Fotos: Instagram @dupla.oxiuai
Sie wollten ihr Leben eigentlich ganz Gott weihen, doch das Schicksal hatte einen anderen Plan: Die beiden brasilianischen Novizinnen Francília Costa und Luiza Silvério konnten sich bei ihrer ersten Begegnung im Kloster absolut nicht ausstehen. Jahre später retteten sie sich gegenseitig aus schweren psychischen Krisen, verließen gemeinsam den Orden und erkannten, dass aus ihrer engen Freundschaft Liebe geworden war. Nach ihrer Hochzeit teilen die beiden Ex-Nonnen ihre außergewöhnliche Geschichte, die nahezu klingt wie aus einem „Enemies to Lovers“-Roman entsprungen, nun mit der Welt.
Eine erste Begegnung voller Abneigung
Die Geschichte von Francília und Luiza beginnt im Jahr 2019 an einem Ort, der traditionell für Entsagung und Ehelosigkeit steht: in einem katholischen Konvent im brasilianischen São Paulo. Beide Frauen traten damals mit der festen Absicht ein, ihr Leben ganz Gott zu weihen und die ewigen Gelübde abzulegen. Francília verbrachte insgesamt neun Jahre in religiösen Institutionen, Luiza zwei Jahre. Dass sie dort der Liebe ihres Lebens begegnen würden, schien zu diesem Zeitpunkt ausgeschlossen, zumal sie sich anfangs absolut nicht ausstehen konnten. Luiza erinnerte sich in Interviews mit der BBC News Brasil lachend an ihre erste Reaktion und erzählte, dass sie damals dachte, was für eine eingebildete und unausstehliche kleine Nonne Francília doch sei. Diese wiederum empfand genau dieselbe grundlose Antipathie und bestätigte später, dass man manchmal einfach das Gesicht von jemandem ohne jeden ersichtlichen Grund nicht mag.
Die gemeinsame Krise hinter Klostermauern
Trotz des holprigen Starts zwang der strikte und isolierte Alltag im Kloster die beiden Novizinnen zur Zusammenarbeit. Aus der gegenseitigen Abneigung entwickelte sich im Laufe des Jahres 2020 eine tiefe Freundschaft. Ein verbindendes Element war dabei auch eine gesundheitliche Gemeinsamkeit, denn bei beiden Frauen wurde eine Zöliakie diagnostiziert. Doch das strenge Ordensleben forderte bald einen hohen psychischen Tribut. Luiza geriet nach dem Verlust ihrer Großmutter in schwere Depressionen und litt unter Angstzuständen, während Francília während der COVID-19-Pandemie von heftigen Panikattacken eingeholt wurde. Beide Frauen erkannten unabhängig voneinander durch psychologische Betreuung, dass der Verbleib im Kloster ihrer mentalen Gesundheit dauerhaft schaden würde. Luiza betonte rückblickend, dass der Schritt kein Davonlaufen vor ihrer Sexualität war, da beide das Kloster mit dem klaren Vorsatz betreten hatten, Gott zu dienen. Da die Kraft dafür jedoch fehlte, beschlossen beide, den Orden zu verlassen.
Der Sprung ins weltliche Leben
Der Austritt bedeutete für die beiden Frauen einen massiven Kulturschock. Ohne finanzielle Rücklagen und mit Lebensläufen, die fast ausschließlich aus theologischer Ausbildung bestanden, mussten sie sich eine völlig neue Existenz aufbauen. Da sich keine von beiden eine eigene Wohnung in der Stadt Pouso Alegre leisten konnte, beschlossen sie, als rein platonische Freundinnen in eine gemeinsame Wohngemeinschaft zu ziehen. Die Wende von der Freundschaft zur Romantik kam schließlich an einem ganz gewöhnlichen Fernsehabend. Sie sahen sich eine Liebeskomödie an, in der sich zwei Menschen, die sich anfangs hassen, in einer gemeinsamen Wohnung ineinander verlieben. Der Film spiegelte ihre eigene Dynamik so perfekt wider, dass Francília ihre Gefühle nicht mehr leugnen konnte. Sie gestand Luiza ihre Liebe, was diese mit einem Kuss beantwortete. Seit 2023 gehen die beiden offiziell als Paar durchs Leben.
Ein Segen jenseits der Kirchengesetze
Im April 2024 verlobten sich die beiden Frauen und im Oktober 2025 feierten sie schließlich ihre feierliche zivile Hochzeit unter freiem Himmel. Da eine Trauung innerhalb der katholischen Kirche für gleichgeschlechtliche Paare nicht möglich ist, bauten sie ihre tief verwurzelte Spiritualität auf andere Weise in die Zeremonie ein. Ein Hochzeitsfoto erlangte in den sozialen Medien besondere Aufmerksamkeit, da das Paar darauf mit einer Statue der Nossa Senhora Aparecida, der Schutzpatronin Brasiliens, posiert. Luiza erklärte diesen Moment mit den Worten, dass sie zwar kein Foto am Altar einer Kirche haben, dafür aber eines mit der Gottesmutter, die für sie Dankbarkeit, Fürbitte und die Weihe ihrer neuen Familie an Gott repräsentiert. Zur großen Freude der Frauen erhielten sie für ihren Lebensweg auch den vollen Rückhalt und die Akzeptanz ihrer stark religiösen Familien.
Eine neue Mission im Internet
Heute arbeiten Francília im digitalen Marketing und Luiza im Immobilienbereich, während sie parallel Psychologie studiert. Unter dem Namen „Dupla Oxiuai“ führen sie einen erfolgreichen Instagram-Kanal, auf dem sie ihre Geschichte öffentlich teilen. Sie wollen zeigen, dass Glaube und sexuelle Orientierung keine Gegensätze sein müssen. Als aktive Mitglieder im Netzwerk „Diversidade Católica“, einer brasilianischen Bewegung für LGBTIQ*-Katholiken, betrachten sie ihre Sichtbarkeit mittlerweile als eine neue Form des Dienstes. Francília bringt diese Lebensaufgabe prägnant auf den Punkt, indem sie sagt, dass ihre heutige Mission darin bestehe, da zu sein, um den Geschichten anderer zuzuhören und Menschen zu helfen.
Für beide Frauen steht fest, dass ihre Liebe kein Widerspruch zu ihrem Glauben ist, oder wie Francília es zusammenfasst: „Wenn es auf dieser Welt einen Liebesgott gibt, dann war unser Cupido Gott.“
*Quellen: Metrópoles, BBC News Brasil, Mais Goiás & Portal UAI, PinkNews, Instagram @dupla.oxiuai, Netzwerk „Diversidade Católica“