Bild: Georg Weise
„Romantisch, melancholisch, zeitlos“, so beschreibt der Berliner Künstler Georg Weise seine Werke. Die Bilder des Malers wirken schleierhaft, nie ganz fassbar, immer wie verblassende Erinnerungen. Sie zeigen düstere Schattenbilder und Jünglinge auf dem Grat zwischen Unschuld und Mannwerdung. blu bekam die Gelegenheit, um einen exklusiven Blick hinter die Leinwand des Künstlers zu werfen und Licht in die schemenhafte Welt seiner Motive zu bringen.
Wie würdest du dich selbst Beschreiben? Überaus empfindlich – und man versucht das ganze Leben lang, aus Schwächen Stärken zu machen.
Was brachte Dich nach Berlin? Ich bin ja in Berlin geboren, die Verbindungen blieben und waren der Grund zur Rückkehr.
Wann hast du die Kunst für dich entdeckt und wie hat sich dies ausgedrückt? Mit zwölf hab ich mein erstes Bild verkauft, meine Mutter leitete einen Zeichenzirkel für uns Dorfkinder. Nebenan war Rentnertreff, die haben wir gemalt – 5 Westmark, ich war König.
Wie würdest du deine Kunst beschreiben? Romantisch, zeitlos, gegenständlich, figürlich, realistisch, surrealistisch, traumhaft, melancholisch, entrückt, wesentlich, persönlich, emotional, und dass sie etwas ausdrückt, wozu meine Worte nicht fähig sind.
Gibt es ein übergeordnetes Thema, das all deinen Werken innewohnt? Eins, das alle gemeinsam haben? Meine Arbeit ist eine Spiegelung der Welt in meinen Augen. Ich empfinde existenziell. Früher war mir wichtig, das zu artikulieren, weil die Sorglosigkeit um mich herum zu den Verhältnissen nicht passen wollte. Am 11. September war die Bedrohung zum ersten Mal Konsens. Ich fand es nicht mehr nötig, darauf hinzuweisen. Seitdem versuche ich, es erträglicher zu machen, persönlichen Humanismus zu stärken durch Poesie, poetische Bilder.
Wo sammelst du deine Ideen? wo schöpfst du Inspiration? Wenn ich Schönheit gewahr werde, oder wenn ich ganz woanders bin. Aber Ideen kann ich nicht sammeln. Ich warte, bis mich etwas berührt. Das muss ganz zwanglos sein, ohne Vorsatz.
Deine Bilder aus den Jahren 1995 BIS 2002 sind alle samt extrem dunkel und wirken sehr drückend. Deine jüngeren Werke wirken zunehmend heller. Kannst du dir diesen Stimmungswechsel erklären? Eine Liebe.
Viele deiner Bilder zeigen Knaben in undurchsichtigen Landschaften. Was hat es damit auf sich? Es gibt eine Zeit, da ist unser Leben noch nicht von Wiederholungen geprägt, man erlebt alles zum ersten Mal. Das sind die tiefsten Empfindungen und Erinnerungen, über die ich mich definiere – als Mensch und Künstler. Die Erinnerung verblasst jedoch.
Was verbindest du persönlich mit der Malerei? Was bedeutet sie Dir? Malerei ist mir so wichtig, dass ich manchmal das Leben vernachlässige. Leben sollte wichtiger sein als Kunst, heißt es. Ich bin mir da nicht sicher.
Und was verbindest du speziell mit Berlin? Meine Wurzeln.
