Ende des Monats (nämlich in der Nacht vom 28. auf den 29. Februar) gibt es für Filmfans wieder einen Grund, wach zu bleiben. Oder – je nach benötigtem Schlafpensum – wahlweise einen Tag lang Nachrichten, Twitter und Facebook zu meiden wie der Teufel das Weihwasser, um sich dann am Abend unverspoilert die Aufzeichnung der diesjährigen Oscarverleihung ansehen zu können.
Und in diesem Jahr lohnt sich diese Übung sogar, denn im Gegensatz zu den vergangenen Jahren, in denen mit wenigen Ausnahmen bereits im Vorfeld recht klar war, wer die Trophäen in den wichtigsten Kategorien mit nach Hause nehmen durfte, ist es diesmal ganz und gar nicht so einfach, halbwegs zuverlässig irgendwelche Vorhersagen zu machen. Besonders für uns, da zum Zeitpunkt der Drucklegung noch nicht einmal die Nominierungen veröffentlicht sind. Das hindert uns natürlich nicht daran, es trotzdem zu tun, auch wenn unsere Vorhersagen sicher oft eher von Wunschdenken geprägt sein könnten.
Beginnen wir mit der wohl am einfachsten vorherzusagenden Kategorie Best Actor: Es wird schwer sein, Leonardo DiCaprio für The Revenant seinen ersten Oscar zu verwehren, selbst wenn wir ihn Eddie Redmayne für seine Darstellung der Lili Elbe in The Danish Girl sehr gegönnt hätten. Politisch korrekterweise allerdings als Best Actress, denn am Ende hat Eddie ja im Prinzip eine Frau gespielt. Über derartiges Kategoriedenken wird in Zukunft noch nachzudenken sein, auch was die Unterscheidung zwischen Haupt- und Nebendarstellern angeht, die dieses Jahr zwangsläufig willkürlich ausfällt. Wir wünschen uns zum Beispiel sehr, dass Alicia Vikander für ihren Auftritt (als das unserer Meinung nach eigentliche Dänische Mädchen) als Hauptdarstellerin nominiert wird, denn eine Nominierung als Nebendarstellerin würde der Rolle im Grunde nicht gerecht. Aber auch Cate Blanchett (Carol) und Jennifer Lawrence (Joy) haben in der Kategorie wohl noch ein Wörtchen mitzureden. Sollte Alicia allerdings unfairerweise doch nur als Supporting Actress nominiert werden, dann möge sie gefälligst bitte auch gewinnen. Was allerdings wiederum ein wenig unfair wäre gegenüber den wirklichen Nebendarstellerinnen mit kleineren Rollen. So wie auch die fast sicheren Nominierungen von Rooney Mara (Carol) und Kate Winslet (Steve Jobs) in dieser Kategorie (trotz riesiger Rollen).
Und der Best Picture, der beste Film des Jahres? Ganz schwierig zu sagen. Wir wären ja sehr für Spotlight mit Michael Keaton, in dem es um die Aufdeckung des Kindesmissbrauch-Skandals in der katholischen Diözese von Boston durch Journalisten der Zeitung The Boston Globe geht. Doch in dieser Kategorie wird sicher mit harten Bandagen gekämpft. Auch Carol, The Revenant, Überraschungskandidaten wie Mad Max: Fury Road oder sogar Pixars Alles steht Kopf (der zumindest in der Kategorie der besten Animationsfilme verdienterweise wohl kaum zu schlagen sein wird) stehen hier zur Debatte. Vielleicht reißt es noch der neue Star-Wars-Film, dessen Milliardenumsätze an den Kinokassen auch schwierig zu ignorieren sein werden. J. J. Abrams wärs zu gönnen. Ebenso wie dem eigentlichen Star des Films, der leider garantiert leer ausgehen wird, weil seine Nominierung als Nebendarsteller(in?) tatsächlich Mauern einreißen würde: Knuffeldroide BB-8. Diese Dankesrede würden wir nur allzu gerne hören.
