Foto: AFP / Adem Altan
Türkei Anti-LGBTIQ*-Razzia
Nach den landesweiten Razzien gegen die türkische LGBTIQ*-Szene am vergangenen Sonntag spitzt sich die Lage weiter zu. Bei Protesten gegen das behördliche Vorgehen wurden am Dienstag vor dem Istanbuler Justizpalast 106 Demonstranten festgenommen. Wie der türkische Anwaltsverband ÇHD (türkisch: Çağdaş Hukukçular Derneği) bestätigte, sind diese am Mittwochabend wieder auf freien Fuß gesetzt worden.
Unter den vorübergehend Festgenommenen befanden sich nach Angaben von CHD und der Tageszeitung BirGün auch ein Journalist der ARD sowie ein Reporter von BirGün, die über die Kundgebung berichten wollten. Die Sicherheitskräfte hatten die Demonstration von Menschenrechtsaktivisten, Gewerkschaften und Oppositionsgruppen gewaltsam aufgelöst, noch bevor Reden gehalten werden konnten.
Über 100 Aktivisten weiterhin in Haft
Während die Protestierenden freigelassen wurden, greift die Justiz gegen die am Sonntag festgenommenen Mitglieder der Community hart durch. Nach Angaben der Organisation Kaos GL ordneten Gerichte bis Mittwochabend für mindestens 81 Personen Untersuchungshaft an. Zudem wurden am Mittwoch 33 weitere Betroffene in Istanbul dem Haftrichter vorgeführt, 20 von ihnen kamen direkt in Ordnungshaft, darunter mindestens neun Vertretende bekannter LGBTIQ*-Organisationen. Menschenrechtsorganisationen werten die Welle aus Razzien, Festnahmen und digitalen Sperren hingegen als den bisher schwersten Schlag zur systematischen Kriminalisierung der queeren Bewegung in der Türkei.
*Quelle: AFP