Foto: T. Paul
Am 19. Juni ist die erste deutschsprachige EP „Was Liebe wirklich kann“ des Musikers und Songschreibers MKSM erschienen. MKSM erzählt in den neuen Songs von Identität, Herkunft, Queerness, Selbstliebe, Selbstzweifeln, Coming-out und dem Wunsch nach Zugehörigkeit.
Über den Sommer geht MKSM außerdem auf seine bislang größte CSD-Tour mit Auftritten in ganz Deutschland. Wir haben den sympathischen Pride-Aktivisten zum Interview getroffen.
Ein Song der EP heißt „Safe Space“; im Text dazu singst du „Safe Space ist nicht nur ein Ort, sondern auch ein Gefühl“ – wie meinst du das? Ist der „safest Space“ ein Ort in jedem selbst?
Mein Song „Safe Space“ beschreibt diesen einen fragilen Moment, in dem man sich absolut sicher und wohl fühlt: Ein Augenblick, in dem man sich nicht erklären muss und keine Angst hat, zu viel oder nicht genug zu sein.
Die Vorstellung, dass der „Safest Space“ in einem selbst liegt, finde ich sehr schön. Selbstliebe, Selbstakzeptanz und Selbstvertrauen sind wichtige Teile davon. Gleichzeitig entstehen Safe Spaces vor allem im Außen – durch Menschen, die zuhören, einen wirklich sehen und versuchen zu verstehen.
Gerade innerhalb der Community geht es mir darum, füreinander da zu sein und aktiv solche Räume zu schaffen.
Mir war es wichtig, keinen idealisierten Zustand zu zeigen: Für viele queere Menschen ist der Alltag kein „Safe Space“. Und selbst in vermeintlich sicheren Räumen bleibt oft eine gewisse Unsicherheit bestehen. Umso besonderer sind diese Momente, in denen die Angst verschwindet und man sich wirklich angenommen fühlt.
Gleichzeitig muss man sagen, dass es nach wie vor nicht genug Safe Spaces gibt – und dass das Bedürfnis danach riesig ist. Ob queere Jugendtreffs, Bars, Club oder regelmäßige Treffen in queeren Zentren: Diese Räume sind unfassbar wichtig. Genau deshalb brauchen wir mehr davon – und müssen sie aktiv füreinander schaffen, supporten und erhalten.
Mit der Selbstliebe ist es besonders bei queeren Menschen so eine Sache; vor allem, weil das nicht von den anderen übernommen werden kann; das muss man selbst draufkommen. Du hast zu diesem Thema auch schon einen Song zu gemacht – welche Botschaft hast du da?
Selbstliebe ist für queere Menschen besonders herausfordernd, weil man schon früh das Gefühl vermittelt bekommt, nicht ganz zu passen. Dieses wiederholte Anecken prägt den Blick auf sich selbst und macht es schwer, ein stabiles Selbstwertgefühl zu entwickeln.
Deshalb sehe ich Selbstliebe nicht als festen Zustand, sondern als fortwährenden Prozess. Es geht nicht darum, alles an sich perfekt zu finden, sondern darum, sich Schritt für Schritt mehr anzunehmen.In meinem Song „Alle sagen lieb dich selbst“ greife ich genau das auf – ohne es zu vereinfachen oder zu romantisieren. Mir ist wichtig zu zeigen, dass dieser Weg nicht einfach ist und dass auch Rückschläge dazugehören.
Und auch wenn dieser Prozess aus einem selbst kommen muss, können andere Menschen dabei eine wichtige Rolle spielen. Menschen, die einen sehen und auf diesem Weg unterstützen, können einen entscheidenden Unterschied machen.
Foto: T. Paul
Was magst du am meisten bei Konzerten und sind die CSD-Termine dabei nochmal spezieller für dich?
Seit ich auf Deutsch schreibe, kann ich meine Geschichten klarer erzählen und spüre unmittelbarer, wie sie bei Menschen ankommen. Besonders ist für mich dieser Moment, in dem sich Menschen in meinen Songs wiederfinden.Auf meiner EP, die am 19. Juni mit dem fünften Track „Was Liebe wirklich kann“ vervollständigt wird, geht es um Themen wie Selbstliebe, Herkunft, Zugehörigkeit, Coming-out und um die Frage, was Sichtbarkeit verändern kann. Alles Themen, die mich als queeren Spätaussiedler, der früher stark gestottert hatte, geprägt haben. Vor wenigen Wochen wurde ich vom Berliner Senat für mein Engagement ausgezeichnet, was mich sehr stolz macht.
CSD-Bühnen haben dabei eine besondere Bedeutung für mich. Dort habe ich als Künstler angefangen, wurde von Anfang an angenommen und konnte mich ausprobieren und entwickeln. Und dieses Jahr spiele ich meine bisher größte Tour.
Heute gehe ich mit dem Anspruch auf die Bühne, der Künstler zu sein, den ich selbst früher gebraucht hätte. Am meisten berühren mich die Begegnungen nach den Shows – wenn mir Menschen erzählen, dass sie sich gesehen fühlen. Genau das ist mein Ziel: Räume zu schaffen, in denen sich Menschen erkannt fühlen.
Musik und alle CSD-Auftritte gibt‘s auf mksm-music.com und instagram.com/mksm.music/