Foto: M. Rädel
Kranzler, Berlin
Die aktuelle Optik aus den 1950er-Jahren ist inzwischen Kult, auch weil das Kranzler damals in vielen Serien und Filmen auftauchte.
Eine fast 200 Jahre andauernde Geschichte, eine fast einhundertjährige als Café. Was wären Westberliner Filme und Serien des 20. Jahrhunderts ohne das Kranzler? Und genau da soll sich etwas Neues tun, etwas GRÜNES.
Hier, über dem lärmenden Strom der City West, dort, wo sich Kurfürstendamm und Joachimsthaler Straße unablässig um Aufmerksamkeit balgen, wächst nach ersten Meldungen etwas, das in Berlin selten geworden ist: ein Ort der Langsamkeit. Versteckt auf dem Dach des Kranzler Ecks entsteht derzeit eine grüne Oase, kaum sichtbar von unten und doch mitten im pulsierenden Herzen der Hauptstadt. Wo bislang vor allem Beton, Glas und Konsum den Takt vorgaben, sollen künftig Gräser im Wind zittern und Kräuter ihren Duft verströmen. Thymian, Salbei und Lavendel werden Wildbienen und Hummeln anlocken, zwischen Astern, Kamille und Sonnenröschen sollen Schmetterlinge tanzen und Vögel Rast finden – wenige Meter über einer der lautesten Kreuzungen Berlins.
Auf rund 1700 Quadratmetern planen Landschaftsarchitekt*innen wohl nicht bloß einen Dachgarten, sondern eine urbane Zuflucht mit Holzterrassen, geschützten Sitznischen, Liegeflächen und einem offenen Platz für kleine Veranstaltungen unter freiem Himmel. Ende des Jahres sollen die Arbeiten wohl abgeschlossen sein; spätestens im Frühjahr 2027 könnten dort oben die ersten Krokusse blühen. Und auch unterhalb des neuen Gartens kehrt Bewegung in ein lange erstarrtes Stück Berliner Geschichte zurück. Das traditionsreiche Café Kranzler soll wiederbelebt werden: Ein internationales Gastronomieunternehmen übernimmt künftig drei Etagen samt ikonischer Rotunde und verspricht eine zeitgemäße Fortführung jener Kaffeehauskultur, die einst zum Mythos des Ortes beitrug. Parallel dazu verändert sich das gesamte Kranzler Eck. Der Innenhof wurde und wird neu gestaltet, begrünt und künftig als Veranstaltungsfläche genutzt. Schon längst weg sind die alte Vogelvolieren zugunsten eines offenen Platzes. Für die Tiere mag das besser sein. Ein bisschen fehlen sie aber ...
Wir sind auch auf Instagram:
