Foto: M. Rädel
Halloween ist ein faszinierendes Beispiel dafür, wie sich Bräuche über Länder und Jahrhunderte hinweg verändern, vermischen und neu erfinden – ein Fest zwischen Volksglauben, Religion, Kommerz und schaurigem Vergnügen. Buh!
👻 Die Nacht vor dem 1. November, also der Vorabend des christlichen Festes Allerheiligen, entwickelte sich im 19. Jahrhundert in den USA zu einem der beliebtesten Volksfeste überhaupt: Halloween. Maßgeblich daran beteiligt waren irische Einwander*innen, die ihre traditionellen Bräuche mitbrachten und sie in der Neuen Welt weiterlebten. Diese Traditionen speisten sich nicht nur aus christlichen Elementen, sondern waren stark geprägt von älteren, heidnischen und keltischen Vorstellungen – insbesondere vom Glauben an eine besondere Nacht, in der die Grenze zwischen der Welt der Lebenden und der Toten durchlässig wird. In den Vereinigten Staaten vermischten sich diese Bräuche mit Einflüssen anderer Kulturen und entwickelten sich zu einem eigenständigen Fest, das Gemeinschaft, Verkleidung, Grusel und Spaß miteinander verband. Aus „All Hallows’ Eve“ wurde schließlich „Halloween“ – ein Begriff, der heute weltweit bekannt ist.
🎃 Ab den 1990er-Jahren trat Halloween dann gewissermaßen eine Rückreise an: Über Filme, Popkultur, Werbung und internationale Einflüsse fand das Fest seinen Weg zurück nach Europa. Hier wurde es zunehmend als bunte, schaurige Feiernacht etabliert, in der Geister, Magier, Zombies, Hexen und andere unheimliche Gestalten die Straßen und Partys bevölkern. Während manche den Brauch kritisch betrachteten, gewann er besonders bei jüngeren Generationen schnell an Beliebtheit. Eines der bekanntesten und auffälligsten Symbole von Halloween ist der ausgehöhlte, leuchtende Kürbis mit Fratzengesicht. Was viele nicht wissen: Dieser Brauch hat seine Wurzeln nicht nur in Irland, sondern auch im deutschsprachigen Raum. Dort gab es bereits früher den Herbstbrauch der sogenannten „Rübengeister“, bei dem ausgehöhlte Steckrüben mit geschnitzten Gesichtern und Kerzen versehen wurden, um Geister darzustellen oder fernzuhalten. Erst in den USA wurde die Rübe durch den größeren und leichter zu bearbeitenden Kürbis ersetzt. In der queeren Community ist Halloween mittlerweile ein beliebter Anlass, Partys zu feiern und sich zu verkleiden.
Auch Content Creator Mitch Bo vom Bodensee genießt diese Zeit: „Halloween ist für mich eine ganz besondere Zeit, in der ich alte Bräuche und meine Spiritualität miteinander verbinde. Ich feiere ein kleines Fest, backe Seelenkuchen zu Ehren der Verstorbenen und nehme mir bewusst Zeit, meine Ahnen zu ehren. Außerdem beschäftige ich mich mit Runenorakeln, ziehe Runen als spirituelle Impulse und stelle meine eigenen Räuchermischungen aus ausgewählten Kräutern und Harzen für meine Rituale her. Natürlich dürfen auch gemütliche Stunden mit meinen Katzen nicht fehlen. Für mich ist diese Zeit eine Gelegenheit, unsere Wurzeln zu ehren, alte Traditionen lebendig zu halten und die mystische Atmosphäre dieser besonderen Nacht bewusst zu erleben.“
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