Illustration: J.O. Seph, KI erstellt
Einer interessanten historischen schwulen Figur widmet sich der Schauspieler und Comedian J.O. Seph in seinem Solo-Stück „Luziwuzi – zu bunt fürs Protokoll“.
„Luzi-Wuzi“ war der Spitzname des Erzherzogs Ludwig Viktor von Österreich, dessen Homosexualität zwar bekannt war, aber geflissentlich unter den Teppich gekehrt wurde. Es war eine Zeit, in der allein die Fassade wichtig war. Der Kaiser tolerierte Affären jeglicher Art, da auch er mehrere pflegte – alles war möglich, solange das Haus Habsburg nicht in Verruf geriet. Ausgelebte Homosexualität aber war damals eine Straftat. Erpressungsversuche wurden daher möglichst dezent mit Schmiergeldern unterbunden, und auch sonst wurde darauf geachtet, dass kein Klatsch an die Öffentlichkeit gelangte. Das ging natürlich nur solange gut, wie alle mitspielten – Ludwig Viktor fiel schließlich denjenigen zum Opfer, denen er ein Dorn im Auge war.
J.O. Seph verbindet in seinem Monolog historische Recherche mit gegenwärtigen Debatten um Sichtbarkeit, Selbstbestimmung und gesellschaftlichen Rückschritten und erzählt damit Ludwig Viktors Geschichte neu. Er zeigt den Erzherzog als widerständige Figur zwischen Hofprotokoll und heutiger Social-Media-Realität.
19. – 21.6., ZAK Niedernhausen, Wiesbadener Str. 15, Niedernhausen, 20 Uhr, instagram.com/j.o._seph