Foto: Michael Krawczyk
„Musik kann das Geschehene nicht ungeschehen machen. Aber sie kann Menschen zusammenbringen. Sie kann Haltung zeigen, Räume schaffen und aus Anteilnahme konkrete Solidarität werden lassen. Fresse auf für queere Freiheit – Gegen Hass und Einschüchterung – Für Sichtbarkeit, Vielfalt und Solidarität.“ Mit diesen Worten kündigten der Rapper Baran Kok an Seite der Veranstalter Loft Concerts und Höme sein Benefizkonzert an (männer* berichtete). Auslöser war der Anschlag auf den Berliner Christopher Street Day Ende Juli, der ein Todesopfer sowie 31 teils Schwerverletzte forderte. Und die Rechnung ging auf: Nun liegt die lückenlose Bilanz vor, die zeigt, wie viel finanzielle Unterstützung der Abend tatsächlich eingebracht hat.
Wer ist Baran Kok?
Der in Istanbul geborene Musiker mit kurdischen Wurzeln wuchs in Freiburg im Breisgau auf und gilt als der erste offen schwule Rapper im oft noch von Männlichkeitsklischees geprägten Deutschrap. Nach Stationen als DJ in der Berliner Klubszene und Tour-Begleiter für Künstler*innen wie Domiziana feierte er 2024 mit seiner Debütsingle „Herr Officer“ den musikalischen Durchbruch. Seine Musik kombiniert expliziten Rap mit Club-Beats, provokantem Humor und kompromissloser Haltung. Kok nutzt seine Plattform gezielt, um Homophobie den Kampf anzusagen und queeres Empowerment innerhalb der Hip-Hop-Kultur einzufordern.
Ein ausverkaufter Abend für den Zusammenhalt
Am Dienstagabend, den 18. August 2026, war es schließlich so weit. Die Columbiahalle in Berlin, in der schon Größen wie Snoop Dogg, The Prodigy, Florence + the Machine oder zuletzt Nina Chuba spielten, war mit 3.500 Gästen bis auf den letzten Platz restlos ausverkauft. Wegen der angespannten Sicherheitslage nach dem Ereignis im Juli begleiteten erhöhte Polizeipräsenz und strenge Einlasskontrollen das Event.
Transparente Abrechnung
Die genauen Zahlen hat Baran Kok kürzlich in einer transparenten Abrechnung auf Instagram offengelegt. Durch den Verkauf von Tickets, Merchandise und zusätzlichen Direktspenden wurde eine Brutto-Einnahme von rund 142.238 Euro erzielt. Nach Abzug der unvermeidbaren Produktions-, Technik- und Locationkosten in Höhe von etwa 50.740 Euro blieb ein Reinerlös von exakt 91.497,81 Euro übrig.
Die Spendensumme wird zu gleichen Teilen auf zwei zentrale Pfeiler aufgeteilt. Die eine Hälfte geht an die Schwulenberatung Berlin, um akute Opferhilfe, psychologische Betreuung und Schutzräume für von Gewalt Betroffene auszubauen. Die andere Hälfte geht an ostdeutsche CSD-Vereine. Gerade in kleineren Städten und ländlichen Regionen Ostdeutschlands kämpfen die Veranstalter*innen seit Langem mit enorm gestiegenen Sicherheitsauflagen und Anfeindungen, weshalb die Mittel dort dringend für den Erhalt der lokalen Infrastruktur benötigt werden.
*Quellen: Loft Concerts / Höme, Tagesschau / RBB 24, Instagram @baranskok, Diffus Magazin / Musikwoche