Elon Musk greift mit Millionen in die US-Midterms ein. Sein Super-PAC hat innerhalb weniger Tage Dutzende Anti-Trans-Anzeigen veröffentlicht – mit überzeichneten Angstbildern und möglicherweise KI-generierten Figuren. Dahinter steckt eine klare Wahlkampfstrategie.
Elon Musk investiert erneut Millionen in den politischen Erfolg der Republikaner – und setzt dabei auf ein bewährtes Feindbild. Weniger als zwei Monate vor den US-Zwischenwahlen attackiert sein Super-PAC „America PAC“ demokratische Kandidat*innen in vier umkämpften Senatsrennen gezielt wegen ihrer Haltung zu trans* Personen.
Die Kampagne richtet sich gegen Sherrod Brown in Ohio, Josh Turek in Iowa, James Talarico in Texas und Mary Peltola in Alaska. Die Anzeigen laufen vor allem online und auf Streaming-Plattformen. Im Mittelpunkt stehen trans Sportler*innen, geschlechtsangleichende Gesundheitsversorgung und der Zugang zu Toiletten.
Political Action Committees (PACs) sind Lobbygruppen, die sich darauf konzentrieren, Abgeordnete oder Wahlbeamte der Regierung zu unterstützen oder zu bekämpfen. Ein Super-PAC kann in den USA unbegrenzt Geld von Einzelpersonen, Unternehmen und Organisationen einsammeln und für politische Kampagnen ausgeben. Die Ausgaben müssen allerdings unabhängig von den Kandidat*innen erfolgen. Die US-Wahlbehörde Federal Election Commission führt „America PAC“ entsprechend als „Independent Expenditure-Only Committee“. Das „America PAC“ gründete Musk 2024 gemeinsam mit anderen Risikokapitalgebern und Technologieunternehmern aus dem Silicon Valley, um Donald Trumps Präsidentschaftskandidatur zu unterstützen.
Dutzende Anti-Trans*-Anzeigen in wenigen Tagen
Wie massiv „America PAC“ auf das Thema setzt, zeigt eine Auswertung des US-Mediums The 19th News. Demnach veröffentlichte Musks Super-PAC innerhalb von weniger als einer Woche mindestens 38 Social-Media-Anzeigen, die trans* Personen angreifen oder Demokrat*innen wegen ihrer Unterstützung für trans* Rechte attackieren. Der Großteil der untersuchten Anzeigen konzentriert sich ausschließlich auf trans* Personen.
Besonders auffällig ist die Bildsprache. In einem Spot gegen Sherrod Brown steht eine stark geschminkte, als trans* Frau dargestellte Person bedrohlich im Hintergrund, während Brown vorgeworfen wird, einer „radikalen Trans*-Agenda“ grünes Licht gegeben zu haben. In einem Spot gegen James Talarico wirft eine ähnlich überzeichnete Figur vor einer Gruppe junger Mädchen einen Basketball in den Korb.
Ob diese Personen von realen Darsteller*innen verkörpert oder mithilfe Künstlicher Intelligenz erzeugt wurden, ist unklar. Nachdem The 19th News Google auf mögliche Verstöße gegen dessen Kennzeichnungspflichten für KI-generierte politische Werbung angesprochen hatte, wurden vier Anzeigen vorübergehend wegen eines nicht näher erläuterten Regelverstoßes entfernt. Später waren sie wieder online.
„Sechs Geschlechter“, Toiletten und Sport
Besonders aggressiv verläuft die Kampagne in Texas. Dort tritt der Demokrat James Talarico gegen den von Donald Trump unterstützten Republikaner Ken Paxton an. „America PAC“ greift unter anderem frühere Äußerungen Talaricos zu Geschlecht auf und behauptet, er glaube an „sechs Geschlechter“. Weitere Spots stellen seine Haltung zu trans* Sportler*innen und geschlechtsangleichender Versorgung für Minderjährige ins Zentrum.
Auch in Alaska setzt das PAC auf Ängste rund um Toiletten, während Sherrod Brown in Ohio wegen einer angeblichen „radikalen Trans*-Agenda“ angegriffen wird. Axios zufolge spielen Trans*-Themen in republikanischen Senatskampagnen 2026 bislang eigentlich eine deutlich geringere Rolle als im Präsidentschaftswahlkampf 2024. Musks PAC versucht offenbar bewusst, diese Strategie wiederzubeleben.
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James Talarico (hier am 31. August in Kerrville, Texas) kandidiert in Texas für den US-Senat. Elon Musks „America PAC“ greift den Demokraten in mehreren Anzeigen wegen seiner früheren Aussagen zu trans* Rechten an.
Mehr als 50 Millionen Dollar eingesammelt
Dafür besitzt „America PAC“ eine gewaltige finanzielle Basis. Nach Angaben der Federal Election Commission nahm das Super-PAC von Anfang 2025 bis Ende Juni 2026 rund 50,3 Millionen Dollar ein.
Schon im Präsidentschaftswahlkampf 2024 gehörte Musk zu den mit Abstand wichtigsten politischen Geldgebern. Nach Angaben der Human Rights Campaign gab er damals rund 290 Millionen Dollar zur Unterstützung Donald Trumps und anderer Republikaner aus.
Auch diesmal fließen beträchtliche Summen in umkämpfte Rennen. Die Ausgaben lassen sich nicht vollständig einzelnen Anti-Trans*-Anzeigen zuordnen. Klar ist jedoch: „America PAC“ investiert massiv in genau jene Staaten, in denen das PAC nun seine Anti-Trans*-Kampagne ausrollt.
Warum ausgerechnet trans* Personen?
Die Strategie knüpft an den Präsidentschaftswahlkampf 2024 an, in dem Republikaner trans* Rechte bereits massiv zum Kulturkampfthema machten. „America PAC“ setzt nun erneut auf stark emotionalisierte Bilder – von angeblich bedrohten Mädchen bis zu überzeichnet dargestellten trans* Frauen. Ziel ist erkennbar nicht nur Sachpolitik, sondern Mobilisierung über Angst und Empörung.
Human Rights Campaign spricht von einer gezielten Suche nach Sündenböcken. „America PAC“ versuche, LGBTIQ*s für politische Zwecke verantwortlich zu machen, erklärte HRC-Sprecher Ramiro Sarmiento. Die Organisation bestätigte die neuen Anzeigen in Alaska, Ohio, Texas und Iowa.
Für die Republikaner steht viel auf dem Spiel
Der Zeitpunkt ist kein Zufall. Bei den Midterms am 3. November wird das gesamte Repräsentantenhaus und ein Drittel des Senats neu gewählt. Die Demokrat*innen benötigen vier zusätzliche Sitze, um dort die Mehrheit zu übernehmen. Selbst traditionell republikanische Staaten wie Texas und Iowa gelten inzwischen als umkämpft. Insgesamt könnten mehr als 3,4 Milliarden Dollar in die Senatswahlen fließen.
Ein Verlust des Senats würde Donald Trumps Handlungsspielraum erheblich einschränken. Die Kammer bestätigt unter anderem Bundesrichter*innen und hochrangige Regierungsmitglieder.
Musk hilft den Republikanern deshalb nicht nur mit Geld, sondern auch mit Wahlkampfinfrastruktur. Und zumindest für einen Teil dieser Offensive setzt „America PAC“ auf ein Mittel, das schon 2024 funktioniert haben soll: trans* Personen als Projektionsfläche eines Kulturkampfs, mit dem konservative Wähler*innen an die Urnen gebracht werden sollen.