Blue Noses: An Epoch of Clemency, 2005, Courtesy DIEHL, Berlin
Von der Art, Zuneigung zu zeigen. Knutschende Heterosexuelle werden von der Mehrheit meist einfach als gute Laune machender Begleitumstand beim Sommerspaziergang wahrgenommen. Knutschende Homosexuelle provozieren.
Das kann von verbalen Attacken bis zu Schlägen und Messerstichen gehen. Und in manchen Teilen der Welt führt das immer noch zum Tod. Und Besserung ist noch lange nicht in Sicht. Und sogar in der Szene führen Küsse in der Öffentlichkeit mitunter zu Groll. Ewig frustrierte posten das dann auch mal auf Facebook („Wie mich dieses Rumknutschen nervt“, „Die hatten es aber nötig ...“) oder stoßen beim Vorbeilaufen dran. Odersie witzeln über irgendwas, was sie selbst an sich stört und jetzt beim anderen sehen (Stichwort Body Shaming). Dabei sind einvernehmliche Küsse eigentlich immer schön und machen immer glücklich. Wer frei vor Vorurteilen ist, der freut sich mit. Der gerade beim Knutschen ist, der ist ohnehin im 7. Himmel.
In Berlin widmet sich die Ausstellung „Kuss. Von Rodin bis Bob Dylan“ der mit schönsten Sache der Welt. Gleichberechtig zu sehen gibt es hier Altes und Neues, Queeres und Heterosexuelles – und auch das Bild „An Epoch of Clemency“, das vom ehemaligen Kulturminister Russlands als „Schande“ betitelt wurde.
Kuss. Von Rodin bis Bob Dylan, Ausstellung vom 15. Juni bis 3. Oktober im Bröhan Museum, Berlin, www.broehan-museum.de
