichen Verein. Zusätzliche Kritik löste ein Vorfall im Stadtrat aus, bei dem Reiter im Rahmen eines Zitats eine rassistische Bezeichnung verwendete. Obwohl er sich anschließend öffentlich entschuldigte, sorgte der Vorfall für bundesweite Schlagzeilen und wurde im Wahlkampf mehrfach aufgegriffen. Nach Bekanntwerden des Wahlergebnisses räumte Reiter selbst Fehler ein. „Ich habe in den letzten zwei Wochen ein, zwei Fehler gemacht“, sagte er laut Medienberichten nach dem ersten Wahlgang.
CSU-Wähler könnten die Stichwahl entscheiden
Mit dem Ausscheiden von Clemens Baumgärtner rückt seine Wählerschaft in den Fokus der Stichwahl. Der CSU-Kandidat erreichte 21,3 Prozent bzw. 121.713 Stimmen und stellt damit den größten Stimmenblock dar, der im zweiten Wahlgang neu verteilt werden kann. Eine offizielle Wahlempfehlung gibt es bislang nicht. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder erklärte laut Medienberichten, dass sich die CSU bei kommunalen Stichwahlen traditionell zurückhalte und keine Empfehlung abgebe. Trotzdem gilt diese Wählergruppe als entscheidend. Zwischen Amtsinhaber Dieter Reiter und Herausforderer Dominik Krause liegen im ersten Wahlgang nur rund sechs Prozentpunkte. Schon eine teilweise Verschiebung der CSU-Stimmen könnte das Ergebnis kippen. Auch die Parteien selbst rechnen damit. Die bayerische Grünen-Landesvorsitzende Eva Lettenbauer erklärte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur, sie gehe davon aus, dass „viele Baumgärtner-Wähler Dominik Krause für die bessere Wahl halten könnten“, weil es bei der Stichwahl stärker um die Persönlichkeit der Kandidaten gehe als um Parteipolitik. Für beide Kandidaten bedeutet das: Wer die ehemaligen CSU-Wähler überzeugt, hat die besten Chancen auf das Rathaus.
*Quellen: stadt.muenchen.de, www.wahlen-muenchen.de, stadt.muenchen.de/rathaus/stadtrat, br, Süddeutsche Zeitung, Merkur
