Foto: Anja Teske, „Ohne Titel“ aus dem Buch „Juwelias Blüten“, 2025
Juwelia
Wenn Juwelia Soraya den Raum betritt, dann betritt mit ihr ein ganzes Lebensgefühl die Bühne: Glitzer und Geste, Malerei und Punk, Dichtung und Drag. Ihre Malerei ist nun gemeinsam mit der Fotokunst von Anja Teske im Schloss Biesdorf zu sehen.
Geboren 1963 im nordhessischen Korbach, fand die blumenliebende Hobbygärtnerin Juwelia ihren Resonanzraum nicht in der grünen Provinz, sondern im schillernden, widerspenstigen Süden von Berlin. In Neukölln, jenem lange verrufenen „Problemkiez“, der erst spät als kultureller Möglichkeitsraum entdeckt wurde, schuf sie sich eine eigene Adresse: die „Galerie Studio St. St.“ – ein Ort zwischen Off-Theater, Salon und Zufluchtsstätte. Hier wurde gelesen, gesungen, gestritten, performt; hier verwandelte sich biografische Verletzlichkeit in künstlerische Haltung. Juwelia Soraya ist vieles zugleich: Lady-Lyrikerin mit Hang zur großen Geste, Sängerin mit rauer Zärtlichkeit, Schauspielerin im permanenten Selbstentwurf – und Punk-Dragqueen, die Dandytum mit Berliner Schnoddrigkeit kreuzt.
Ihre Kunst speist sich aus der Lust am Auftritt ebenso wie aus der Erfahrung der Ausgrenzung. Sie gehörte zu den ersten offen queeren Figuren, die in Neukölln offensiv sichtbar wurden – nicht als Provokation um der Provokation willen, sondern als Akt der Selbstverständlichkeit. Dass dieses Überleben im sozialen und kulturellen Abseits kein beiläufiges war, zeigt auch der Dokumentarfilm „Überleben in Neukölln“ von Rosa von Praunheim (1942 – 2025). Darin erscheint Juwelia Soraya nicht nur als schillernde Figur, sondern als Chronistin eines Milieus, das sich gegen Ignoranz und Gentrifizierung behaupten musste. Vielleicht liegt ihre eigentliche Kunst gerade darin: aus der vermeintlichen Randlage ein Zentrum zu machen. Aus Neukölln eine Bühne. Und aus dem eigenen Leben ein fortgesetztes, funkelndes Manifest.Ihren künstlerischen Output kannst du vom 16. März bis zum 14. Juni im Schloss Biesdorf (täglich 10 bis 18 Uhr, freitags 12 bis 21 Uhr, dienstags geschlossen, Alt-Biesdorf 55, S Alt-Biesdorf) erleben, der Eintritt ist frei. schlossbiesdorf.de
Wir sind auch auf Instagram:

