Foto: Fetish PubCrawl Frankfurt
Zur Leather Odyssey des FLC im Juni gab’s bereits ein Special des Fetish PubCrawl mit vielen Gästen aus ganz Deutschland.
Beim Fetish PubCrawl treffen sich Fetischkerle – bestenfalls in Gear – zu einem gemeinsamen Zug durch die Szene-Bars. Dabei geht’s zum einen ums gemeinsame Treffen, zum Beispiel auch für Newcomer die Gelegenheit, um mit anderen Fetisch-Fans in Kontakt zu kommen – aber immer auch um Sichtbarkeit: „Fetisch findet ja nicht nur im Bett statt, sondern ist für viele auch ein Lebensgefühl“, erklärte Franz, Initiator des Fetish PubCrawl Frankfurt, 2017 im GAB-Interview. „Sogar in der LGBTIQ*-Szene ist das Thema Fetisch für viele immer noch in einer dunklen und geheimnisvollen Ecke, die oftmals verrufen ist. Der Fetish PubCrawl baut Vorurteile ab und zeigt, dass wir, nur weil wir Leder oder Gummi mögen, trotzdem keine ‚bösen‘ Menschen sind“.
Im August feiert der Fetish PubCrawl Frankfurt sein 10-jähriges Bestehen – wir haben mit Franz, JJ und Sascha über den Event gesprochen.
Wie waren die Anfänge des Fetish PubCrawls 2016 und wie hat er sich weiterentwickelt? In Frankfurt gab es für Fetischkerle nur den Stall, und selbst der war keine richtige Dresscode-Bar mehr. Also ging man auf große Fetisch-Events in Europas Hauptstädte, sei es Antwerpen, Berlin oder Köln. Das ging meist über mehrere Tage und war nicht billig.
In dieser Zeit hatte Franz die Idee zum „Fetish PubCrawl Frankfurt": ein lockeres und regionales Event, an dem jeder ungezwungen teilnehmen kann, ganz ohne großen Aufwand und ohne Voranmeldung. Frei nach dem Motto: „Wer dabei ist, ist dabei!" Und als er 2019 berufsbedingt aufhören musste, war für mich völlig klar: der Fetish PubCrawl muss weitergehen! Ich war ja seit dem zweiten PubCrawl regelmäßig als Gast dabei und es war immer ein großer Spaß.
Also habe ich mir Mitstreiter gesucht und Routen festgelegt, Flyer gebastelt und eingeladen. Und dann hat sich das immer weiterentwickelt: Wir haben Jahrespläne gemacht, das goldene Bembel-Logo entworfen und immer neue Routen ausprobiert, auch wenn das Kneipen Angebot in Frankfurt immer dünner wurde.
Spätestens mit der Corona-Krise wechselten die Mitstreiter, aber es gab immer Leute, die uns unterstützt haben und halfen. Vor allem der Austausch mit PubCrawls in anderen Städten – ein Danke an Sebi in Mannheim – war hilfreich und hat immer neue Inspiration gebracht. Seit einem Jahr übernimmt nun Sascha zunehmend die Organisation und JJ geht als „Backup“ in den Hintergrund.
Das Ziel ist heute wie vor 10 Jahren das gleiche: Präsenz zeigen, Fetisch sichtbar machen und wieder zurück auf die Straße holen, quasi wie ein kleiner regelmäßiger CSD. Es geht darum, die Frankfurter Szene zu beleben, damit Frankfurt sein „Bermudadreieck“ nicht verliert.
Wie ist der Fetish PubCrawl organisiert? Seid ihr ein Verein oder ähnliches? Der Fetish PubCrawl wird komplett privat organisiert und von keinem Verein oder einer offiziellen Struktur getragen. Der gesamte Pubcrawl ist auch privat finanziert – alle Ausgaben für Logo, Flyer, Fahnen und weiteres Material werden von uns selbst getragen.
Hinter dem Crawl stehen zurzeit drei Leute, die ihre Aufgaben klar verteilt haben und das Projekt mit viel Herzblut am Laufen halten. Sascha (Instagram: Sneakerfreak1490) übernimmt die gesamte SocialMediaArbeit auf Instagram, Facebook und Romeo, spricht die Bars an, hält Kontakt zu anderen Crawls und führt die Tour am Abend. Falls er einmal verhindert ist, springt JJ, als zuverlässiges Backup ein. Martin (Instagram: Msclpup_Photography) ist der kreative Kopf des Teams: Er fotografiert während des Crawls, bearbeitet die Bilder und gestaltet die Flyer sowie andere grafische Elemente.
Foto: Fetish PubCrawl Frankfurt
Zur Leather Odyssey des FLC im Juni gab’s bereits ein Special des Fetish PubCrawl mit vielen Gästen aus ganz Deutschland.
Wieviele Teilnehmende zählt ihr heute durchschnittlich und von woher kommen sie? Der Fetish PubCrawl zählt im Durchschnitt 30 Teilnehmende. Die genaue Zahl schwankt nach Lust und Laune – und nach dem Wetter! Auch parallele Veranstaltungen wie CSD, Folsom oder anderen Events in der Region haben Einfluss. Der überwiegende Teil unserer Gäste kommt aus dem RheinMainGebiet, was sich durch die Nähe und die gute Vernetzung der lokalen Szene erklärt. Gleichzeitig möchten wir den Crawl langfristig weiter öffnen: Durch neue Partnerschaften mit anderen Crawls hoffen wir, künftig einen größeren Einzugsradius zu erreichen und Menschen aus weiteren Regionen anzuziehen. So wächst der Crawl Schritt für Schritt – und mit jeder Kooperation, jedem Event und mit jeder neuen Begegnung wird die Community ein Stück vielfältiger und sichtbarer.
Hat die Idee funktioniert, mit dem Crawl falsche Vorurteile gegenüber Fetischkerlen abzubauen? Welches Feedback bekommt ihr, wenn ihr heute unterwegs seid? Der Abbau von Vorurteilen passiert nicht über Nacht – und natürlich werden Fetischkerle im ersten Moment oft noch etwas schräg angeschaut. Das gehört leider immer noch zur Realität. Trotzdem merken wir deutlich, dass unsere Präsenz etwas verändert: Wenn wir sichtbar, offen und freundlich unterwegs sind, verlieren viele Menschen ihre Berührungsängste. Man kommt ins Gespräch, es wird gelächelt, neugierig gefragt – und genau dort beginnt der Abbau von Klischees. Uns ist außerdem wichtig, gerade jüngeren Leuten zu zeigen, dass Fetisch nichts Gefährliches oder Abschreckendes ist.
Also, wenn dich das Thema interessiert, dann komm einfach vorbei, schau dir alles in Ruhe an und fühl dich willkommen. Wir beißen nicht und wir freuen uns über jede Person, die neugierig ist und die Szene kennenlernen möchte.
Wie wichtig ist der Fetish-Pubcrawl generell für Newcomer in der Fetish-Szene? Da gibt’s ja doch immer noch große Unsicherheiten, wenn man sich zum ersten Mal in Gear „in die Szene wagt“. Der Fetish PubCrawl spielt für Newcomer in der Fetish-Szene eine wirklich wichtige Rolle. Gerade in Frankfurt ist er zu einem festen Bestandteil der Community geworden, weil er etwas schafft, das viele beim ersten Schritt in die Szene dringend brauchen: Sichtbarkeit, Sicherheit und ein niedrigschwelliges Ankommen. Wenn wir von Bar zu Bar ziehen und uns offen auf der Straße zeigen, nehmen wir besonders jüngeren Leuten die Angst, sich verstecken zu müssen. In der Gruppe hat man mehr Selbstsicherheit, wenn man sich zum ersten Mal in Gear in die Öffentlichkeit wagt. Und ja, hin und wieder fällt auch mal ein blöder Kommentar, aber das passiert selten. Viel häufiger erleben wir Neugier, Respekt und positive Reaktionen. Newcomer, mit und ohne Gear, können sich bei uns wohl und willkommen fühlen, weil sie nicht allein sind. Sie haben eine Gruppe um sich herum, die sichtbar, selbstbewusst und freundlich auftritt. Und wenn jemand doch mal nervös wird oder Unterstützung braucht, stehen wir an seiner Seite und helfen, diese erste Hürde zu nehmen. So wird der PubCrawl zu einem Ort, an dem man die Szene entspannt kennenlernen kann – ohne Druck, ohne Angst, dafür mit Gemeinschaft, Spaß und einem sicheren Rahmen.
Foto: Fetish PubCrawl Frankfurt
Zur Leather Odyssey des FLC im Juni gab’s bereits ein Special des Fetish PubCrawl mit vielen Gästen aus ganz Deutschland.
Bereits zur Leather Odyssey im Juni gab es einen XXL-Pubcrawl, der von Sachenhausens RUFF-GEAR-Store bis ins Bermudadreieck führte. Was habt ihr euch als Jubiläums-Special überlegt? Zum Jubiläum haben wir uns etwas Besonderes überlegt, denn es ist nicht nur unser 10. Geburtstag, sondern gleichzeitig auch unser 44. Crawl – eine echte Schnapszahl, die gefeiert werden muss. Deshalb starten wir noch mal im RUFF GEAR Store in Sachsenhausen, ziehen anschließend durchs Nachtleben an der Konstablerwache, laufen dann weiter Richtung Lucky’s und enden schließlich im Switchboard. Unterwegs werden wir Videos drehen, Fotos machen und zum ersten Mal unser neues Logo sowie unsere neue Fahne präsentieren. Zusätzlich haben wir ein kleines Rätsel vorbereitet, bei dem wir am Ende die drei besten Teilnehmenden mit kleinen Geschenken überraschen. Ein runder und besonderer Crawl – genau passend für ein Jubiläum, das man nicht alle Tage feiert.
8.8. Jubiläums- Fetish-PubCrawl, Treff RUFF GEAR, Brückenstr. 36, Frankfurt, 19 Uhr, mehr Infos und Kontakt über „FetishPubCrawl_Frankfurt“ bei Facebook, Insta und Romeo