Der niederländische Ministerpräsident Rob Jetten und sein Verlobter Nicolás Keenan erwarten ihr erstes Kind. Eine befreundete Leihmutter macht ihren Traum von einer Familie möglich. Anders als bei Jens Spahn in Deutschland bleibt eine politische Kontroverse bislang aus.
Der niederländische Ministerpräsident Rob Jetten (39) und sein Verlobter, der argentinische Hockey-Nationalspieler Nicolás Keenan, werden erstmals Eltern. Das Paar gab am Montag (19. Oktober) auf Instagram bekannt, dass es im Frühjahr 2027 ein Kind erwartet.
„Da ist jemand ganz Besonderes unterwegs. Bis 2027, Kleines“, schreiben die beiden zu ihrer freudigen Nachricht. Zugleich bedanken sie sich bei ihrer Eizellspenderin, ihrer Leihmutter Lisa und deren Familien. Ohne ihre Unterstützung wäre die Erfüllung ihres Kinderwunsches nicht möglich gewesen.
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Eine Freundin hilft bei der Familiengründung
Wie Jettens Partei D66 in einer offiziellen Mitteilung erklärt, handelt es sich um eine nichtkommerzielle Leihmutterschaft. Die Leihmutter lebt mit ihrem Partner und ihren Kindern in den Niederlanden und ist mit Jetten und Keenan befreundet. Auch die Eizellspenderin stammt aus den Niederlanden und ist eine gute Bekannte des Paares.
Die Schwangerschaft wurde mithilfe einer künstlichen Befruchtung (IVF) in den Niederlanden herbeigeführt. Nach Angaben von D66 entspricht das gesamte Verfahren den geltenden gesetzlichen Vorgaben. Weder die Leihmutter noch die Eizellspenderin erhalten eine Vergütung.
„Wir sind unglaublich dankbar, dass wir dank zweier wunderbarer Frauen nun die Chance bekommen, unseren großen Traum zu verwirklichen“, erklärte Jetten. Der Leihmutter und dem ungeborenen Kind gehe es gut.
Auch Leihmutter Lisa äußerte sich in der Mitteilung. Sie sei selbst in einer liebevollen Familie aufgewachsen und habe heute eine wunderbare eigene Familie. Mit der Unterstützung ihrer Angehörigen empfinde sie die Leihmutterschaft als ganz besondere Möglichkeit, den Traum ihrer Freunde Wirklichkeit werden zu lassen.
Erster offen schwuler Ministerpräsident der Niederlande
Jetten ist seit Februar 2026 Ministerpräsident der Niederlande. Mit seinem Amtsantritt schrieb der D66-Politiker gleich doppelt Geschichte: Als 38-Jähriger wurde er zum jüngsten Regierungschef des Landes und zugleich zum ersten offen homosexuellen Ministerpräsidenten.
Sein Partner Nicolás Keenan spielt Hockey für die argentinische Nationalmannschaft. Das Paar verlobte sich 2024. Die ursprünglich für diesen Sommer geplante Hochzeit wurde nach Jettens Amtsantritt verschoben.
Über ihren Kinderwunsch hatten beide schon zuvor öffentlich gesprochen. Nun wird ihr Traum von einer eigenen Familie Wirklichkeit.
Leihmutterschaft: In den Niederlanden möglich, in Deutschland verboten
Die Familiengründung des Regierungschefs macht auch auf die unterschiedlichen rechtlichen Rahmenbedingungen aufmerksam. In den Niederlanden ist eine nichtkommerzielle Leihmutterschaft grundsätzlich möglich. Die medizinische Betreuung kann unter bestimmten Voraussetzungen im eigenen Land erfolgen. Kommerzielle Vermittlung von Leihmutterschaften ist hingegen untersagt.
In Deutschland ist die Durchführung einer Leihmutterschaft nach dem Embryonenschutzgesetz verboten. Das betrifft insbesondere die beteiligten medizinischen Fachkräfte. Wunscheltern selbst werden für die Inanspruchnahme einer Leihmutterschaft nicht strafrechtlich verfolgt.
Für schwule Paare ist Leihmutterschaft neben Adoption und Pflegeelternschaft eine Möglichkeit, ihren Wunsch nach einem Kind zu verwirklichen. Die niederländische Familienorganisation Meer dan Gewenst setzt sich deshalb seit Jahren für klare gesetzliche Regelungen ein. Diese sollen sowohl Wunscheltern als auch Leihmüttern und Kindern Rechtssicherheit bieten.
Denn auch in den Niederlanden ist die rechtliche Elternschaft nach der Geburt bislang nicht in allen Fällen unmittelbar geklärt. Eine Reform soll die Anerkennung der Wunscheltern erleichtern und die Rechte aller Beteiligten besser absichern.
Anders als Jens Spahn: Jetten vermeidet politische Kontroverse
Dass die Familiengründung zweier prominenter schwuler Politiker sehr unterschiedlich aufgenommen werden kann, zeigte sich erst im Juli in Deutschland. Damals gaben CDU-Fraktionschef Jens Spahn und sein Ehemann Daniel Funke die Geburt ihres Sohnes bekannt, der von einer Leihmutter in den USA ausgetragen worden war (männer* berichtete).
Während sich viele Menschen mit den beiden Vätern freuten, geriet Spahn politisch massiv unter Druck. Der CDU-Politiker hatte sich in der Vergangenheit gegen eine Legalisierung der Leihmutterschaft in Deutschland ausgesprochen. Kritiker*innen warfen ihm deshalb Doppelmoral vor. Auch innerhalb der Union wuchs der Widerstand. Am 18. Juli zog Spahn schließlich die Konsequenzen und trat als Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion zurück, Ende September 2026 legte Spahn zudem sein Amt im Haushaltsausschuss des Bundestags nieder (männer* berichtete).
Foto: Ina Fassbender / AFP
Jens Spahn bei einem CDU-Treffen im Juni 2026. Wenige Wochen später trat er nach heftiger Kritik an seiner Familiengründung mithilfe einer Leihmutter als Unionsfraktionschef zurück.
Jetten geht einen anderen Weg. Er und Keenan haben sich für eine nichtkommerzielle Leihmutterschaft im eigenen Land entschieden. Schon bei der Bekanntgabe der Schwangerschaft legten sie die wesentlichen Umstände offen und machten deutlich, dass die beiden beteiligten Frauen aus persönlicher Überzeugung handeln.
Damit vermeidet Jetten zumindest jene Widersprüche, die Spahn zum politischen Verhängnis wurden. Während Spahns Familiengründung eine politische Kontroverse auslöste, die ihn schließlich sein Amt als Fraktionsvorsitzender kostete, zeigt das niederländische Beispiel, wie ein geregelter, nichtkommerzieller Weg zur Leihmutterschaft aussehen kann
Vorfreude auf das erste gemeinsame Kind
Für Jetten und Keenan steht unterdessen die Vorfreude auf ihren Nachwuchs im Mittelpunkt. Die Schwangerschaft sei bereits so weit fortgeschritten, dass immer mehr Menschen davon wüssten. Mit der öffentlichen Bekanntgabe wolle das Paar verhindern, dass die Nachricht unkontrolliert an die Öffentlichkeit gelange. Zugleich bittet Jetten ausdrücklich darum, insbesondere die Privatsphäre der Leihmutter und der Eizellspenderin zu respektieren.
Nach der Geburt will der Regierungschef einige Tage freinehmen, um Zeit mit seiner Familie zu verbringen. Keenan hat nach Angaben von D66 bereits Vereinbarungen mit seinem Hockeyverein und der argentinischen Nationalmannschaft getroffen, damit sich seine sportliche Karriere mit dem Vatersein vereinbaren lässt.