Seit dem 23. Februar steht Rob Jetten an der Spitze der niederländischen Regierung und bekleidet das Amt des Ministerpräsidenten (wir berichteten). Aber wer ist der Mensch hinter dem höchsten Amt des EU-Staates? Hier sind acht Fakten, um den Niederländer näher kennenzulernen.
1. Der Jüngste im Amt
Mit nur 38 Jahren hat Rob Jetten den bisherigen Rekord von Ruud Lubbers gebrochen, der 1982 mit 43 Jahren ins Amt kam. Jettens Karriere verlief im Zeitraffer: Mit 24 Jahren saß er bereits im Stadtrat von Nimwegen, mit 31 führte er die D66-Fraktion in Den Haag an. Er ist das Gesicht eines radikalen Generationenwechsels im „Binnenhof“.
2. Verlobt mit einem Mann
Jetten ist seit 2022 mit dem argentinischen Feldhockeyspieler Nicolás Keenan (28) liiert. Keenan ist Profi beim Den Haager Club HC Klein Zwitserland und Nationalspieler für Argentinien. Das Paar gab seine Verlobung während der Olympischen Spiele in Paris 2024 bekannt. Die Hochzeit ist Berichten zufolge für den Sommer 2026 geplant. Keenan wird damit der erste männliche Ehepartner eines niederländischen Ministerpräsidenten. Dass der Premier eines NATO-Staates seinen Partner ganz selbstverständlich zu Staatsakten mitnimmt und private Glückwünsche via Instagram teilt („Lieve Nico, danke für deine bedingungslose Unterstützung“), sendet ein klares zeichen für die Sichtbarkeit der LGBTIQ*-Community auf globaler Ebene.
3. Athletisch
In seiner Jugend war Jetten ein hochtalentierter Langstreckenläufer. Er fungierte zeitweise als Pacesetter (Schrittmacher) für die spätere Olympiasiegerin und Weltrekordhalterin Sifan Hassan, um sie im Training auf Tempo zu bringen. Er läuft weiterhin aktiv, seine Bestzeit beim Marathon: ca. 3 Stunden und 30 Minuten.
Diese physische Ausdauer spiegelt sich in seinem Arbeitsstil wider: In den zähen, 117 Tage dauernden Koalitionsverhandlungen galt er als derjenige, der am längsten am Tisch sitzen blieb. „Politik ist kein Sprint für den schnellen Applaus, sondern die Ausdauer für das richtige Ergebnis“, kommentierte er seinen Amtsantritt.
4. „Echter“ Job vor der Politik
Anders als viele Berufspolitiker hat Jetten eine fundierte Ausbildung außerhalb des Parlaments. Er studierte Verwaltungswissenschaften an der Radboud-Universität Nimwegen und vor seinem Einzug ins Parlament 2017 arbeitete Jetten beim staatlichen Schienennetzbetreiber ProRail. Er stieg als Management-Trainee ein und wurde später Regionalmanager für den Bereich Nordost-Niederlande. Dort war er für die Instandhaltung und den Ausbau der Infrastruktur in Provinzen wie Gelderland und Overijssel verantwortlich.
5. „Robot Jetten“
Zu Beginn seiner nationalen Karriere wurde Jetten oft als „Robot Jetten“ verspottet. Der Begriff entstand 2018 nach einem Interview in der Sendung „Nieuwsuur“. Er wirkte damals so perfekt vorbereitet, dass Kritiker ihm vorwarfen, nur programmierte Sätze zu wiederholen. Jetten konterte mit Humor: Er veröffentlichte zum 1. April ein Video, das ihn beim „Aufladen“ an einer Steckdose zeigte, und gewann für die Wähler damit an Nahbarkeit.
6. Gesicht der grünen Wende
Als ehemaliger Minister für Klima und Energie hat Jetten die Niederlande gesetzlich auf einen harten Sparkurs bei Kohle und Gas verpflichtet. Sein Argument ist dabei rein praktisch: Für ein Land, das zum großen Teil unter dem Meeresspiegel liegt, ist Klimapolitik keine Option, sondern eine Notwendigkeit, um das Land und die Wirtschaft langfristig zu sichern.
7. International vernetzt
Er ist Absolvent des Young Global Leaders Programms des Weltwirtschaftsforums (WEF). Dieser Hintergrund verschafft ihm direkten Zugang zu anderen jungen Leadern wie Emmanuel Macron. In Brüssel gilt er als überzeugter Pro-Europäer, der allerdings, bedingt durch seine Koalition mit der rechtsliberalen VVD, einen deutlich härteren Kurs in der Migrationspolitik fährt als seine Vorgänger bei der D66.
8. Gegengewicht zum Populismus
In den letzten Jahren war die niederländische Politik stark von den rechtspopulistischen Tönen Geert Wilders geprägt. Jetten hat bewiesen, dass man gegen Rechtspopulisten gewinnen kann, wenn man ihnen nicht nacheifert, sondern ein optimistisches Gegenmodell entwirft. „Man besiegt Populismus mit einer positiven Botschaft“, so sein Credo. Ob diese Botschaft die nächsten vier Jahre im harten Regierungsalltag überlebt, ist eine spannende Frage für Europa.
*Quellen: rijksoverheid.nl, parlement.com, nos.nl, ru.nl (Radboud Universiteit), nltimes.nl, ewmagazine.nl, sportnieuws.nl, vno-ncw.nl, d66.nl, nrc.nl, volkskrant.nl