Öffentlicher Raum als Hauptrisiko
Grafik: KI erstellt
Mit 165 Fällen ereigneten sich erneut die meisten Übergriffe auf öffentlichen Straßen oder in Bussen und Bahnen – das sind 46 Prozent aller ausgewerteten Taten. Die Sichtbarkeit als LGBTIQ* im öffentlichen Raum reicht oft schon aus, um zur Zielscheibe zu werden. Schwerpunktbezirke: Schöneberg (50 Fälle), Neukölln (42), Kreuzberg (34), Friedrichshain (30) und Tiergarten (28). Dominierende Delikte sind Nötigungen und Bedrohungen (39 Prozent), Beleidigungen (31 Prozent) und Körperverletzungen (23 Prozent).
Gewaltserie gegen Cruiser im Volkspark Friedrichshain
Grafik: KI
So illustriert KI die Situation im Park
Besonders alarmierend war eine Angriffsserie auf schwule Männer im Volkspark Friedrichshain zwischen Juli und August. Cruiser wurden mit Feuerwerkskörpern beworfen, von 10- bis 20-köpfigen Gruppen junger Männer verfolgt, ausgeraubt und teils zu Boden getreten. In mehreren Fällen blockierten die Täter gezielt die Ausgänge des Cruising-Gebiets. MANEO verzeichnete insgesamt 26 Übergriffe in Cruising-Gebieten – genauso viele wie im Vorjahr.
MANEO selbst im Visier
Die Anti-Gewalt-Beratungsstelle wurde 2025 mehrfach selbst Ziel von Angriffen: eingeschlagene Scheiben, ein Brandanschlag auf das Tiny House am Info-Punkt Regenbogenkiez, ein abgerissenes Eingangsschild, eine entwendete Spendendose. Zwischen September und Oktober häuften sich die Vorfälle so stark, dass die laufende Arbeit beeinträchtigt wurde. Insgesamt zählte MANEO 58 Übergriffe gegen LGBTIQ*-Einrichtungen, Gedenkorte und Teilnehmer*innen von Szene-Events – ein Rückgang gegenüber 2024 (80), der aber laut MANEO auch daran liegt, dass viele Einrichtungen Vorfälle gar nicht mehr melden.
Drei Kernforderungen
MANEO fordert von Politik und Verwaltung:
- Personelle Verstärkung der Opferhilfe. Aktuell teilen sich fünf Fachkräfte eine einzige Personalstelle. „Die kontinuierlich hohe Anzahl an Anfragen bringt MANEO an seine Grenzen", heißt es im Report.
- Mehr Schutz für queere Einrichtungen und einen regelmäßigen fachlichen Austausch zwischen MANEO und der Polizei. Der seit 2020 unterbrochene Austausch anonymisierter Daten – einst bundesweites Vorbild – wäre nur durch eine Bundesinitiative wieder möglich, an der es politisch fehle.
- Ausbau proaktiver Vorort-Arbeit, um das Dunkelfeld aufzuhellen. Es reiche nicht, dass Einrichtungen darauf warten, dass sich Betroffene melden.
Bedrohung von mehreren Seiten
Der Berliner Verfassungsschutz widmete LGBTIQ*-Feindlichkeit 2025 erstmals ein eigenes Kapitel und benannte rechtsextreme und islamistische Gruppierungen als zentrale Träger queerfeindlicher Agitation. Innensenatorin Iris Spranger erklärte:
„Im Fokus von Verfassungsfeinden stehen dabei wiederholt Homosexuelle, queere Menschen und Transpersonen."
Die Amadeu-Antonio-Stiftung dokumentierte für 2025 bundesweit 111 überwiegend rechtsextreme Angriffe und Störversuche gegen CSDs – ein neues Rekordhoch.
👉Der vollständige MANEO-Report 2025 steht unter maneo.de zum Download bereit.