Bild: Jürgen Wittdorf – „Bulle“
Ausgerechnet im ehemaligen Frauengefängnis in Berlin-Lichterfelde widmet sich die Herbstausstellung „Unbound“ ab dem 9. September dem Thema Männlichkeit – ein Ort, dessen Architektur von Disziplin, Kontrolle und gesellschaftlichem Druck erzählt. Das Künstler*innenkollektiv prideART versammelt dort Positionen, die tradierte Männerbilder befragen, unterlaufen oder neu vermessen. Hier gibt es noch ein Interview zu prideART!
Im Zentrum stehen auch bislang nie öffentlich gezeigte Arbeiten des schwulen Ost-Berliner Künstlers Jürgen Wittdorf. Seine Grenzsoldaten, Volkspolizisten, Bauarbeiter, Sportler oder Lederkerle wirken zunächst wie Ikonen eines sozialistischen Männlichkeitsideals – und entziehen sich bei näherem Hinsehen doch jeder eindeutigen Lesart. Zwischen heroischer Pose und homoerotischem Blick geraten sie zu vielschichtigen Projektionen von Begehren, Macht und Verletzlichkeit.
Daneben taucht ein anderes Urbild auf: der Zuchtbulle als archaische Chiffre für Potenz, körperliche Kraft und den unbeugsamen Willen zur Durchsetzung. Was erzählen solche Bilder heute noch über Männlichkeit – und was verraten sie über die Gesellschaften, die sie hervorgebracht haben? Leihgaben aus der Sammlung von Boris Kollek eröffnen einen seltenen Einblick in Jürgen Wittdorfs Werk und treten in einen spannungsreichen Dialog mit den Arbeiten der weiteren beteiligten Künstler*innen. „Unbound“ macht Männlichkeit mal ganz anders sichtbar.
„Unbound“, Eröffnung: 9. September, 19 Uhr, Ausstellung: 9. – 20. September, prideART Berlin e.V., Söhtstraße 7, Berlin
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