Foto: M. Garnett / Pup Snap
DJ Buday
🐾 Ein ganz bekannter Berliner Puppy hatte Zeit, sich uns zu erklären.
Wann ging es los in der Puppy-Welt? Die erste Begegnung mit der Puppy-Community hatte ich auf meiner ersten „Furry Convention“ 2013 – und ich bin direkt verliebt gewesen. Alles daran resonierte mit mir! Der Look, Sexyness, das Anonyme, aber auch das Süße und die Kreativität hinter jeder Maske. Für mich strahlt die Maske selbst jedes Mal mein natürliches Ich und Sicherheit aus. Ich komme aus einem kleinen Dorf in Frankreich: sehr konservativ mit einer ebenso konservativen Familie. Dadurch fiel es mir unglaublich schwer, mein natürliches Ich zu leben. Die Puppy-Maske hat mich davon komplett befreit! Ich war schon immer Hundeliebhaber, hatte schon immer den Wunsch, eine gute Atmosphäre um mich herum auszustrahlen und anderen zu helfen. Deswegen, würde ich sagen, passt die Puppy-Maske perfekt zu mir. Natürlich benehme ich mich auch manchmal wie ein waschechter Hund.
Wie definierst du dich? Ich würde mich als Künstler bezeichnen. Für mich ist der Körper immer ein Kunstobjekt, egal in welcher Form, und sollte nicht ständig gleich sexualisiert werden. Das ist einer der Gründe, warum ich so oft nackt bin, gerade auch in der Klubszene. Auszustrahlen, dass jeder Mensch sich in seinem eigenen Körper wohlfühlen soll, ist mir dabei besonders wichtig. Auch wenn Social Media es uns immer mit den scheinbar idealen Körpern erschweren. Niemand ist perfekt, und in dieser Imperfektion steckt etwas besonders Schönes! Wir sollten uns niemals für unser Selbst schämen! Es war für mich ein ganz besonderer Moment zu sehen, dass Menschen um mich herum anfingen, sich in sich selbst sicherer zu fühlen, was mich bis heute unglaublich berührt. Ich bin dazu auch ein Fetisch-Model, arbeite mit vielen verschiedenen Marken der Rubber-, Leder- und Spandex-Industrie, wofür ich auch fotografiert werde. Seit die Instagram-Richtlinien sich über die letzten Jahre verändert haben und nun vermehrt versucht wird, Fetisch und queere Accounts gezielt einzugrenzen oder meist eher direkt zu sperren (mein eigener Account mehrfach), teile ich hauptsächlich nur noch meine DJ Contents oder Bilder aus Fotoshootings.
Foto: M. Rädel
Das imposante Gebäude im Berliner Stadtteil Friedrichshain beheimatet seit 2004 das Nachfolgeprojekt des legendären Klubs Ostgut (1998 – 2003), der wiederum aus der schwulen (Fetisch-)Partyreihe „SNAX Club“ heraus entstanden ist.
Stichwort Berghain. Das Berghain ist ein ganz besonderer Ort für mich, den ich per Zufall entdeckte, ohne vorher davon gehört zu haben. Ich besuchte das Lab.oratory zu meinem ersten „Folsom“-Straßenfest im Jahr 2019. Von dort habe ich mich von einem Freund mitreißen lassen, der unbedingt dorthin gehen wollte. Sobald ich den ersten Schritt auf den Berghain-Floor gegangen bin, merkte ich, dass ich einen besonderen Ort fand, den ich ganz unbewusst gesucht hatte. Durch die gesamte Nacht und den folgenden Tag tanzte ich in Latex und fühlte mich so glücklich wie noch nie zuvor. Dies war der erste Moment, an dem ich das Gesicht hinter der Maske von Buday zeigte (weil keine Fotos/Videos im Klub erlaubt sind). Es ist ein Ort, an dem ich sehr viel über mich selbst lernte und andere mir bis zum heutigen Tag helfen, mein wahres Ich zu verstehen. Ich trainierte mich, die Musik und dabei die anderen Gäste um mich herum genau wahrzunehmen. – Dies brachte mich vor Kurzem zu dem Entschluss, als DJ zu starten (da ich immer mehr Gründe dafür erkannte), und ich werde hoffentlich auch in der Technoszene meinen Namen als Künstler verwirklichen.
Worauf freust du dich gerade? Seit 2017 bin ich ein Puppy und habe in den letzten Jahren viel von mir in der Fetischszene eingebracht. Vor allem für mehr Sichtbarkeit der Puppy-Szene, um mehr Menschen zu inspirieren, die sich vielleicht ebenfalls etwas anders, außerhalb von gesellschaftlichen Normen, fühlen und nach einer sicheren Familie suchen (ganz wie ich). Das ist zumindest, wie ich Puppys wahrnehme. Eine große Familie mit seltsamen, aber glücklichen Leuten. Und dafür steht die Szene: sich niemals für die eigene Seltsamkeit schämen! Denn genau diese bringt Freude und sollte niemals ein Grund für Scham sein! Ein Ziel für mich ist es, weiter aus meiner Komfortzone zu gehen. Ich möchte noch mehr Teil der Techno-Szene werden und darin auch die Puppy-Community vertreten, auf einer anderen Ebene als bisher. Musik ist etwas Universelles, und ich glaube, dass es der perfekte Ort ist, um mich und meine Kreativität auszudrücken und gleichzeitig die Puppys zu repräsentieren.
Wie hältst du dich fit? Vor etwa zehn Jahren habe ich angefangen, ins Fitnessstudio zu gehen. Zu dieser Zeit war es noch kein großer gesellschaftlicher Trend, und muskulös zu sein wurde oft damit assoziiert, dass man etwas kompensieren müsste. Ich war ein professioneller Schwimmer, hatte dadurch einen starken Oberkörper und wollte den Rest meines Körpers harmonischer gestalten und gesund bleiben. Über die Jahre lernte ich, was für mich am besten funktioniert, und ich wollte an diesem Punkt nicht noch mehr Muskelmasse zulegen. Ich könnte schlanker werden, aber dafür würde ich natürlich an Volumen verlieren. – Ich lehne auch Medikamente zum Muskelaufbau für mich ab, weil ich das für ungesund halte. Meinen jetzigen Körper erreicht zu haben, gibt mir Zufriedenheit, und ich möchte nicht der Stärkste sein. Es ist für mich kein Wettbewerb. Gerade weil für mich „sexy“ kein Körpertyp, sondern eine Ausstrahlung ist.
*Interview: Michael Rädel
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