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Bild: Maria Sibylla Merian – „Opiummohn, Glockenblume und Stieglitz“, „New Book of Flowers“, 1680, Tafel 9 von Teil III, handkolorierter Stich, Dresden, Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden, Sächsische Landesbibliothek
Mag sein, dass in der Tierwelt oft die Männchen mit prächtigem Gefieder und spektakulären Farben um die Wette glänzen – man denke nur an die Mandarinente. Doch Schönheit ist keine Frage des Geschlechts: Die Weibchen sind nicht weniger faszinierend, nur anders schön. Und bei den Spinnen sind es mitunter gerade die Weibchen, die durch Größe, Kraft und Erscheinung beeindrucken.
Eine Frau, die sich ebenfalls nicht übersehen ließ, war Maria Sibylla Merian (1647 – 1717). Die gebürtige Frankfurterin war Künstlerin, Naturforscherin und Unternehmerin – und eine Frau, die sich in einer von Männern dominierten Welt ihren eigenen Weg bahnte. Sie beobachtete, zeichnete, forschte und publizierte, lange bevor Frauen in der Wissenschaft selbstverständlich ihren Platz beanspruchen konnten. Ihre besondere Leidenschaft galt der Metamorphose der Insekten: dem staunenswerten Wandel von der Raupe über die Puppe zum Schmetterling. Was andere für Ungeziefer hielten, wurde unter ihrem Blick zu einer Offenbarung der Natur.
Mit 52 Jahren wagte die Forscherin das Abenteuer ihres Lebens. Gemeinsam mit ihrer jüngeren Tochter Dorothea reiste sie auf eigene Kosten in die niederländische Kolonie Surinam in Südamerika. Zwei Jahre lang erkundete sie die tropische Pflanzen- und Tierwelt, sammelte, beobachtete und zeichnete unter den Strapazen und Gefahren eines fremden Klimas. Eine solche Expedition war Ende des 17. Jahrhunderts nicht nur beschwerlich, sondern lebensgefährlich – zumal für eine Frau, die sich ihre wissenschaftliche Autorität selbst erarbeiten musste. 1701 kehrte sie krankheitsbedingt nach Europa zurück. Ihre Beobachtungen mündeten in ein Werk, das seiner Zeit weit voraus war: die 1705 erschienene „Metamorphosis insectorum Surinamensium“. Nun würdigt der Kölner TASCHEN Verlag diese außergewöhnliche Pionierin mit einem opulenten Band mit einem schlichten Namen: „Merian“. Er versammelt sämtliche 256 Kupferstiche aus ihren drei Hauptwerken sowie 120 Originalaquarelle aus der Sammlung des British Museum. Das Buch ist ein wirklich großartiges Geschenk zu Weihnachten für alle, die die Natur lieben.
„Merian“ – Katharina Schmidt-Loske, Uta Hasekamp, 24.3 x 30.4 cm, 680 Seiten, ISBN 978-3-8365-9857-6, www.taschen.com
Foto: www.taschen.com
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