Foto: Jan Ruhk
Als frisch gekrönter Kohlkönig des LCNW trägt er nun nicht mehr nur die traditionellen, zeremoniellen Knochen um den Hals, sondern auch die Verantwortung für die Stimmung und den Zusammenhalt im kommenden Jahr.
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Ein Brückenbauer in Leder
Dass Uli weiß, wie man Repräsentation und Gemeinschaft mit Leben füllt, hat er bereits eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Erst vor drei Jahren zog es ihn der Liebe wegen aus dem westfälischen Bad Hamm nach Hamburg. Seitdem ist er aus der norddeutschen Szene schlichtweg nicht mehr wegzudenken. Bereits im selben Jahr sicherte er sich stolz die Schärpe als „Mr. Leather Hamburg“.
Ulis Tatendrang macht jedoch nicht an den Stadtgrenzen halt. Mit seinem Ticket der Deutschen Bahn ist er fast täglich quer durch die gesamte Bundesrepublik unterwegs. Sein Ziel verfolgt er dabei stets mit Leidenschaft: als stolzer Lederkerl Sichtbarkeit zeigen und wichtige Brücken schlagen. Mit Uli hat der LCNW einen Repräsentanten gewonnen, der Tradition und modernes Engagement perfekt vereint.
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Uli, als Julian dir die Schärpe und den Knochen überreichte, was ging dir in diesem Moment durch den Kopf? Überwiegt der Stolz oder der Respekt vor der Aufgabe?
Als Julian mir die Schärpe übergab, war ich total geflasht. Ich war überrascht und konnte gar nicht glauben, was da in dem Moment passierte. Aber ich habe mich so gefreut und es erfüllt mich mit Stolz, der neue LCNW-Kohlkönig 2026 zu sein. Es ist mir eine große Ehre, die Fetisch-Community des Bundeslandes Bremen für ein Jahr vertreten zu dürfen. Ich danke dem Vorstand des LCNW, der mir das Vertrauen für diese Aufgabe geschenkt hat.
Was bedeutet es für dich persönlich, die Bremer Tradition als Vertreter eines Hannoveraner Vereins anzuführen? Ist das ein Zeichen für die enge Vernetzung der norddeutschen Fetischszene?
Ganz genau – Fetisch ist ja nicht nur auf eine Region ausgerichtet. Fetisch ist grenzenlos. Und die Bremer Tradition hat mich schon immer fasziniert, weil sie einzigartig in der Community ist. Von daher bedeutet es mir sehr viel, die Bremer Tradition fortzuführen. Die norddeutsche Community ist wirklich gut vernetzt – es findet ein reger und regelmäßiger Austausch statt.
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Kohl und Pinkel wirkt auf den ersten Blick sehr bürgerlich. Warum passt dieser norddeutsche Brauch deiner Meinung nach so perfekt zur Leder- und Fetisch-Community?
Dieser Brauch hat eine lange Tradition und ist in der Zwischenzeit weit über die Grenzen Norddeutschlands bekannt. An der Kohlfahrt nehmen auch regelmäßig Jungs aus dem Süden Deutschlands teil. Und dieses Gemeinschaftserlebnis, ein Wochenende lang, schweißt zusammen. Es ist wie eine große Familienfeier. Von daher passt dieser Brauch sehr gut zur Leder- und Fetisch-Community.
Sicher kennst du auch die Bregenwurst? Hand aufs Herz! Hat dich die Bremer Pinkel im Tafelhaus Tritinia überzeugt, oder gab es da intern diplomatische Verhandlungen?
Da muss ich wirklich schmunzeln. Bei dem Namen „Pinkel“ wird ja doch des Öfteren von Neulingen eine Augenbraue hochgezogen. Aber wenn die Skeptiker den ersten Bissen im Mund haben, sind sie positiv überrascht. Ich selber war schon immer ein großer Fan von Kohl und Pinkel.
Welches Überlebenselixier im Bollerwagen hat dich am besten durch den Bremer Winter gebracht?
Die Tour mit dem Bollerwagen, gefüllt mit allerlei hochprozentigen Getränken, ist genial. Jeder Teilnehmer hat ein Schnapsglas mit Bändchen um den Hals hängen und los geht’s. Gute Stimmung ist also garantiert! Mein Überlebenselixier war und ist kaltes, klares Wasser, da ich keinen Alkohol trinke. Auf halber Wegstrecke gibt es belegte Brötchen und Heißgetränke. Und Kaffee ist quasi mein zweiter Vorname.
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Welche Akzente möchtest du in deinem Jahr als Kohlkönig setzen? Gibt es etwas, das du der Community für die nächste Tour mit auf den Weg geben willst?
Mein Fetisch ist Leder. Ich trage täglich Leder im Alltag – egal ob in der City, im Dorf oder im ICE der Deutschen Bahn. Für mich sind Sichtbarkeit und Präsenz enorm wichtig. Und die Liebe zum Fetisch hört im höheren Alter nicht auf. Darum ist es für mich so wichtig, der Community zu sagen: Zeigt euch, lebt euren Fetisch aus – versteckt euch nicht im stillen Kämmerlein. Wir haben alle nur ein Leben!
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Was sagst du einem Fetisch-Neuling, der noch nie bei einer Kohlfahrt dabei war, um ihn für das nächste Jahr zu begeistern?
Dem Fetisch-Neuling würde ich genau das sagen, was ich in der Frage vorher schon mitgeteilt habe. Ich würde ihm raten: Komm raus aus deinen vier Wänden, zeige deinen Fetisch mit Stolz und ohne Angst. Wenn du an der Kohlfahrt teilnimmst, wirst du so viele Gleichgesinnte treffen, du erlebst Gemeinschaft und wirst eine neue Wahlfamilie finden. Sei dabei – trau dich!
*Interview: Mathias Rätz