Bild: Joseph Sracic
Joseph Sracics Malerei zeigt eine Welt, in der Clowns, Tiere und Antihelden durch surreale Landschaften ziehen und zwischen Komik und Katastrophe balancieren. Seine Figuren erzählen keine abgeschlossenen Geschichten, sondern verhandeln den Zustand einer Gegenwart, in der Gewissheiten brüchig geworden sind.
Der Clown erscheint dabei nicht als Unterhaltungskünstler, sondern als Nachfahre des Till Eulenspiegel – ein Narr, der gerade durch seine Maske Wahrheiten sichtbar macht. Sein Lachen entspringt keiner Heiterkeit, sondern der Einsicht in die Absurdität menschlicher Existenz. Ausgebildet an der Kunstakademie Düsseldorf bei Jörg Immendorff und Peter Doig, verbindet der Künstler die erzählerische Kraft der figurativen Malerei mit Einflüssen amerikanischer Populärkultur und europäischer Kunstgeschichte. Seine Bildwelten schlagen einen Bogen von Otto Dix bis Edward Hopper, von Mark Twain bis Charles Bukowski, ohne sich je im Zitat zu erschöpfen. Vielmehr entsteht eine eigenständige Bildsprache, in der Allegorie, Satire und Melancholie untrennbar miteinander verwoben sind.
„Manege frei“: Dass diese Werkschau im Zellentrakt eines ehemaligen Frauengefängnisses gezeigt wird, verleiht ihr eine zusätzliche Dimension. Zwischen den engen Räumen entfalten die Gemälde und Zeichnungen ein Panorama über Freiheit und Gefangenschaft, Rolle und Identität, Aufbruch und Scheitern. Der ehemalige Knast wird dabei selbst zur Bühne einer modernen Manege: ein Ort, an dem Masken fallen und die Malerei ihre Kraft entfaltet, gesellschaftliche und existenzielle Fragen gleichermaßen sichtbar zu machen. Die Gegenüberstellung großformatiger Ölgemälde mit einer umfangreichen Auswahl von Zeichnungen macht zugleich den künstlerischen Denkprozess sichtbar. Während die Gemälde ihre Wirkung aus Farbe, Materialität und erzählerischer Dichte beziehen, offenbaren die Zeichnungen eine unmittelbare, beinahe tagebuchartige Direktheit. Gemeinsam zeigen sie ein Werk, das sich jeder eindeutigen Lesart entzieht und gerade darin seine besondere Stärke entfaltet: als vielschichtige Reflexion über den Menschen, seine Rollen und die fragile Balance zwischen Tragik und Komik. Manege frei!
15.7., Joseph Sracic: „Manege frei“, prideART, Söhtstraße 7, Berlin, S-Bahnhof Lichterfelde West, 18 Uhr, sracic.com
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