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Sex / Sexualität

Sex ist bei männer* Arbeitsgegenstand, nicht Randnotiz. Er ist der Grund, aus dem es dieses Portal gibt: Weil an dem, was zwei Männer miteinander tun, jahrhundertelang das Strafrecht hing – und in 63 Staaten noch hängt.

Warum ist Sex der Kern und nicht das Kleingedruckte?

Weil die Ablehnung nie an Gefühlen ansetzte, sondern an Handlungen. § 175 stellte nicht unter Strafe, wen jemand liebte, sondern was er tat, und blieb in Deutschland bis zum 11. Juni 1994 in Kraft – nach 1945 in der von den Nationalsozialisten verschärften Fassung. Allein zwischen 1945 und 1969 kam es in der Bundesrepublik zu 50.000 bis 60.000 Verurteilungen (Bundesfamilienministerium). Wer verstehen will, warum die Debatte über queere Rechte immer wieder auf Körper und Praktiken zurückfällt, findet hier den Grund: Nicht die Identität war das Problem, sondern der Sex.

Krank, kriminell, oder beides?

Zum Strafrecht kam die Medizin. Erst am 17. Mai 1990 strich die Weltgesundheitsorganisation Homosexualität aus ihrem Diagnoseschlüssel – deshalb ist dieses Datum heute der internationale Aktionstag gegen Queerfeindlichkeit. Bis dahin war dasselbe Verhalten in einem Land strafbar, im anderen behandlungsbedürftig, oft beides zugleich. Die Zahl der Staaten, die einvernehmliche gleichgeschlechtliche Handlungen bestrafen, sank zwischen 1990 und 2024 von 114 auf 64; aktuell sind es 63. In Brunei, Iran, Jemen, Mauretanien, Saudi-Arabien und Uganda sowie im muslimischen Norden Nigerias droht dafür die Todesstrafe (Bundeszentrale für politische Bildung, Stand Februar 2026). Mehr unter Menschenrechte und § 175.

Was folgt daraus für die Berichterstattung?

Dass Zurückhaltung beim Thema Sex keine Höflichkeit ist, sondern ein Zugeständnis. Wer nicht benennt, worum es geht, überlässt die Beschreibung denen, die es verbieten wollen. Und das Strafrecht wirkt weiter, auch wo es abgeschafft ist: Die Dauerbelastung, die daraus entsteht, heißt in der Forschung Minoritätenstress und erklärt einen erheblichen Teil dessen, was sonst als privates Problem gilt. Deshalb steht hier das Konkrete – und deshalb ist es kein Zufall, dass Gesundheitsversorgung, Strafrecht und Sichtbarkeit in diesem Ressort zusammenlaufen.

Worüber schreiben wir?

Über Lust und Praktiken, über Fetische und Kinks und die Frage, wo eine Vorliebe endet und ein Zwang beginnt. Über Saunen, Cruising und Sexpartys als Orte mit eigenen Regeln – und über Beziehungssex, der langweilig geworden ist. Über Monogamie und offene Modelle, über Eifersucht und darüber, wie Paare Absprachen treffen, die halten. Mehr unter Partnerschaft.

Was ist mit Konsens?

Die Frage ist nicht theoretisch, sondern praktisch: Wie verhandelt man Grenzen, wenn beide getrunken haben? Was heißt Zustimmung in einem Darkroom, in dem nicht gesprochen wird? Wie sagt man mitten im Akt, dass jetzt Schluss ist? Darüber schreiben wir, weil in der Szene selten darüber geredet wird – und weil Grenzverletzungen unter Männern lange als Widerspruch in sich galten.

Und wenn es nicht funktioniert?

Erektionsstörungen, Schmerzen beim Sex, Lustlosigkeit über Monate, Unterschiede im Verlangen zwischen zwei Menschen – all das kommt in Ratgebern für Heterosexuelle vor und in schwulen Medien fast nie. Hier schon, samt der Frage, wann es zum Arzt gehört und wann zur Beratung. Siehe sexuelle Gesundheit und Medizin.

Wie steht es mit dem Schutz?

Er gehört dazu, aber nicht als Drohung: Safer Sex heißt heute mehrere gleichwertige Wege – Kondome, PrEP, Schutz durch wirksame Therapie, Impfungen und regelmäßiges Testen auf STI. Wo Substanzen ins Spiel kommen, verschiebt sich beides, Lust und Risiko – dazu Substanzkonsum.

Und Sex im Alter?

Findet statt und kommt in der Szene kaum vor. Wer über sechzig ist, verschwindet aus Bildern und Anzeigen, nicht aus dem Leben. Das ist ein Thema, kein Randthema. Mehr unter Senioren.

Service: iwwit.de · aidshilfe.de

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