Foto: Gitta Hilb
„Queeres Leben gibt es auch auf dem Land“ lautete 2022 das Motto des ersten CSD in Limburg. Inzwischen hat sich das Community-Event etabliert – in der Stadt, die überregional vor allem mit dem Bischofsitz und damit als Zentrum des römisch-katholischen Bistums Limburg mit all seinen Skandalen in Verbindung gebracht wird. Zum fünften CSD Limburg, der am 9. Mai stattfindet, haben wir vorab mit dem Verein LimBUNT gesprochen; der hatte sich 2022 aus dem Orgateam des ersten CSD gebildet und stemmt seitdem nicht nur den CSD, sondern engagiert sich auch außerhalb der CSD-Saison für queere Sichtbarkeit in Limburg.
Was gab damals die Initialzündung, ausgerechnet in Limburg einen CSD zu organisieren? Wo liegt der Urkern des CSD Limburg?
Zunächst wollte die Grüne Jugend einen CSD als Fahrraddemo veranstalten und holte dafür die politischen Jugendorganisationen ins Boot. Unser jetziger Co-Vorsitzender Robert Kleinmichel war damals schon kommunalpolitisch aktiv. Er wusste, welche Förderprogramme es gibt, die man anzapfen kann, um das ganze vielleicht ein bisschen größer aufzuziehen. Über sein Netzwerk konnten wir dann auch den Kreis der Organisator*innen breiter aufstellen. Mit Maria Sievers kam unsere heutige Co-Vorsitzende hinzu, die schon lange eine privat organisierte queere Gruppe leitete. Mit Eric Tilch hatten wir quasi das Bistum Limburg mit im Boot, denn er arbeitet für die Jugendkirche KANA, die das Thema „Queere Sichtbarkeit in der Kirche“ mit anspricht. Gestartet sind wir mit sieben Personen im Orga-Team. Die Organisation lief komplett Online über Zoom-Meetings ab, da Corona noch immer ein Thema war. Tatsächlich sind wir am Tag des CSD zum ersten Mal alle in Person aufeinandergetroffen.
Bereits der erste CSD wurde als Projekt im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ gefördert; wie wichtig war das – ideell und ggf. auch finanziell – für den ersten CSD?
Ohne „Demokratie Leben!“ kein CSD Limburg. So einfach kann man das sagen. Wir haben damals die unglaubliche Summe von 10.000 Euro zur Verfügung gehabt, um diese Veranstaltung aus dem Boden zu stampfen. Der Bund der katholischen Jugend übernahm 2022 für uns die Verwaltung der Fördermittel, denn politische Parteien oder Privatpersonen durften nicht gefördert werden. Dafür sind wir heute noch sehr dankbar, wenn wir sehen, was daraus entstanden ist. Heute haben wir einen eigenen Verein und einen CSD, der sich in Limburg etabliert hat.
Aber so viel Geld hatten wir danach nie wieder zur Verfügung. Heute fließt unheimlich viel Zeit und Energie in die Ansprache von möglichen Spender*innen und Sponsor*innen. Diese Zeit fehlt für die Veranstaltung selbst und sorgt auch jährlich für erheblichen Druck. Viele Zusagen für Mittel erhalten wir erst sehr kurz vor der Veranstaltung und müssen sie dann schnell verplanen.
Foto: limbunt.de
Der Limbunt-Vorstand: v.l.nr. Robert Kleinmichel, Daniela Faße, Maria Sievers und Eric Tilch; es fehlt: Tobias Neiße.
Gab es Widerstand gegen die CSD-Orga oder offene Queerfeindlichkeit während der CSDs?
Wir waren am Anfang unsicher, wie ein CSD in Limburg ankommen würde. Aber die Limburger Stadtverwaltung hat unser Projekt sehr positiv aufgenommen. Wir wurden im Rahmen der Projektentwicklung von „Demokratie Leben!“ sehr gut beraten. Das war auch wichtig, denn niemand von uns hatte Erfahrung mit einer Veranstaltung dieser Größe. „Demokratie Leben!“ gibt es hier zwar nicht mehr, aber die Stadt unterstützt uns weiterhin finanziell aus einem Topf für Demokratieprojekte. Am Tag selbst kam es 2022 leider vor allem auf den Wegen zum Veranstaltungsort zu Queerfeindlichkeit. Besucher*innen wurden Fahnen entrissen und es kam zu verbalen Attacken. Seither bestreift die Polizei auch die Wege zum CSD, um in solche Situationen schnell eingreifen zu können. Das hilft! Insgesamt waren wir erstaunt, wie positiv die Limburger*innen reagiert haben. Während der Demo sind wir an einigen Cafés vorbeigelaufen. Die Menschen dort haben sich von der positiven Energie der Community anstecken lassen!
Was ist für den Jubiläums-CSD am 9. Mai geplant?
Unser Jubiläum soll unsere Errungenschaften und Mitstreiter*innen zelebrieren. Für einen kleinen Verein im ländlichen Raum konnten wir in den fünf Jahren gute Vernetzungsarbeit leisten und haben eine gute Basis für die Umsetzung der Ziele unseres Vereins gesetzt: Queer Positivity und Sichtbarkeit schaffen.
Das macht sich vor allem auf der Bühne bemerkbar. Wir wollen Acts aus den vergangenen vier Jahren zurückholen. Das gelingt uns auch mit 4ZKB, die den Rock auf die Bühne bringen. Kay P. Rinha lassen wir aus Berlin anreisen. Und auch unsere Local Queen Gaga Diakovska begleitet uns dieses Jahr wieder voller Elan, obwohl sie Limburg inzwischen verlassen hat.
Mit Bahar von Monrose haben wir in diesem Jahr einen neuen Act auf der Bühne, der uns auch überregional nochmal ins Gedächtnis ruft.
Auf dem Straßenfest wird eine Vielzahl an (Info-)Ständen von Organisationen vertreten sein, die sich Kreis Limburg-Weilburg und überregional für ein demokratisches und vielfältiges Miteinander einsetzen.
9.5., Fünf Jahre CSD Limburg, 15 Uhr: Demo ab Hauptbahnhof, 16 Uhr: Straßenfest auf dem Neumarkt, alle Infos über limbunt.de/csd-2026/