San Marino, die älteste Republik der Welt, hat mit Paolo Rondelli das weltweit erste LGBTIQ*-Staatsoberhaupt ernannt.
LGBTIQ*-Regierungschefs und Ministerpräsident*innen gab es davor schon mehrere, etwa Ana Brnabić (Serbien), Johanna Sigurdardottir (Island), Leo Varadkar (Irland) und Xavier Bettel (Luxemburg). Rondelli aber ist das erste offen schwule Staatsoberhaupt der Welt.
Der 58-jährige Rondelli regiert den Zwergstaat San Marino seit 22. April gemeinsam mit Oskar Mina als eines der beiden Staatsoberhäupter. San Marino hat immer zwei Staatsoberhäupter, Capitani Reggenti („regierende Hauptleute“ oder „regierende Kapitäne“) genannt. Sie werden vom Parlament für eine Amtszeit von sechs Monaten gewählt und üben als Garanten der verfassungsmäßigen Ordnung der Republik eine vorwiegend repräsentative Rolle aus.
Paolo Rondelli wurde 1963 in San Marino geboren, studierte Chemieingenieurwesen an der Universität Bologna und machte später einen Master in Journalismus.
Nach Tätigkeiten in der freien Wirtschaft startete Rondelli ab 1993 seine Laufbahn in der sanmarinischen Verwaltung als Experte für Technologie und Umwelt am Institut für soziale Sicherheit und Gesundheit, wo er von Juli 1993 bis November 1998 arbeitete. Anschließend wurde er mit der gleichen Qualifikation in das Ministerium für Soziale Sicherheit versetzt, wo er bis Juli 2001 blieb.
Von 2007 bis 2016 war Rondelli der erste Botschafter von San Marino in den Vereinigten Staaten. Seit 2019 sitzt Rondelli für die linke Partei Movimento Civico R.E.T.E. im Parlament von San Marino. Zusätzlich zu seinen Aufgaben engagierte sich Rondelli stets für die LGBTIQ* Community, so war er lange Jahre Vizepräsident des Schwulenverbands Arcigay (Associazione LGBTI+ italiana), dem wichtigsten LGBTIQ*-Verband in Italien.
Foto: U.S. Government / CC0 /wikimedia.org
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Rondelli als Botschafter mit George W. Bush.
Für San Marino markiert die Ernennung Rondells einen großen Fortschritt, denn in San Marino war Homosexualität bis 2004 ein Verbrechen, das mit Gefängnis bestraft wurde. In den letzten Jahren ist San Marino jedoch moderner geworden, seit 2008 sind queere Menschen per Gesetz vor Diskriminierung geschützt, außerdem werden Hassverbrechen gegen Queers durch das Strafrecht geahndet. 2018 führte das Parlament eingetragene Lebenspartnerschaften ein. Ein Jahr später stimmten über 70 Prozent der Wähler*innen in einem Referendum für die Aufnahme des Merkmals „sexuelle Orientierung“ in den Diskriminierungsschutz der Verfassung.