Die zum Territorium der USA gehörende Insel gilt als eines der LGBTIQ*-freundlichsten Reiseziele der Karibik. Nicht ohne Grund: Neben zahlreichen Bars in der Hauptstadt San Juan feiert Puerto Rico gleich in mehreren Städten Pride und setzt mit Regenbogen-Denkmälern ein deutliches Zeichen gegen Diskriminierung.
Foto: Discover Puerto Rico / Rosario Fernandez
Puerto Rico
Paar in der Altstadt von San Juan
Es ist ein Moment der Stille. Am Ende seiner „Queer Monuments“-Tour, auf der Antonio eine Gruppe queerer Touristen zunächst durch die Altstadt von San Juan, zum „Regenbogen-Tor“ am Hafen sowie zum Regenbogen-Pier im Stadtteil Cataño geführt hat, macht der schwule Stadtführer Halt im Parque del Tercer Milenio. Dort, ganz in der Nähe des beliebten Strandes Escambrón, steht das Denkmal für die Opfer des Anschlags auf Orlandos queeren Latino-Klub Pulse im Jahr 2016. Insgesamt 23 der 49 Opfer waren Puerto Ricaner. „Das Denkmal wurde auf Anregung der damaligen Bürgermeisterin Carmen Yulín Cruz Soto nur wenige Wochen nach dem Anschlag errichtet – als Zeichen gegen Homophobie und für Gerechtigkeit“, so Antonio. Mit seiner Firma Wanatourpr hat sich der 59-Jährige auf queere Touren durch Puerto Rico spezialisiert. Ausflüge zu queeren Stränden vor den Toren San Juans gehören dabei ebenso dazu wie Wanderungen durch den Regenwald.
Foto: Dirk Baumgartl
Puerto Rico
Pulse Memorial in San Juan
Der gebürtige Puerto Ricaner liebt seine Heimat und ist seit 2018 lizenzierter Reiseführer. „Die Insel hat unglaublich viel zu bieten – egal ob Geschichte, Natur oder kulturelles Erbe. Dank der geringen Größe kann man auf Puerto Rico alles innerhalb von drei Autostunden erreichen“, so Antonio. Vor allem die jüngere Generation sei – im Gegensatz zur Bevölkerung anderer karibischer Inseln wie etwa Jamaika – queeren Menschen gegenüber sehr aufgeschlossen. „Ältere Leute sind dagegen noch ziemlich konservativ, aber trotzdem immer herzlich und freundlich. Puerto Rico ist in dieser Hinsicht für LGBTIQ*-Urlauber ein sehr sicheres Reiseziel.“
Foto: Dirk Baumgartl
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Tour-Guide Antonio
Kultur & Strand
Puerto Ricos Hauptstadt San Juan ist sowohl das kulturelle wie touristische Zentrum der Insel. Old San Juan – die auf einer Landzunge gelegene Altstadt, wird von einem mächtigen Fort dominiert, das im 16. Jahrhundert zur Verteidigung der 1508 gegründeten Stadt errichtet wurde und heute zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt. Die engen Gassen mit ihrem blauen, einst aus England importierten Kopfsteinpflaster laden nachgerade dazu ein, ohne Stadtplan entdeckt zu werden. Bunte Häuser im Kolonialstil reihen sich an alte Paläste, Kirchen oder imposante Bauten wie das Ende des 17. Jahrhunderts errichtete Karmelitenkloster, das nach seiner Schließung erst als Bordell und heute als Luxushotel dient. Das im Schatten der benachbarten Kathedrale stehende Hotel El Convento ist auch ein Zwischenstopp eines kulinarischen Stadtspaziergangs mit Spoon!. Die Guides des auf Food-Touren spezialisierten Unternehmens nehmen die Teilnehmer mit auf eine Erlebnisreise durch die authentische Küche Puerto Ricos – vom Schweinebraten mit Reis und Bohnen über Mofongo (ein traditionelles Gericht aus gestampftem Süßkartoffeln mit Fleisch oder Meeresfrüchten) und Ceviche bis zu Schokolade. Dazu gibt es jede Menge wissenswerte und amüsante Anekdoten über die Geschichte San Juans.
Foto: Discover Puerto Rico / Rosario Fernandez
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Im Kontrast zu Old San Juan ist der ein paar Kilometer östlich gelegene Stadtteil Condado ein Zentrum für den Tourismus. Hier findet man zahlreiche Hotels, Restaurants und Geschäfte. Am Atlantic Beach, einem breiten Sandstrand, befinden sich nicht nur Hotels wie La Concha oder Marriott, sondern auch das queere Hotel Tryst, dessen Terrasse am Strand am Wochenende ein beliebter Treffpunkt der Szene ist. Nicht weit vom Ocean Park Beach entfernt liegt das wohl einzige Gay-Resort der Karibik, in dem auch FKK erlaubt ist: Das Coqui del Mar ist ein kleines Gästehaus mit zehn Zimmern, kleinem Pool und Whirlpool, dessen Besitzer und Angestellte für eine freundliche Atmosphäre sorgen und zudem jede Menge Tipps für San Juans Nachtleben bereithalten. Dazu gehören etwa der beliebte LGBTIQ*-Nachtklub Kweens und Bars wie La Esquina de Polo, El Cojo, Temptation oder SX.
Foto: Discover Puerto Rico / Chase Walker
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Playa Mar Chiquita
Wilder Westen
Im Gegensatz zu den meisten Karibikstaaten ist in Puerto Rico die Ehe für alle legal, auch Adoptionen für gleichgeschlechtliche Paare sind erlaubt. Als US-Territorium folgt die Gesetzgebung zum Großteil den Entscheidungen des Supreme Court. Zudem verfügt Puerto Rico sowohl über ein Antidiskriminierungsgesetz und deckt Transitionen über die Krankenkasse ab. Zu den Highlights im LGBTIQ*-Kalender gehört der Anfang Juni stattfindende Pride in San Juan mit einer Parade vom Parque del Indio bis zum Parque del Tercer Milenio und einer anschließenden Party am Strand von Escambrón. Ebenfalls beliebt ist der im Südwesten der Insel stattfindende Orgullo Boquerón. Viele Einheimische sind der Meinung, dass das Mitte Juni stattfindende Pride-Wochenende in dem kleinen Badeort wesentlich wilder und aufregender ist als in San Juan. Für queere Urlauber ist Boquerón auf jeden Fall einen Besuch wert und ein idealer Ausgangspunkt für Ausflüge in die Umgebung. Neben einem kilometerlangen Strand ist die angrenzende Calle Jose de Diego mit ihren Bars und Restaurants der ultimative Treffpunkt am Abend. Hier gibt es kaum ein Lokal, an dem nicht eine Regenbogenflagge oder ein -aufkleber signalisiert, dass LGBTIQ*-Gäste willkommen sind. Neben einer kleinen Brücke, die zum Strand führt, steht zudem eine kleine Stele in Regenbogenfarben.
Foto: Discover Puerto Rico / Rosario Fernandez
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Unterwegs in Cabo Rojo
Von San Juan nach Boquerón sind es etwa drei Stunden mit dem Auto. Dank gut ausgebauter Straßen und Mietwagenstandards wie in den USA ist das Reisen auf Puerto Rico völlig unkompliziert. Wer Zeit hat, sollte statt der Autobahn lieber die kleinen Küstenstraßen nehmen und Halt an einigen der schönsten Strände Puerto Ricos machen. Wer von San Juan die Nordküste Richtung Westen nimmt, kann beispielsweise einen Stopp am inoffiziellen FKK-Strand Boquillas oder dem sichelförmigen und von Felsen von der Brandung natürlich geschützten Playa Mar Chiquita einlegen. Weitere Badeorte auf dem Weg nach Boquerón und in die Region Cabo Rojo sind das malerische Isabela, der Strand von Aguadilla und die bei Surfern beliebte Küste von Rincon. Nicht weit von Boquerón gehört die von weißem Sandstrand gesäumte, ins türkisblaue Wasser flach abfallende Playa Buyé zu einem der schönsten Strände der Insel, den man an Wochenenden allerdings eher meiden sollte. Wer die Abgeschiedenheit eines Naturstrandes sucht, findet diese auf der kleinen Halbinsel Cabo Rojo. Ein Besuch des unter den beiden Namen La Playuela bzw. Playa Sucia bekannten, halbkreisförmigen Strandes lässt sich außerdem mit einer kurzen Wanderung zu den steil abfallenden Klippen des Kaps und dem darauf stehenden Leuchtturm ideal verbinden.
Foto: Discover Puerto Rico / Rosario Fernandez
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Klippen am Cabo Rojo
Leuchtendes Plankton
Mehr Wanderwege gibt es durch den Wald von Guánica. Von der UNESCO als Biosphärenreservat geschützt, ist er einer der größten noch erhaltenen tropischen Trockenwälder der Karibik. Hunderte verschiedener und zum Teil seltener Tier- und Pflanzenarten sind hier zu finden, darunter Eidechsen, Einsiedlerkrebse und zahlreiche Vögel. Insgesamt zwölf verschiedene Wanderwege führen durch das Areal, beispielsweise die knapp zehn Kilometer lange Tour zu dem verlassenen Fort Caprón. Ein ganz anderes Naturschauspiel bietet sich in einer Bucht vor der Küste des Örtchens La Parguera. In der „Bio Bay“ kann man nach Einbruch der Dunkelheit in dem von biolumineszentem Plankton besiedelten Wasser schwimmen und schnorcheln. Bei Berührung leuchten die Dinoflagellaten genannten Mikroorganismen blau auf, sodass man unter Wasser das Gefühl hat, zwischen Hunderten kleiner Lichtpunkte zu schweben. Das vor La Parguera liegende Riff mit bunten Korallen und tropischen Fischen eignet sich zudem tagsüber ideal für Schnorchel- oder Tauchausflüge.
Foto: Discover Puerto Rico / Rosario Fernandez
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Regenwald El Yunque
Baden unterm Wasserfall
Ein völlig anderer Lebensraum erschließt sich dem Besucher im einzigen zum U.S. National Forest System gehörenden Regenwald. Nur eine Autostunde östlich von San Juan erheben sich die üppig grünen Berge des Regenwalds El Yunque. Neben einer Panoramastraße, die an Wasserfällen und Aussichtstürmen vorbeiführt, sind Teile des Regenwaldes von einem knapp vierzig Kilometer langen Netz an Wanderwegen durchzogen. Besonders beliebt ist der nur einen Kilometer kurze La Mina Trail, der zu den gleichnamigen Wasserfällen führt, in deren natürlichen Pools man baden darf. Auch Tourguide Antonio hat einen Trip in den Regenwald im Programm – allerdings im Süden von El Yunque, der von Touristen wenig besucht wird. Hier erfährt man mehr über das Ökosystem Regenwald und die tiefe Beziehung der präkolumbianischen Kulturen zur Natur. Und schließlich wird auch gewandert: Entlang eines Flusses führt der Weg zu einem versteckten Wasserfall, unter dem man sich Abkühlen kann. Und wer weiß – wenn die Sonne im richtigen Winkel steht, sieht man sogar einen Regenbogen. Geschaffen ganz allein von der Natur.
INFO
ANREISE
Das Skyteam-Mitglied Delta Airlines fliegt ab Frankfurt, München und Berlin über den New Yorker Flughafen JFK täglich nach San Juan. Gäste haben auf der Langstrecke dabei die Wahl zwischen den Klassen Main Cabin, Premium Select und Delta One. www.delta.com
Foto: Dirk Baumgartl
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LGBTIQ* Denkmal in Boqueron
HOTEL
Das Coqui del Mar ist Puerto Ricos einziges Gay-Resort, in dem auch FKK erlaubt ist. Insgesamt verfügt die kleine und gemütliche Anlage in unmittelbarer Nähe zum Ocean Park Beach über zehn individuell gestattete Zimmer. Von hier aus starten regelmäßig Touren zu queeren Stränden oder in den Regenwald. www.coquidelmar.com
TIPP
Mit seinem Unternehmen Wanatourpr bietet der lizenzierte Guide Antonio Cruz queere Touren auf Puerto Rico an. Stadtführungen wie die „Queer Monuments“-Tour gehören dabei ebenso zum Programm wie der Besuch eines FKK-Strandes oder ein Ausflug in den Regenwald. www.wanatourpr.com
Foto: Discover Puerto Rico / Rosario Fernandez
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Regenwald El Yunque