Der britische Sender BBC hat schwerwiegende Vorwürfe gegen Benjamin Cohen, Gründer des LGBTIQ*-Nachrichtenportals PinkNews, und dessen Ehemann Anthony James vollständig zurückgezogen. In einer gemeinsamen Erklärung vor dem High Court in London entschuldigte sich die BBC am 8. Oktober uneingeschränkt für falsche und rufschädigende Anschuldigungen, die sie im Dezember 2024 veröffentlicht hatte. Zudem sagte der Sender dem Paar eine Entschädigung zu.
In der BBC-Dokumentation „PinkNews: Behind Closed Doors“ vom Dezember 2024 wurden Cohen und James unter anderem beschuldigt, sexuelles Fehlverhalten gegenüber jüngeren Mitarbeitenden begangen, ermöglicht oder geduldet zu haben. In einem begleitenden Onlineartikel wurde ihnen außerdem vorgeworfen, junge Mitarbeiterinnen unter Druck gesetzt zu haben, als Leihmütter für das Paar zur Verfügung zu stehen. Die BBC hat diese Anschuldigungen inzwischen vollständig zurückgezogen.
In der gemeinsamen Erklärung vor dem High Court erkannte die BBC die Rücknahme der falschen und verleumderischen Anschuldigungen ausdrücklich an. Wie PinkNews berichtet, wurde über die Höhe der Entschädigung nichts bekannt.
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BBC entfernt Dokumentation und Berichte
Die BBC bestätigte die Entfernung der Veröffentlichungen auch auf ihrer offiziellen Korrekturseite. Dort heißt es im Eintrag vom 8. Oktober, die Dokumentation, die begleitenden Nachrichtenartikel und die zugehörigen Social-Media-Beiträge seien nach der Beilegung der rechtlichen Beschwerde von Cohen und James gelöscht worden.
Die Erklärung auf der BBC-Website fällt allerdings deutlich knapper aus als die Stellungnahme vor Gericht. Auf der Korrekturseite nennt der Sender weder Einzelheiten zu den falschen Vorwürfen noch die Entschädigungssumme. Gegenüber PinkNews erklärte die BBC lediglich, man habe mit Benjamin Cohen und Anthony James eine Einigung erzielt und werde keine weiteren Kommentare abgeben.
Vorwürfe belasteten auch die junge Familie
Als die BBC die Anschuldigungen im Dezember 2024 veröffentlichte, waren Cohen und James erst seit wenigen Monaten Eltern. Ihr gemeinsamer Sohn war damals sechs Monate alt. Im Zusammenhang mit dem Verfahren zur rechtlichen Anerkennung ihrer Elternschaft kam es nach der Veröffentlichung zu zusätzlichen Untersuchungen durch die britische Familiengerichtsberatungsstelle CAFCASS.
Die Berichterstattung hatte für die beiden erhebliche persönliche und berufliche Folgen. Cohen gab sein Amt als Kuratoriumsmitglied der Hilfsorganisation Humanity & Inclusion auf. James legte seine Funktion als nicht geschäftsführendes Mitglied im Leitungsgremium des Bedfordshire Hospitals NHS Foundation Trust nieder.
In ihrer gemeinsamen Erklärung vom 8. Oktober beschreiben die beiden Männer, wie stark die Anschuldigungen ihr Familienleben belastet hätten. Besonders beschäftigt habe sie die Vorstellung, dass ihr Sohn eines Tages im Internet auf die Vorwürfe stoßen könnte.
Die öffentliche Entschuldigung könne die vergangenen knapp zwei Jahre nicht ungeschehen machen. Sie bedeute aber, dass ihr Sohn künftig auch nachlesen könne, dass die Anschuldigungen falsch gewesen seien.
Paar kritisiert homofeindliche Stereotype
Cohen und James kritisieren nicht nur die falschen Anschuldigungen, sondern auch deren mögliche gesellschaftliche Wirkung. Nach ihrer Auffassung habe die BBC mit ihrer Berichterstattung homofeindliche Stereotype verstärkt, insbesondere die Vorstellung, schwule Männer seien sexuell übergriffig oder stellten eine Gefahr für andere dar.
Das Paar wirft dem Sender außerdem vor, Warnungen vor der mangelnden Belastbarkeit der Vorwürfe nicht ausreichend berücksichtigt zu haben. Diese Bewertung stammt von Cohen und James; die öffentlich zugängliche BBC-Korrektur enthält dazu keine näheren Angaben.
Der Fall wirft damit auch grundsätzliche Fragen nach der journalistischen Sorgfalt bei schwerwiegenden Anschuldigungen auf. Gerade bei Vorwürfen sexuellen Fehlverhaltens können Veröffentlichungen weitreichende Folgen haben – unabhängig davon, ob sich die Behauptungen später bestätigen.
Entschädigung geht an gemeinnützige Organisationen
Mit dem Vergleich ist der Verleumdungsrechtsstreit beendet. Die BBC übernimmt nach Angaben des Guardian auch die Rechtskosten des Paares. Cohen und James wollen die Entschädigung an zwei gemeinnützige Organisationen weitergeben: die Multiple Sclerosis Society und die Bedfordshire Hospitals NHS Charity.
Zugleich fordern sie eine Aufarbeitung der redaktionellen Entscheidungen, die zur ursprünglichen Berichterstattung geführt haben. Die BBC selbst hat über ihre offizielle Korrektur und die Bestätigung der Einigung hinaus bislang keine ausführliche öffentliche Erklärung dazu abgegeben.