Bild: Marcus Günther – „Muster 04 28:07:2020“, Edition 5, 29,7 x 21 cm
Die künstlerische Arbeit von Marcus Günther bewegt sich zwischen Aufbruch und Zweifel, zwischen Hoffnung auf Veränderung und einem wachen Blick auf die Realität. Er verbindet Einflüsse aus der Popkultur mit surrealen Momenten und versteht seine Werke als offene Bildräume, in denen Bedeutung nicht feststeht, sondern entsteht.
Analoge und digitale Techniken stehen für ihn gleichberechtigt nebeneinander: Zeichnung, Malerei, Linolschnitt und Animation beeinflussen sich gegenseitig. Kein Medium ist Vorstufe oder Nebenprodukt – alles ist Teil eines zusammenhängenden Prozesses.
In der Malerei arbeitet der queere Künstler mit intensiven Farben und dichten, fast bühnenhaften Szenen. Figuren und Porträts werden zu Projektionsflächen für innere Zustände und gesellschaftliche Spannungen. Der Linolschnitt bildet dazu keinen Gegensatz, sondern eine bewusste Reduktion: meist monochrom, klar, konzentriert. Durch präzise Linien und Einschnitte übersetzt er Wahrnehmung in eine verdichtete, grafische Sprache. Malerei und Linolschnitt sind eng miteinander verzahnt. Der Linolschnitt funktioniert wie ein Labor, in dem Motive geprüft, vereinfacht und neu codiert werden, bevor sie in der Malerei weiterentwickelt werden. Gleichzeitig fließen malerische Lösungen zurück in die Druckgrafik. Beide Medien stehen in ständigem Austausch – ihre Wirkung entsteht im Dialog. Dabei versteht Marcus Günther seine Linolschnitte auch als Archiv und Experimentierfeld, in dem Bildfragmente aus unterschiedlichen Zeiten neu kombiniert werden. Original und Reproduktion stehen nicht im Widerspruch, sondern treten in einen Kreislauf.
Sein Werkprozess beginnt meist mit inneren Bildern. Skizzen, fotografische Notizen und gefundene Materialien kommen hinzu und werden collageartig miteinander verknüpft. Bedeutung entsteht durch Überlagerung, Brüche und Verschiebungen. Die Bildfläche begreift Günther als Raum zwischen Traum und Wirklichkeit. Jedes Werk ist dabei eine visuelle Hypothese – offen, vieldeutig und bewusst nicht abschließend formuliert.
15.3., „Tag der Druckkunst“: Mitglieder des Künstlerverein Malkasten präsentieren Unikate der Druckkunst, druckgrafische Editionen und Künstler*innenbücher, Jacobihaus, Jacobistraße 6a, Düsseldorf, 14 - 18 Uhr, www.marcusguenther-art.com
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