Foto: Kowatanda Films
„Tiger“ von Anshul Chauhan.
Vom 2. bis 7. Juni bringt das Nippon Connection Filmfestival wieder japanische (Film-) Kultur nach Frankfurt – und das in geballter Ladung!
130 Kurz- und Langfilme sowie rund 80 Konzerte, Workshops, Ausstellungen und Vorträge stehen auf dem Programm.
Queer Cinema ist auch in diesem Jahr wieder Bestandteil des Kinoprogramms.
Tiger
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Allen voran das Drama „Tiger“ von Anshul Chauhan: Der 35-jährige schwule Taiga lebt in Tokio und schlägt sich als privater Masseur eher mäßig durch, nimmt regelmäßig an Castings für schwule Pornofilme teil und betäubt nachts das dumpfe Gefühl der Einsamkeit mit anonymen Sex-Dates. Zu seiner Familie hat er wenig Kontakt, doch als sich der Gesundheitszustand seines Vaters dramatisch verschlechtert, reist Taiga in seine Heimat. Sein Vater möchte das Familienvermögen unter den Kindern aufteilen. Taigas Schwester Minami ist der Ansicht, dass ihr Bruder als Schwuler kein Anrecht auf das Erbe hat und droht, Taiga vor seinem Vater zu outen, sollte Taiga nicht freiwillig auf seinen Erbanteil verzichten. Als Taiga seine erste große Pornorolle ergattert und erfolgreich zu werden scheint, macht Minami ihre Drohung wahr.
Der indische Regisseur Anshul Chauhan zeigt in seinem Film eindrücklich, welchen Herausforderungen sich schwule Männer mittleren Alters in der japanischen Gesellschaft stellen müssen. Dabei beleuchtet er auch die zunehmend über spezielle Dating-Apps institutionalisiert geschlossenen „Freundschaftsehen“ zwischen Schwulen und Lesben – Zweckpartnerschaften, um die gesellschaftliche Fassade aufrechtzuerhalten. „Das ist eine tiefgreifende gesellschaftliche Anpassung: LGBTQ+-Menschen schreiben die Regeln neu, weil ihre Regierung es nicht tut“, meint der Regisseur. Der Film wurde an originalen Schauplätzen in Tokio gedreht, an versteckten queeren Orten, Schwulen-Nachtclubs, privaten Liebeshotels bis hin zu beengten Familienwohnungen und mit Aufnahmen der Tokyo Rainbow Pride Parade 2024 angereichert. „Wenn wir keine Genehmigung bekamen, drehten wir im Guerilla-Stil“, kommentiert Anshul Chauhan. Zur Deutschlandpremiere bei Nippon ist der Regisseur persönlich vor Ort (5.6., Eldorado, 19 Uhr, 6.6., Mousonturm, 16:30 Uhr).
Blue Boy Trial
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Ebenfalls auf einer wahren Begebenheit beruht „Blue Boy Trial“ des transgender Regisseurs Kasho Iizuka: Mitte der 1960er erließ die japanische Regierung ein Gesetz, das Prostitution verbot. Da das Gesetz aber nur für weibliche Prostituierte galt, entstand eine unbeabsichtigte Gesetzeslücke für die „Blue Boys“ (japanischer Slang für trans Frauen), die ihrer Tätigkeit weiterhin nachgehen konnten – wegen ihres rechtlich männlichen Geschlechtsstatus fielen sie nicht unter das Prostitutionsverbot. Als Reaktion darauf wurde allerdings einem Arzt, der geschlechtsangleichende Operationen vornahm, der Prozess gemacht. Dieser damals aufsehenerregende „Blue Boy Trial“ sorgte unter anderem für ein Verbot geschlechtsangleichender Operationen in Japan das bis Ende der 1990er andauerte.
Regisseur Kasho Iizuka gehört zu den wenigen japanischen Personen, die zu ihrer trans Identität stehen. In seinem Film erinnert er an den heute fast vergessenen „Blue Boy Trial“, der das Leben sexueller Minderheiten in Japan nachhaltig beeinflusst hatte. Für den Film wurden transgender Schauspieler*innen engagiert, um ein möglichst authentisches Bild wiederzugeben und trans Personen nicht wie in ähnlichen japanischen Genrefilmen als eindimensionale Charaktere oder Witzfiguren darzustellen (4.6., Mousonturm, 14 Uhr, 6.6., Cinéma, 13 Uhr).
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Numakage Public Pool
Einen ungewöhnlichen Einblick in japanische Seele gibt die Doku „Numakage Public Pool“ über ein öffentliches Schwimmbad in einem Vorort Tokios, das abgerissen werden soll. Der Ort ist seit über 50 Jahren ein äußerst beliebter und vielgenutzter Treff für Familien, Senioren und Kinder – und auch als stark frequentierter Cruising-Spot für Schwule bekannt. Regisseur Shingo Ohta beleuchtet die öffentliche Trauer der Schwimmbad-Community um den Verlust ihres Freibads. Eine Trauer, wie sie sonst nur verstorbenen Menschen zu teil werden würde (2.6., Naxos Kino, 19:30 Uhr, 6.6. Mal seh’n Kino, 20:45 Uhr).
2. – 7.6., Nippon Connection, Festival-Zentren: Mousonturm, Waldschmidtstr. 4, und Produktionshaus Naxos, Waldschmidtstr. 19, mehr zum Festival über nipponconnection.com