Jacob Tierney, Schöpfer der Serie „Heated Rivalry“, hat der nordamerikanischen Eishockeyliga NHL öffentlich eine „toxische Kultur“ vorgeworfen. In einer Radiosendung von Andy Cohen sagte er, die Liga habe „gerade vier Vergewaltiger verpflichtet“, offenbar eine Anspielung auf frühere kanadische Nationalspieler, die von einem Vorwurf sexueller Gewalt freigesprochen wurden.
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Jacob Tierney
Was Tierney gesagt hat
Tierney trat am 13. Oktober in Cohens SiriusXM-Sendung „Radio Andy“ auf, um sein Buch „I'll Believe in Anything“ zu bewerben, eine Sammlung der kommentierten Drehbücher der ersten Staffel. Cohen sagte, es sei bemerkenswert, wie viel Interesse die Serie für die NHL geweckt habe, und er sei froh, dass die Liga den Moment genutzt habe. Tierney widersprach mit der Gegenfrage, ob sie das getan habe. Er warf der NHL vor, ihrer Verantwortung nicht gerecht zu werden. Es liege an der Liga, glaubhaft zu zeigen, dass der Sport ein sicherer Ort für Menschen sei. Sie müsse sich ihrer eigenen toxischen Kultur stellen, und das tue sie nicht, sagte er: Dafür gebe es, Team für Team, Belege. Die NHL wird seit Längerem für ihre mangelnde Inklusion von LGBTIQ*-Personen kritisiert. Während die Liga sich über das neue, durch die Serie generierte Publikum freut, fiel sie in der Realität oft durch Rückschritte auf. So gab es etwa massive Kontroversen, als die NHL 2023 das Nutzen von Regenbogen-Klebeband („Pride Tape“) zeitweise verbot oder als der Liga-Umgang mit Spielern, die sich weigerten, in Pride-Aufwärmtrikots aufzulaufen, als viel zu nachgiebig kritisiert wurde. Wegen dieser Doppelmoral, fiktionale queere Liebesgeschichte als Erfolgsgarant vs. reale toxische Kultur, machte Tierneys Äußerung zuerst bei queeren Medien wie PinkNews und Queerty Schlagzeilen und verbreitete sich dann über SiriusXM und soziale Medien. Eine Stellungnahme der NHL lag bis zum Nachmittag des 16. Oktober nach Recherche nicht vor.
Um welchen Fall es mutmaßlich geht
Tierney nannte weder Namen noch einen konkreten Fall. PinkNews hält für naheliegend, dass er sich auf das Verfahren gegen fünf frühere Spieler der kanadischen U20- Nationalmannschaft von 2018 bezieht, und merkt zugleich an, dass dies unklar bleibt. Wen er mit „vier“ meint, sagte er nicht. Michael McLeod, Dillon Dubé, Carter Hart, Cal Foote und Alex Formenton waren wegen eines mutmaßlichen Übergriffs auf eine Frau nach einer Gala von Hockey Canada im Juni 2018 in London (Ontario) angeklagt. Alle fünf plädierten auf nicht schuldig und wurden am 24. Juli 2025 freigesprochen, weil die Anklage ihre Beweislast nicht erfüllte.
Vorwurf: „toxische Kultur“
Die NHL erklärte die Spieler zunächst für nicht spielberechtigt und gab sie später frei. Nach Medienberichten kam ihre eigene Untersuchung zu dem Schluss, das Verhalten sei nicht strafbar gewesen, habe aber nicht dem höchsten moralischen Maßstab entsprochen. Hart unterschrieb bei den Vegas Golden Knights und stand 2026 mit ihnen im Stanley-Cup-Finale. Ein schwedischer Klub nahm einen Vertrag mit Foote nach Protesten zurück. Im August 2026 ließ Hockey Canada nach einem Berufungsverfahren die Sperren für vier der fünf Spieler bestehen. Tierneys Wortwahl steht damit im Gegensatz zum Gerichtsurteil. Es handelt sich um seine persönliche Bewertung, nicht um eine juristische Feststellung.
*Quellen: PinkNews, SiriusXM, Queerty, Heated Rivalry News auf X, Global News, The Hockey News, Yahoo Sports