Foto: Stockholm Records
BWO (Bodies without Organs)
In ihrer Heimat Schweden sind Bodies Without Organs – kurz B.W.O. genannt – bereits die große Nummer. Hinter dem Poptrio verbergen sich Sänger Martin Rolinski, Keyboarderin Marina Schiptjenko und Musikproduzent Alexander Bard. Letzterer erlangte in den Neunzigern Weltruhm mit der schrillen Army of Lovers (u. a. „Crucified“) und schrieb später die Hits für Alcazar. Die Chancen stehen also gut, dass sich auch seine neue Band in unsere Gehörgänge fressen wird. Mit blu sprach Alexander Bard über MIKA, Kraftwerk und B.W.O.s Premiere beim CSD Berlin.
Alexander, BWO werden beim CSD in Berlin auftreten. Ihr wollt jetzt also auch Deutschland erobern?
Wir werden hier demnächst unser Album veröffentlichen. Der CSD ist ein guter Start für uns. Abends spielen wir noch eine Guerilla-Performance im Klub International. Ich liebe Berlin ja sowieso. Ich habe mit meinem Boyfriend fünf Jahre in einem Apartment am Prenzlauer Berg gewohnt – eine tolle Zeit.
Sind solche Events wie der CSD politisch noch wichtig?
Ich denke, sie werden wieder politischer. In Westeuropa hat die Schwulenbewegung erreicht, was sie wollte. Deshalb wurden die Veranstaltungen zu einem Mardi Gras, zum Karneval der Gay-Kultur. Aber in Osteuropa ist Homophobie extrem dominant – selbst bei führenden Politikern. Das ist unakzeptabel. Und im Iran exekutieren sie sogar Schwule, nur weil sie gleichgeschlechtlichen Sex praktizieren.
Der politische Kampf ist also internationaler geworden.
So ist das. Anfang August findet in Stockholm die Euro-Pride 2008 statt. Dort werde ich Vorträge über Homosexualität und Queer-Kultur in Osteuropa halten. Ursprünglich sollte die Euro-Pride dieses Jahr in Warschau stattfinden, aber aufgrund der Homophobie in Polen und Russland wurde beschlossen, das Ganze nach Stockholm zu verlegen und den Schwerpunkt auf die Diskriminierung von Schwulen in Osteuropa zu legen. Ich habe in Russland mal eine Auszeichnung für mein Engagement bekommen. Weil B.W.O. dort so populär sind, fragten sie uns, ob wir nicht auch den Titelsong zur Euro-Pride liefern könnten – die Single „The Bells of Freedom“. Es ist toll, dieses Jahr sowohl politisch als auch musikalisch involviert zu sein.
Euer Sänger Martin ist so was wie der schwedische Mika.
Ich kenne Mika gut, weil wir denselben Publisher haben. Wir waren schon befreundet, bevor seine Karriere anfing. Aber ich würde sagen, dass MIKA Jungs lieber mag als Mädchen. Und Martin ist absolut straight. Auch wenn es immer Gerüchte gibt. Aber damit hat er kein Problem.
Deine Lieblings-Gayikone?
Da fallen mir Kraftwerk ein. Die sprechen zwar nie über ihre Sexualität, aber ich bin sehr sicher, zwei von ihnen müssen schwul sein.
•Interview: Katja Schwemmers

