Bild: Matthias Max Moebius – „Die Null im Wettkampf“ Acryl auf Leinwand, 80 x 80 cm, 2026
Es gibt Künstler, deren Werk in stetem Fluss entsteht. Und es gibt jene, deren künstlerische Biografie von langen Pausen geprägt ist – nicht aus Mangel an Ideen, sondern weil das Leben andere Aufgaben stellt. Matthias Max Moebius gehört zu Letzteren. Gemalt hat er bereits seit den frühen 1990er-Jahren. Doch die eigene künstlerische Produktion musste über lange Zeit zurückstehen.
Zunächst prägte seine Arbeit als Bühnenbildner sein Schaffen, später widmete er sich zwölf Jahre lang dem Kunstunterricht. „Da blieb für die eigene Produktion wenig Raum“, sagt er rückblickend. Zwar ließen sich die Bühnenbilder aus der Zeit bis 2011 noch dokumentieren, doch als freischaffender Künstler beginnt seine eigentliche Geschichte erst jetzt: Seit 2024 arbeitet Moebius mit neuer Intensität und einer unverkennbaren eigenen Bildsprache.
Seine Motive kreisen um eine Welt, die zwischen Theater, Traum und Wirklichkeit schwebt. Im Zentrum steht der Zirkus – nicht als nostalgische Manege, sondern als Sinnbild menschlicher Existenz. „Der Zirkus ist nicht nur eine tolle Metapher für das Leben“, erklärt der Künstler. „Auch sind die Gestalten, die dort herumturnen, geheimnisvoll und sexy.“ Dieser doppelte Blick auf das Zirkushafte – als Bühne des Lebens und als Ort sinnlicher Verwandlung – bildet den Ausgangspunkt seiner jüngsten Arbeiten. So entstanden die vier gemusterten Clowns, Figuren von eigentümlicher Eleganz, deren ornamentierte Körper gleichermaßen Distanz und Nähe erzeugen. Sie sind keine Possenreißer, sondern rätselhafte Wesen zwischen Anmut und Maskerade. Moebius sucht in ihnen nach einer Form, „Schönheit und Eleganz mit männlicher Erotik zusammenzubringen“.
Der Clown wird dabei zu einem dritten Medium – weder bloß Mensch noch bloße Rolle –, das neue Bedeutungen hervorbringt und dem Vertrauten eine geheimnisvolle Tiefe verleiht. Diese Bildwelt entwickelt sich nicht allein auf der Leinwand. Für Moebius ist das Nachdenken über Kunst Teil des schöpferischen Prozesses. Gespräche und Schreiben werden zu Werkzeugen der Erkenntnis. „Ich rede ganz gern über meine Kunst und Kunst überhaupt“, sagt er mit einem Schmunzeln und verweist auf den Lehrer in sich. Tatsächlich entdeckt er im Formulieren immer wieder Aspekte seines eigenen Werks, die ihm zuvor verborgen geblieben waren. Reflexion wird so zur Fortsetzung des Malens mit anderen Mitteln.
Auch seine jüngsten Sportbilder greifen die Clownsthematik auf und übertragen sie in neue Zusammenhänge. Der gestreifte Mann taucht hier als wiederkehrende Figur auf: als Tollpatsch, als Voyeur oder als sprichwörtlicher „Elefant im Becken“. Er stört Abläufe, verschiebt Gewissheiten und unterläuft den Ernst des Wettkampfs. Gerade dadurch macht er sichtbar, dass auch der Sport seine Choreografien, seine Rollen und seine Masken besitzt. Der Clown wird zum Fremdkörper, der den geregelten Ablauf irritiert – und eben darin Wahrheiten offenlegt, die im reibungslosen Funktionieren verborgen blieben. Vielleicht liegt genau darin die Qualität von Matthias Max Moebius' neuer Werkphase. Seine Bilder erzählen keine eindeutigen Geschichten. Sie eröffnen Zwischenräume, in denen Schönheit und Irritation, Erotik und Humor, Eleganz und Absurdität miteinander ins Gespräch kommen. Nach Jahren, in denen er Kunst vor allem vermittelte und Räume für andere schuf, nimmt er nun seinen eigenen Platz auf der Bühne ein. www.instagram.com/matthiasmaxmoebius
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