Ein 37-jähriger Mann soll in New York einen zwölfjährigen Jungen aus homophobem Hass angegriffen haben. Nach Angaben der Polizei wurde der Verdächtige nun mehr als zwei Monate nach der Tat festgenommen. Der Fall macht deutlich, dass queerfeindliche Gewalt nicht erst offen queere Menschen trifft – sondern auch Kinder und Jugendliche, denen eine sexuelle Orientierung lediglich zugeschrieben wird.
Der Angriff ereignete sich dem Online-Medium Patch zufolge bereits am 29. April in der Nähe eines Spielplatzes der Baruch Houses, einer Wohnanlage auf der Lower East Side von Manhattan. Der Junge soll gerade eine öffentliche Toilette verlassen haben, als der Mann ihn angesprochen und mit homophoben Beleidigungen beschimpft haben soll.
Anschließend soll der Verdächtige den Zwölfjährigen mit einem Gürtel geschlagen haben. Das Kind erlitt nach Polizeiangaben leichte Verletzungen. Der mutmaßliche Täter flüchtete zunächst.
Verdächtiger nach monatelanger Suche festgenommen
Wie US-Medien unter Berufung auf die New Yorker Polizei berichten, wurde der 37-jährige Kevin Maxwell am Sonntag festgenommen. Gegen ihn wurden mehrere Vorwürfe erhoben, darunter Körperverletzung als Hassverbrechen, Bedrohung sowie Gefährdung des Wohls eines Kindes.
Der Fall wird von den Behörden als mutmaßliches Hassverbrechen verfolgt. Entscheidend ist dabei nicht, ob das Opfer tatsächlich schwul ist. Nach US-Definition kann ein Hassverbrechen auch dann vorliegen, wenn Täter*innen eine Person aufgrund einer zugeschriebenen sexuellen Orientierung angreifen.
Hassverbrechen gegen LGBTIQ*s nehmen zu
Die Festnahme erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem die Behörden in New York City einen deutlichen Anstieg von Hassverbrechen gegen LGBTIQ*s melden – obwohl die Kriminalität insgesamt weiter zurückgeht.
Bei der vierteljährlichen Pressekonferenz des New York City Police Departments (NYPD) zur Kriminalitätslage erklärte Bürgermeister Zohran Mamdani, die Zahl schwerer Straftaten sei seit Jahresbeginn stadtweit um fast sechs Prozent gesunken. Gleichzeitig habe die Stadt jedoch mehr bestätigte Hassverbrechen registriert. Antisemitische Straftaten machten weiterhin den größten Anteil aus, zugleich seien Hassverbrechen gegen LGBTIQ*s und Muslim*innen deutlich angestiegen.
Wie Patch berichtet, stieg die Zahl bestätigter Hassverbrechen nach Angaben des NYPD aufgrund der sexuellen Orientierung im zweiten Quartal 2026 um 61,5 Prozent – von 13 Fällen im Vorjahreszeitraum auf 21. Der kürzlich verabschiedete Haushalt der Stadt sieht deshalb eine mehr als 800-prozentige Aufstockung der Mittel zur Prävention von Hassverbrechen vor.
„In unserer Stadt ist kein Platz für Hass jeglicher Art“, sagte Mamdani.
Angriff zeigt Gefahr für Kinder und Jugendliche
Der Fall macht deutlich, wie gefährlich queerfeindliche Gewalt auch für Kinder und Jugendliche werden kann – selbst dann, wenn sie lediglich als queer wahrgenommen werden. Ein Zwölfjähriger wird nicht deshalb angegriffen, weil er eine politische Debatte führt oder öffentlich sichtbar ist, sondern weil ein Erwachsener ihm eine sexuelle Orientierung zuschreibt und daraus Gewalt ableitet.
In den USA gehören Straftaten wegen sexueller Orientierung seit Jahren zu den häufig erfassten Hassverbrechen. Nach FBI-Daten wurden für das Jahr 2024 insgesamt 11.679 Hassverbrechen mit 14.243 Betroffenen gemeldet – über alle erfassten Kategorien hinweg. Straftaten aufgrund sexueller Orientierung machen davon einen wiederkehrend bedeutenden Anteil aus.
Für queere Jugendliche und für Kinder, die als queer wahrgenommen werden, bedeutet das eine besondere Verletzlichkeit. Sie sind oft noch nicht in der Lage, sich selbst zu schützen, Vorfälle einzuordnen oder Hilfe einzufordern. Umso wichtiger ist, dass Polizei, Schulen und soziale Einrichtungen queerfeindliche Gewalt ernst nehmen – auch dann, wenn sie sich nicht gegen offen queere Menschen richtet.
Der Verdächtige plädierte Medienberichten zufolge auf nicht schuldig. Es gilt die Unschuldsvermutung.