Macht Kiffen schwul und rettet Nikotin das Vaterland? Ein ultra-rechter US-Pastor warnt vor dem „Psyop“ der Anti-Tabak-Kampagnen und fordert die Erschaffung harter „Nikotin-Männer“.
Die Gerüchteküche im Kulturkampf der US-amerikanischen Rechten brodelt mal wieder auf einem ganz besonderen Niveau. Der radikale christliche Pastor Joel Webbon hat auf der Plattform X einen handfesten Shitstorm ausgelöst. Seine neueste Theorie: Der Konsum von Marihuana mache Männer „less masculine, more feminine, soft, gay, at least spiritually gay“ – also weniger männlich, weiblicher, weich und „zumindest spirituell schwul“.
Webbon, der der rechtsradikalen christlich-nationalistischen Szene in den USA angehört, nutzt den Begriff „schwul“ hier ganz ungeniert als Schimpfwort, um gegen die fortschreitende Cannabis-Legalisierung zu wettern. Seine krude These: Die Regierung stecke hinter der Legalisierung, um Männer absichtlich „cloudy, fuzzy, lazy, unambitious“ zu machen, damit sie sich „leichter kontrollieren und manipulieren“ lassen.
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Von „weed boys“ und „nicotine men“
Doch der Pastor lässt seine Schäfchen nicht ohne Lösung im moralischen Sumpf sitzen. Seine Rettung für die Männlichkeit lautet allerdings nicht einfach stumpf „raucht mehr“, sondern zielt auf eine bestimmte Geisteshaltung. Webbon fordert, dass christliche Männer Tabak und Nikotin als Weg zurück zur Maskulinität annehmen. Seine eingängige Parole für den Kulturkampf lautet: „Hard times create nicotine men.“ Dem gegenüber stünden die „weed boys“, die nach seiner Darstellung „die Welt ruinieren“.
„Eines der größten Propaganda-Psyops, die wir in den letzten 50 bis 60 Jahren erlebt haben, ist der Krieg gegen Tabak und Nikotin.“ – Joel Webbon
Besonders absurd wird es, als Webbon seine Männlichkeitsfantasie an Tabak und Nikotin knüpft. Er behauptet, einer der größten „Propaganda-Psyops“ der vergangenen Jahrzehnte sei der Kampf gegen Tabak und Nikotin gewesen. Er glaube nicht, dass Rauchen krank mache oder Krebs verursache. Stattdessen legt er nahe, Pestizide oder Chemikalien auf Tabakpflanzen seien das eigentliche Problem. Nikotin hingegen habe „das Land aufgebaut“ und könne es nun auch wieder „heilen“.
Das steht im klaren Gegensatz zu Gesundheitsbehörden: Die WHO weist darauf hin, dass Tabakkonsum weltweit für einen erheblichen Anteil der Krebstodesfälle verantwortlich ist und als Hauptursache für Lungenkrebs gilt. Auch die US-Gesundheitsbehörde CDC hält fest, dass Zigarettenrauchen Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Lungenerkrankungen verursachen kann.