Wegen der angeblichen Verbreitung von „LGBT-Propaganda“ sind in Russland nach Angaben der russischen staatlichen Nachrichtenagentur Tass mehrere Verlagsmitarbeiter*innen festgenommen worden.
Anfang dieses Jahres setzte der Kreml die „LGBT-Bewegung“ auf eine Liste verbotener extremistischer Gruppen. Nun ist dieser Hexenjagd offenbar mehrere Mitarbeitende des Verlags Eksmo zum Opfer gefallen. Wie die russische staatliche Nachrichtenagentur Tass berichtet, wurden der Leiter des Vertriebs des größten russischen Verlags, Anatoli Norowjatkin, und rund zehn weitere Angestellte festgenommen. Die Festnahmen stünden im Zusammenhang mit von dem Verlag Popcorn Books veröffentlichten Büchern, schreibt Tass unter Berufung auf Polizeikreise.
Jugendbuchverlag im Fadenkreuz
Der 2018 gegründete Buchverlag Popcorn Books mit Sitz in Moskau veröffentlicht Literatur für junge Erwachsene, die, so schreibt der Verlag auf der Webseite, „Themen behandelt, die auch heute noch als kontrovers gelten“. Vorranging handelt es sich dabei um Bücher zu Themen wie Rassismus, Feminismus, Geschlechtsidentität und psychische Gesundheit. „Unsere Literatur soll nicht nur unterhalten, sondern die Leser auch dazu anregen, über die komplexen Aspekte des Lebens zu diskutieren und sie zu verstehen.“
Statement von Popcorn Books
Zu den Verhaftungen hat der Verlag Popcorn Books auf Telegram ein Statement veröffentlicht:
„Leute, ihr habt die Neuigkeiten wahrscheinlich schon gesehen. Die Wohnungen unserer Kollegen wurden heute durchsucht. Eine detaillierte Stellungnahme können wir derzeit nicht abgeben, da uns die vollständigen Informationen fehlen und wir nicht alle Einzelheiten kennen. Wir haben Angst und sind beunruhigt. Was genau die Ansprüche [Vorwürfe, Anm. d. Red.] sind, wissen wir noch nicht.
Wir haben immer im Rahmen des Gesetzes gehandelt, wie auch immer dieses aussehen mag, und deshalb empfinden wir die aktuellen Ereignisse als großen Schock und als Ungerechtigkeit. Wir hoffen jedoch, dass sich die Situation bald klären wird.
Vielen Dank an alle, die jetzt bei uns sind – in Gedanken, in Worten und mit Unterstützung. Das bedeutet viel. Wir umarmen dich.“
*AFP/sah