Foto: Thomas Leidig / Florida Film / ZDF
Große Freude über eine besondere Auszeichnung: Der TV-Film „Olivia“ (wir berichteten), der das bewegte Leben der Dragqueen und Künstlerin Olivia erzählt, wurde gestern mit dem „Deutschen Fernsehpreis“ ausgezeichnet.
Diese wichtige Würdigung ist eine besondere Anerkennung für eine Geschichte, die berührt, bewegt und zugleich ein Stück (queere) Zeitgeschichte erzählt. Mit viel Einfühlungsvermögen und Leidenschaft wird das Leben einer außergewöhnlichen Persönlichkeit auf die Leinwand gebracht. Wir gratulieren dem gesamten Team von „Olivia“ ganz herzlich zu dieser verdienten Auszeichnung! Ein großartiger Erfolg und eine wunderbare Bestätigung für die gelungene Arbeit aller Beteiligten.
Über den Film: Die Regie führte Till Endemann, der das Drehbuch von David Ungureit mit sicherem Gespür für Zwischentöne inszenierte. Als literarische Grundlage diente Olivia Jones’ Autobiografie „Ungeschminkt“. In der Titelrolle ist Johannes Hegemann zu sehen, Ensemblemitglied des Thalia Theaters. An seiner Seite stehen unter anderem Annette Frier, Angelina Häntsch und Daniel Zillmann.
Doch „Olivia“ erzählt weit mehr als die Geschichte einer schillernden Dragqueen. Der Film ist zugleich eine liebevolle, bisweilen schmerzhafte Reise durch eine Bundesrepublik im Wandel – von der Enge des Unverständnisses hin zu einer Gesellschaft, die Vielfalt zunehmend als Bereicherung begreift. Im Mittelpunkt steht der junge Oliver Knöbel. Schon früh spürt er, dass das Tragen „weiblicher Kleidung“ für ihn kein harmloses Spiel ist, sondern eine Form, sich selbst zu entdecken und auszudrücken. In der niedersächsischen Kleinstadt Springe findet dieses innere Wissen allerdings kaum Raum. Was für Oliver nach Freiheit und Selbstverständlichkeit verlangt, begegnet ihm mit Spott, Ausgrenzung und offener Gewalt. Selbst die eigene Mutter, eindringlich gespielt von Annette Frier, braucht Zeit, um zu verstehen, was in ihrem Sohn vorgeht. Schließlich führt Olivers Weg dorthin, wo die Grenzen des Erlaubten schon immer etwas durchlässiger waren: nach St. Pauli. Der Hamburger Kiez wird zum Zufluchtsort und zur Bühne – für Außenseiter*innen, Träumer*innen, Nachtgestalten und all jene, die sich anderswo nicht recht in die vorgegebenen Schubladen fügen wollen.
Doch auch hier wartet zunächst keineswegs der große Glanz. Die ersten Schritte sind geprägt von Geldsorgen, Rückschlägen und einem rauen Milieu, in dem man sich seinen Platz erst erkämpfen muss. Was daraus entsteht, ist die Geschichte einer bemerkenswerten Selbstermächtigung. Mit Beharrlichkeit, Witz, Mut und jener entwaffnenden Selbstironie, die später zu ihrem Markenzeichen werden sollte, erschafft Oliver Knöbel schließlich jene schillernde Bühnenfigur, die als Olivia Jones weit über Hamburg hinaus bekannt wird – als Dragqueen, Entertainerin, Aktivistin, Moderatorin, Buchautorin, Kneipenbetreiberin und erfolgreiche Unternehmerin.
Der Film gibt Lebensfreude! Er erzählt den Aufstieg einer Kunstfigur, ohne den Menschen dahinter aus dem Blick zu verlieren. Und diese TV-Produktion erzählt von einer Gesellschaft, die sich zum Guten verändert hat. Langsam, widerwillig, manchmal schmerzhaft. Aus dem Anderssein, das einst Anlass für Spott und Ausgrenzung war, ist ein selbstbewusstes Stück gelebter Vielfalt geworden. Danke ZDF, danke Olivia!
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