Foto: Lilian Backes / @lilian_walker / Hessisches Staatstheater Darmstadt
Mit der bitterbösen Posse des schwulen britischen Theater-Autors komplettiert das Staatstheater Darmstadt im August seine spielzeitübergreifende Joe-Orton-Trilogie. „Beute“ ist eine makabre Farce, die, obwohl schon 1965 uraufgeführt, an Aktualität nichts verloren hat.
Während der Witwer McLeavy in Trauer um seine kürzlich verstorbene Frau versinkt, hat sein Sohn Hal ganz andere „Sorgen“: Zusammen mit einem Komplizen hat Hal eine Bank ausgeraubt. Auf der Suche nach dem idealen Versteck für die Beute kommt ihnen die bei dem McLearys arbeitende Krankenschwester Fay in die Quere; gegen eine finanzielle Beteiligung hat sie die „brillante“ Idee, das Geld im Sarg der Mutter aufzubewahren; die Leiche verschwindet anstelle der Beute dafür im Kleiderschrank. Inspektor Truscott droht dem Trio auf die Schliche zu kommen, doch letztendlich ist auch er nur am Geld interessiert. Am Ende zahlt der ehrliche, aber damit tragikomische Mr. McLeary für die Verbrechen der anderen.
Obwohl Ortons „Beute“ als turbulente Komödie daherkommt, entlarvt Orten eine bürgerliche Scheinmoral, die als Maske die reine Profitgier verbergen soll. Es geht immer nur ums Geld. Ortons Stück wirft aber auch eine weitere, systemkritisch-provokante Frage auf: Sind die Verbrechen in einer von Individualismus und Profitgier geprägten Welt überhaupt Verbrechen oder bloß existenzielle Notwendigkeit?
28.8., Premiere „Beute“ von Joe Orton, Hessisches Staatstheater Darmstadt, Georg-Büchner-Platz 1, Darmstadt, 20 Uhr, weitere Vorstellungen im September, staatstheater-darmstadt.de