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Mr. Fetish Hessen 2026: Dirk
Dirk aus Hofheim ist der neue Mr. Fetish Hessen, der im Rahmen der Leather Odyssey des FLC Ende Juni gewählt wurde. Der 59-jährige Banker ist vor 30 Jahren aus dem Nordhessischen ins Rhein-Main-Gebiet gezogen. Wir haben ihn zum Interview getroffen.
Dirk, wann hast du deinen Fetisch entdeckt?
Eigentlich schon in meiner Kindheit, als ich in der Disco im Fernsehen die ersten Stars im Leder gesehen habe – das fand ich damals schon toll. Ich habe auch Bilder aus Zeitschriften ausgeschnitten, von Bands wie Depeche Mode oder A-ha, die damals schon Leder getragen haben. 1990 habe ich meine erste eigene Lederhose gekauft. Ich hatte einen Typen in Schnürleder-Jeans gesehen – die Hose musste ich auch haben! So fing das an. Zum ersten Mal getragen habe ich die Hose in den USA. Ich war damals Austauschstudent und habe bei einer Familie gelebt. Der Mann war Republikaner, seine Frau Demokratin. Sie fand die Hose toll, er war eher entsetzt: „You look like a Fairy“, hat er gesagt. Aber ich habe mir nichts daraus gemacht. Und das war dann mein Fetisch Coming-out.
Du hast in deiner Ankündigung geschrieben, dass dich das Tragen von Fetisch-Bekleidung selbstsicher macht – also nicht, „ich bin heute so selbstsicher, dass ich ohne Problem Fetisch trage“, sondern genau umgekehrt?
Ja, das stimmt! Das Auftreten, insbesondere in Leder, macht mich selbstsicherer.
Ist es diese Art „Uniform“, die dir das Gefühl vermittelt?
Es ist so ein Mix-Max. Zum einen ist es die Uniform, aber auch, dass gerade Lederbekleidung Respekt verleiht. Also, ich werde selten dumm angemacht, wenn ich Leder trage. Und das macht mich selbstsicherer. Mehr, als wenn ich T-Shirt und Stoffhose trage.
Mitglied im FLC bist du aber erst seit kurzem?
Ich kannte den FLC schon seit Mitte der 90er Jahre, als ich damals ins Rhein-Main-Gebiet gekommen bin. Das große „Aber“: Ich kannte niemanden aus dem Verein. Ich war auf einer Veranstaltung und bin von keinem angesprochen worden. Ich war sowas wie eine Gruppe für mich (lacht). Da dachte ich, dass das vielleicht doch nichts für mich ist. Vor zwei Jahren war ich dann zum ersten Mal beim Fetish Pubcrawl. Dort hat mich der damalige Mr. Fetish Hessen Lorenz sofort angesprochen: „Ach, da ist ja ein neues Gesicht“, und hat mich mit den anderen bekannt gemacht. Und so ging das peu à peu immer weiter und schließlich bin ich selbst Mitglied geworden.
Du warst aber vorher nicht vollkommen isoliert, als einsame „Fetisch-Dirk-Gruppe“?
Nein, damals waren ja noch die Zeiten mit dem Stall, dem Construction Five und dem Loft-House. Da bin ich hingegangen, da war dann mein schwules Umfeld. Ich bin auch schon immer ins Lucky‘s gefahren und später auch nach Berlin, als ich mich getraut habe. Wie gesagt, alles kam so peu à peu.
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Wie war das mit deinem schwulen Coming-out, insbesondere im Job als Banker?
Ich musste mich in meinem Job gar nicht outen. Gleich am ersten Tag an meiner neuen Arbeitsstelle sagte meine damalige Vorgesetzte zu einem Kollegen, der mich schon kannte, „kann es sein, dass sich unser neuer Kollege nicht für Frauen interessiert?“ Das war kein größeres Thema, eigentlich noch nie. Ich hatte aber auch Glück, weil ich nie homophobe Vorgesetzte hatte. Ich habe mich aber auch nie verstellt. Wenn mich jemand gefragt hat, ob ich schwul bin, habe ich ja gesagt.
Als eines deiner Ziele als Mr. Fetish Hessen möchtest ein „Buddy“ für Fetisch-Neulinge sein. Das stammt aus deinen eigenen Erfahrungen mit der Fetisch-Szene?
Ja, weil ich genau das früher vermisst habe: jemand, der mich in die Szene einführt. Meine „Ansprechperson“ war der Lorenz. Ich selbst habe vor ein paar Monaten jemanden kennengelernt, der die gleichen Probleme hatte, der gerne zum Verein kommen wollte, aber niemanden dort kannte. Ich habe dann gleich gesagt, dass ich ihm gerne helfe und ihn vorstelle. Er hat das dankbar angenommen, ist jetzt auch Mitglied und findet es toll bei uns im Verein. Das habe ich auch am Wahlabend auf der Bühne erzählt. Nach der Wahl haben mich dann direkt drei Männer angesprochen, denen es genauso ging; sie waren neu in der Szene und haben sich auch nicht getraut, zum FLC zu gehen. Die wollen jetzt alle zu unserem offenen Clubabend in Lucky’s kommen.
Also hast du quasi sofort nach Schärpenübergabe deine Aufgaben als neuer Mr. Fetish Hessen umgesetzt!
Genau, gleich die Ernte eingefahren (lacht).
Wie hast du das Publikum bei der Wahl zum Mr. Fetish Hessen 2026 überzeugt?
Es war ganz irre und ich habe mir das selber ausgedacht, nach einer Begegnung beim letzten „Easter Berlin Leather & Fetisch Weekend“. Wir haben eine Show im Stil von Peter Zwegart gemacht, dem ehemaligen Fernseh-Schuldnerberater. Wir haben das mit seinem „Sohn“ Dominik wieder aufleben lassen. Er war der Schuldenberater und ich der hemmungslose Fetischkäufer mit 5.000 Euro Schulden. Dominik hat mir dann unter anderem vorgeschlagen, als Darsteller in Internet-Sexportalen Geld zu machen, um meine Schulden loszuwerden. Das kommt für mich als „Golden Boy“, bei dem ohne blaue Pille nichts mehr läuft, aber nicht in Frage. Sex bei mir ist wie die Teilnahme bei Olympia: Dabeisein ist alles! In jedem Pfarrhaus ist mehr Sex als bei mir (lacht).
Mutig, so etwas auf einer Bühne zu sagen?
Naja, ich lache gerne über mich selbst und nehme mich nicht so wichtig.
Die Auflösung war dann, als Dominik klar wurde, dass ich seine Beratung nie bezahlen kann, hat er meine Sachen als Pfand selbst angezogen und ist getürmt, ich bin ihm dann hinterher. Wir hatten auch noch einen Flipchart-Puppy dabei.
Flipchart-Puppy?
Genau. Er hatte einem Schild mit meinen Einnahmen und Ausgaben, und das hat er wie ein Nummerngirl gezeigt. Zum Schluss hat er den Flipchart umgedreht, und da stand dann „Wählt Dirk!“ Da haben alle wieder gelacht!
Also es war schon eher eine komödiantische Show?
Richtig. Alle haben gelacht, wirklich. Ich bin ein fröhlicher Mensch. Sowas wie Stimmungsschwankungen liegt mir völlig fern. Ich bin auf dem Land aufgewachsen und bin da sehr robust, ohne irgendwelche Allüren oder so. Was ich wirklich lernen musste, ist, auf Menschen zuzugehen. Heute bin ich zum Beispiel bei der Approved-Fetish-Party gerne an der Garderobe beschäftigt, weil man da am besten Kontakte zu anderen Fetischkerlen bekommt. Man braucht bloß zu sagen, wow, du hast aber ein tolles Outfit, und schon geht das Gespräch los.
Hast du dir dann auch richtig vorgenommen, als Mr. Fetish Hessen zu kandidieren?
Ja, ich habe mir das richtig vorgenommen. Ich habe bei Lorenz gesehen, wie toll das ist. Und ich besuche seit zwei Jahren auch so gut wie jedes Fetisch-Event. Ich finde das total schön, das Miteinander, neue Leute kennenlernen, sich vernetzen, schauen, was andere so tragen. Das gefällt mir.
Du hast in unserem Vorgespräch erwähnt, dass du dich für gesunde Ernährung interessierst – bist du Veganer?
Nein, gar nicht vegan, einfach nur gesund. Sprich, zum Beispiel der Verzicht auf Kohlehydrate. Dafür viel Gemüse und Obst. Ich hatte bis vor zwei Jahren 94 Kilo. Mein Arzt meinte, dass ich kurz vorm Diabetes stehe. Da habe ich beschlossen, jetzt ist Schluss! Ich bin dann umgestiegen auf gesunde Ernährung. Heute wiege ich so 74 Kilo. Es klappt zwar nicht immer mit der gesunden Ernährung, aber mit Sauerkrautsalat findet man immer in seine ursprüngliche Form zurück – schlank im Schlaf, sage ich nur (lacht).
Sauerkrautsalat, das ist der Geheimtipp?
Genau (lacht)
Hast du als neuer Mr. Fetish Hessen eine Message an die Fetisch-Community?
Ja, meine Message lautet: „Mit dir wird unsere Community stark“. Das heißt, jeder Einzelne ist wichtig. Ich möchte mit meiner Präsenz sowohl neue Fetisch-Leute ansprechen als auch alte Fetisch-Leute, die den Fetisch schon ganz hinten rechts in den Schrank gelegt haben, motivieren, sich wieder zu engagieren. Bei beidem möchte ich helfen.