Bild: Freepik / CC0 / Dark Entries
Mit Patrick Cowleys Album „Hard Ware“ kommen wir einmal mehr in den Genuss seiner discoiden Produktionen. Lieder, die beinahe vergessen worden wären, ist der Künstler dahinter doch seit 1982 tot.
Das Album bildet den dritten Teil einer Trilogie bislang unveröffentlichter Dancefloor-Produktionen, die 2022 mit „Male Box“ ihren Anfang nahm und 2024 mit dem stärker von Soul- und Garage-Elementen durchzogenen „From Behind“ fortgesetzt wurde. Als umfangreichstes Kapitel dieser Reihe versammelt „Hard Ware“ zehn Stücke (aufgenommen zwischen 1979 und 1981), die Cowleys unverkennbaren Stil in seiner reinsten Form präsentieren: eine schillernde Mischung aus Sinnlichkeit, psychedelischer Weite, ironischem Unterton und subtiler Obszönität. Es ist Musik, die zugleich körperlich und konzeptuell wirkt – ein Spiel aus Maschine und Begehren. Besondere Aufmerksamkeit dürfte bei Kenner*innen der Track „Tech-No“ hervorrufen: eine reduzierte, instrumentale Demoversion seines dystopisch aufgeladenen Stücks „Tech-No-Logical World“. In ihrer Skizzenhaftigkeit lässt sie die kreative Werkstatt Cowleys aufscheinen – roh, visionär und ihrer Zeit weit voraus. Gut zu wissen: Der erste kommerziell erhältliche Sampler kam um 1979 raus, und eines der Lieder verwendet Samples: „Big Ass in Motion“.
Über den Musiker: Geboren 1950, entwickelte sich Patrick Cowley zu einer Schlüsselfigur elektronischer Klubmusik – und gilt bis heute als maßgebliche Inspirationsquelle für die Pet Shop Boys. Anfang der 1970er-Jahre zog es ihn nach San Francisco, jener pulsierenden Metropole, die damals als Epizentrum queerer Kultur galt. Dort vertiefte er sich mit nahezu obsessiver Hingabe in die Welt der Synthesizer und erschuf einen Sound, der gleichermaßen futuristisch wie körperlich wirkte. Neben seinen Klubproduktionen komponierte er auch Musik für schwule Pornofilme – ein Kontext, in dem sich seine Ästhetik von Rhythmus, Ekstase und Elektronik besonders frei entfalten konnte.
In San Francisco begegnete er schließlich Sylvester, der nonbinären Disco-Ikone. Eine Begegnung, die sich als künstlerischer Glücksfall erwies. Ihre Zusammenarbeit brachte einige der innovativsten Momente der frühen elektronischen Tanzmusik hervor. Doch auch als Solokünstler bewies Patrick Cowley ein untrügliches Gespür für den Puls der Zeit und Discos und landete mit Tracks wie „Menergy“, „Thank God for Music“, „Do You Wanna Funk?“ (mit Sylvester) oder „Megatron Man“ internationale Charts- und Kluberfolge. Ein spätes, technoides Glanzlicht seiner Karriere war der Remix von Donna Summers „I Feel Love“ – jenem ohnehin schon epochalen Stück aus dem Jahr 1977, das durch Patrick Cowleys Bearbeitung eine neue, noch hypnotischere Dimension erhielt und so erneut die Charts eroberte. Nur wenige Monate später, am 12. November 1982, starb Patrick im Alter von nur 32 Jahren an den Folgen von Aids. Sein grandioses und wegweisendes Werk jedoch wirkt fort. Disco forever! www.darkentriesrecords.com
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