Der niederländische Ministerpräsident Rob Jetten und New Yorks Bürgermeister Zohran Mamdani haben am Donnerstag gemeinsam das queere Archiv im LGBT Community Center in Manhattan besucht und sich von Jugendlichen zeigen lassen, was dort künftig aufbewahrt wird. Drei Tage zuvor war zu Hause eine Studie erschienen, die zeigt, wie schnell verschwinden kann, was in solchen Archiven liegt.
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Der niederländische Premierminister Rob Jetten spricht während der Eröffnungsrede der WorldPride Human Rights Conference 2026 in Amsterdam.
Erst ein Bier bei Stonewall, dann ein Termin im Archiv
Jetten (39) ist diese Woche zur Generalversammlung der Vereinten Nationen in New York. Am Donnerstag verteidigte er dort den Internationalen Strafgerichtshof gegen angedrohte US-Sanktionen. Am selben Nachmittag saß derselbe Mann in einer Bibliothek an der West 13th Street und ließ sich Zines und Fotocollagen erklären. Das US-Magazin The Advocate durfte mitkommen.
Es war der zweite queere Programmpunkt der Reise. Am Montagabend hatte der Premier im Stonewall Inn ein Bier getrunken und mit Miteigentümer Kurt Kelly über 1969 gesprochen. „Die Emanzipation einer Community hört nie auf“, sagte Jetten dort, „man muss wissen, was die neuen Bedrohungen sein werden.“ Und, gegenüber NL Times: „Man sieht, dass in Ländern, in denen zuerst LGBTI-Rechte angegriffen werden, oft viele andere Rechte anderer Minderheiten folgen.“
Das Haus, in dem ACT UP gegründet wurde
Das Lesbian, Gay, Bisexual & Transgender Community Center, von allen nur The Center genannt, entstand im Dezember 1983 mitten in der Aidskrise. Ein Jahr später kaufte die Organisation die ehemalige Schule an der 208 West 13th Street, die seit 2019 als Wahrzeichen geschützt ist. In diesen Räumen wurden ACT UP, Queer Nation und GLAAD gegründet, die Bibliothek gibt es seit 1991, das Community-Archiv seit 1990. Heute treffen sich dort über 300 Gruppen.
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Mitten im Wahlkampf 2025 zeigte sich der damalige politische Außenseiter solidarisch mit der queeren Community und nahm am New York Pride teil.
Die Anfrage kam aus dem Rathaus: Mamdanis Büro schlug dem Center vor, den Premier dorthin zu bringen. Mit dabei waren Taylor Brown, die als erste trans Person überhaupt eine New Yorker Behörde leitet – das im Frühjahr neu geschaffene Mayor's Office of LGBTQIA+ Affairs –, und Ana Maria Archila, Kommissarin für internationale Angelegenheiten. Mamdani, seit dem 1. Januar im Amt, hatte bei der Wahl 81 Prozent der queeren Stimmen geholt.
„Es geht darum, die Vielfalt zu feiern, aber auch allen Besucher*innen zu erklären, dass weltweit noch viel Arbeit vor uns liegt“, sagte Jetten und verglich die Sammlung mit niederländischen Museumsprojekten zur queeren Geschichte. Mamdani wandte sich an die Jugendlichen: „Es ist etwas sehr Schönes, euch alle darüber sprechen zu hören, wie wichtig dieser Ort ist.“
Was die Jugendlichen mitbrachten
Jaylynn Gaston (19) aus der Bronx zeigte den beiden eine selbst fotografierte Collage. „Es war ein bisschen nervenaufreibend, aber ich bin so froh, dass sie gekommen sind und es sich angesehen haben“, sagte Gaston dem Advocate. Das Center hat geholfen mit Bewerbungstraining, mit Gesundheitsfragen, mit einem jährlichen Sommercamp:
„Es ist lebensrettend, so einen Ort zu haben.“
Die Arbeiten der Jugendlichen gehen ins Archiv, zur dauerhaften Aufbewahrung. Archivar*in Lou McCarthy ordnete den Staatsbesuch entsprechend nüchtern ein: „Es fühlte sich besonders an. Gleichzeitig fühlte es sich ein bisschen an wie das, was ich jeden Tag mache.“ Center-Chefin Carla Smith sagte, der Sammlung eine Bühne zu geben sei „wichtiger denn je, bei dem, was gerade in der Welt los ist“.
Die Zahl, die Jetten zu Hause erwartet
Womit wir bei den Niederlanden wären. Am Montag, dem Tag von Jettens Stonewall-Besuch, veröffentlichten die Universität Utrecht und das Trimbos-Institut die neue HBSC-Studie zur Gesundheit und zum Wohlbefinden von 11- bis 16-Jährigen. Befragt wurden mehr als 6.000 Schüler*innen, erhoben wird alle vier Jahre. Ergebnis: Der Anteil der Jungen mit einer positiven Haltung zu Homosexualität fiel zwischen 2021 und 2025 von 40 auf 22 Prozent, bei den Mädchen von 78 auf 51 Prozent (wir berichteten). Nur noch 45 Prozent glauben, dass eine schwule oder lesbische Person an ihrer Schule offen damit umgehen könnte.
„Wir hatten mit einem Rückgang gerechnet, aber nicht mit einem so starken“, sagte Studienleiterin Gonneke Stevens. Die Toleranz liege wieder ungefähr auf dem Stand von 2009 – ein Vergleich, den die Forschenden selbst einschränken, weil sich die Stichprobenziehung seither geändert hat. Das ist das Land, das am 1. April 2001 als erstes weltweit die Ehe für alle öffnete und das Jubiläum in diesem Frühjahr zum 25. Mal begangen hat. Rechtliche Gleichstellung und gesellschaftliche Akzeptanz sind offenbar zwei getrennte Kurven.
2,6 Millionen Euro und zwanzig Einladungen
Jettens Kabinett hat reagiert, und zwar ausdrücklich auf diese Studie. Staatssekretärin Judith Tielen (Emanzipation, VVD) kündigte am Freitag an, das Programm „Regenboogsteden“ bis 2029 fortzuführen und auszuweiten: 20 weitere Kommunen werden eingeladen, dazu zehn neue „Veilige Steden“, die unter anderem an einem sichereren Nachtleben arbeiten. Für die Sicherheit von LGBTIQ*-Personen stellt der Staat 2,6 Millionen Euro zusätzlich bereit, ab 2027 sollen auch die karibischen Inselgemeinden mitmachen können. Derzeit sind 56 Kommunen Regenbogenstadt.
Ob Geld für Kommunen ändert, was 14-Jährige übereinander denken, wird sich zeigen. Die nächste HBSC-Befragung steht 2029 an – im selben Jahr, in dem das Regenbogenstädte-Programm ausläuft. *ck